Crimes of the Future
© 2022 SPF (Crimes) Productions Inc. & Argonauts Crimes Productions S.A., Photo Credit Nikos Nikolopoulos
„Crimes of the Future“ // Deutschland-Start: 10. November 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Als Performance-Künstler haben Saul Tenser (Viggo Mortensen) und seine Lebensgefährtin Caprice (Léa Seydoux) die Kunstwelt im Sturm erobert. Aufgrund einer Anomalie seines Körpers wachsen Saul neue Organe, welche von Caprice mittels einer Technologie, die eigentlich für Autopsien gedacht ist, bei diesen Auftritten entfernt werden. Die Events bleiben aber nicht ohne Folgen für den Künstler, denn neben dem physischen Schmerz hat er Probleme mit der Verdauung sowie der Atmung, die ihm ein normales Leben unmöglich machen. Aufgrund seines Zustandes stehen er und Caprice praktisch konstant in Verbindung mit der Nationalen Organbehörde, welche die Evolution der Menschen überwacht und kontrolliert, dass Tenser keine Regeln überschreitet. Dort lernt er die Beamtin Timlin (Kristen Stewart) kennen, die ihn nicht nur sehr bewundert, sondern in der Radikalität seiner Auftritte weiter bestärkt. Daher muss er auch nicht lange überlegen, als ihn die Regierung bittet, eine Gruppe von Evolutionsbefürwortern zu unterwandern und den Beamten Informationen zukommen zu lassen über deren Pläne. Dort machen Saul und Caprice Bekanntschaft mit Lang Dotrice (Scott Speedman), der sie bittet, eine Autopsie an seinem Sohn durchzuführen und dies zu einem ihrer Auftritte zu machen.

20 Jahre Produktionszeit

Nachdem er in den letzten Jahren durch eine neue Richtung in seinem filmischen Schaffen aufgefallen war, kehrt Regisseur David Cronenberg mit Crimes of the Future zum Body-Horror zurück, was die Fans des Frühwerks des Kanadiers sicherlich freuen dürfte. Angesprochen auf diese Rückkehr zum Genre erklärt der Kanadier, dass die Idee zu Crimes of the Future ihn schon über 20 Jahre beschäftigt, er sich aber erst jetzt in der Lage fühlte, diese Geschichte zu erzählen. Der Film fühlt sich durchaus an, als hätte Cronenberg keine Pause seit eXistenZ gemacht und abermals ein Werk geschaffen, welches wie kaum ein anderes das politisch-gesellschaftliche Panorama unserer Zeit zusammenfasst.

Manche Szenen und Figuren, insbesondere die Hauptcharaktere, wirken wie die logische Konsequenz aus der Forderung nach dem „neuen Fleisch“ aus Cronenbergs wegweisendem Videodrome. Für Saul und Caprice ist der Körper nicht nur ein Kunstobjekt und damit Lebensunterhalt, denn er ist Selbstausdruck und Objekt sexueller Begehren, der Schmerz eine immerwährende Erinnerung daran, dass man noch lebt und etwas schafft, das zeitlos ist oder zumindest darauf abzielt. Ähnlich abstrakt wie die bizarren Events, die Saul und Caprice veranstalten, ist auch die Optik von Crimes of the Future insgesamt, der in einer unbestimmten Zukunft spielt, in der sich das Organische mit dem Technischen verbunden hat. Viele Objekte sehen aus, als hätten sie schon die Figuren in eXistenz genutzt, mit dem Unterschied, dass es sich hierbei um die Realität handelt und nicht länger um eine virtuelle Scheinwelt. David Cronenberg und Kameramann Douglas Koch finden eine provokante, bisweilen schöne, manchmal abstoßende und verstörende Bildsprache für eine Welt, in der Körper und Technik sich immer weiter annähern, sodass eine neue Stufe der Evolution ansteht.

Der Körper ist die Wirklichkeit

Die Provokation besteht jedoch keinesfalls in den Bildern alleine oder den Effekten. Als Saul spielt Viggo Mortensen einen Künstler, der sich dagegen wehrt, dass seine Kunst ein politisches Statement sein kann, und begeht damit einen großen Fehler. Indem es schon bald keinerlei Tabus mehr gibt und die Evolution nicht mehr länger unkontrollierbar bleibt, ist eine Entwicklung losgetreten worden, die zu einer Entfremdung führt. Cronenbergs Figuren sind Orientierungslose, die immer wieder etwas Neues bieten müssen, für sich und das Publikum, was sowohl Saul als auch Caprice zu Getriebenen macht. Der Körper wird immer mehr zu einem Fetisch, zu einer Wirklichkeit, die man verändern und kontrollieren will, was aber gefährliche Konsequenzen hat.

Neben Mortensen sind es vor allem Seydoux und Stewart, die Eindruck beim Zuschauer hinterlassen werden. Die Französin spiegelt in ihrer Figur den Widerspruch zwischen Körperlichkeit und Entfremdung wider, während Stewart als eine Art „Groupie“ des Künstlers die Lust ausspricht, endlich jenen letzten Schritt zu machen und die Operation mit dem Geschlechtsakt gleichsetzt.

Credits

OT: „Crimes of the Future“
Land: Kanada, Frankreich, Griechenland, UK
Jahr: 2022
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
Musik: Howard Shore
Kamera: Douglas Koch
Besetzung: Viggo Mortensen, Léa Seydoux, Kristen Stewart, Dong McKellar, Scott Speedman

Bilder

Trailer

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Crimes of the Future
fazit
„Crimes of the Future“ ist eine Mischung aus Body-Horror und Science-fiction. David Cronenberg legt einen Film vor, der viel zum Nachdenken anregen wird, durch seine Bilder, seine Figuren und seine Themen. Es ist ein großes, mutiges Werk eines furchtlosen Künstlers, der hier ein brutales und düsteres Statement zu der Welt, in der wir leben abgibt.
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