Ticket ins Paradies Ticket to Paradise Julia Roberts George Clooney
© Universal Pictures

Ticket ins Paradies

„Ticket ins Paradies“ // Deutschland-Start: 15. September 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Es gab eine Zeit, da liebten sich Georgia (Julia Roberts) und David (George Clooney) leidenschaftlich. Inzwischen lieben sie es aber vorrangig, sich gegenseitig zu hassen. Auch viele Jahre nach der Scheidung herrscht zwischen ihnen Dauerkrieg. Wenn sie könnten, hätten sie deshalb überhaupt keinen Kontakt mehr. Doch da ist eben noch Tochter Lily (Kaitlyn Dever), für die beide alles tun würden. Sogar vertragen. Ein bisschen zumindest. Als diese ihnen eröffnet, dass sie den Seegras-Farmer Gede (Maxime Bouttier) auf Bali heiraten möchte, sind sie sich sogar richtig einig: Das müssen sie verhindern, um jeden Preis. Und so reisen sie gemeinsam zur paradiesischen Insel, um dort die Hochzeit zu sabotieren. Dabei müssen sie nicht nur dafür sorgen, dass Lily nichts von ihren Manipulationen mitbekommt. Sie müssen sich zudem mit ihren eigenen Gefühlen auseinandersetzen …

Eine Rückkehr ohne Glanz

Eigentlich sollte man meinen, dass Ticket ins Paradies einer der ganz großen Titel diesen Spätsommer ist. Nicht nur, dass mit George Clooney und Julia Roberts zwei absolute Hollywood-Schwergewichte darin auftreten, die schon mehrere Filme zusammen gedreht haben – darunter Ocean’s Eleven und Money Monster. Sie dürfen sogar noch ein Paar spielen. Fast zumindest. Am Anfang sind sich ihre Figuren zwar noch spinnefeind. Aber den Gesetzen der Liebeskomödie zufolge wird das am Ende nicht mehr so sein. Alles bewährt also, was viele Filme zuvor erfolgreich verkauft haben, sollte auch bei dieser Variante funktionieren. Und doch hält sich der Hype um den Film doch ziemlich in Grenzen. Bei den Kritiken kommt er zudem recht mäßig weg, die Reaktionen schwanken zwischen Verriss und Desinteresse.

Dabei hat der Film sogar einiges zu bieten. Das Aushängeschild sind natürlich Roberts und Clooney. Zwar steht die Hochzeit der Tochter im Mittelpunkt. Doch die wird regelmäßig an den Rand gedrängt, sowohl im Hinblick auf die Handlung wie auch die Figurenzeichnung. Tatsächlich sind Lily und Gede so nichtssagend, dass man schon nach wenigen Minuten das Interesse an ihnen verliert. Deutlich unterhaltsamer sind da zwei Nebenfiguren. Sowohl Lily beste Freundin Wren (Billie Lourd) wie auch Georgias deutlich jüngerer Lover Paul (Lucas Bravo) haben deutlich prägnantere Auftritte. Die sind zwar in ihrer Überzeichnung ebenfalls ohne nennenswerte Nuancen und Schattierungen. Immerhin sind sie aber immer mal wieder unterhaltsam, im Gegensatz zum Hauptpaar, das sich mit dem guten Aussehen zufriedengeben muss.

Nett, harmlos, schön bebildert

Aber nicht nur in der Hinsicht war Regisseur und Co-Autor Ol Parker (Mamma Mia! Here We Go Again) recht genügsam. Auch bei der Entwicklung der Liebesgeschichte der Eltern gab er sich nicht sonderlich viel Mühe. Dass die wieder zusammenkommen, das ist zwar wie gesagt ausgemachte Sache. Niemand hätte etwas anderes vermutet. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht auch Zeit und Arbeit in diese Entwicklung investieren muss. Zwar ist der Sinneswechsel bei Ticket ins Paradies nicht ganz so dreist wie bei Love In The Villa kürzlich, wo einfach mittendrin der Schalter umgelegt wird. Dennoch nimmt man dem Film den Wandel nicht ab. Ein Paar, das seit Jahrzehnten getrennt ist und sich bei jeder sich bieten Gelegenheit bekriegt, soll auf einmal die Erkenntnis haben, dass es sich doch liebt. Nur ein paar Sätze, das war es schon.

Wer sich an dieser Seichtigkeit und dem Formelhaften nicht stört, der bekommt schon ein bisschen was geboten. Georgia und David mögen selbstbezogen und nicht übermäßig sympathisch sein. Amüsant sind ihre Wortgefechte aber schon. Die Aufnahmen sind ein Traum und dürften bei vielen Zuschauern und Zuschauerinnen das Bedürfnis wecken, selbst dorthin zu reisen. Und dann wären da noch die folkloristischen Elemente, etwa bei der Hochzeit, die zumindest punktuell dafür sorgen, dass die Liebeskomödie etwas hervorsticht. Sie tut das nur nicht genug: Ticket ins Paradies ist nett-harmlose Unterhaltung, bei der man den Alltag gegen ein wenig märchenhafte Idylle austauschen kann. Das ist nicht viel, kann aber reichen, um einen Abend lang an nichts denken zu müssen. Und so ein bisschen Eskapismus kann momentan nicht schaden.

Credits

OT: „Ticket to Paradise“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Ol Parker
Drehbuch: Ol Parker, Daniel Pipski
Musik: Lorne Balfe
Kamera: Ole Bratt Birkeland
Besetzung: George Clooney, Julia Roberts, Kaitlyn Dever, Maxime Bouttier, Billie Lourd, Lucas Bravo

Bilder

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Ticket ins Paradies
fazit
„Ticket ins Paradies“ ist eine nett-harmlose Unterhaltung um ein sich hassendes Ex-Paar, das die Hochzeit der Tochter verhindern will. Dabei stehen eindeutig die Eltern im Mittelpunkt, das eigentliche Paar ist ohne Charakter und ein bloßes Mittel zum Zweck. Auch bei der Handlung gab man sich keine Mühe. Dann und wann ist die Liebeskomödie aber zumindest unterhaltsam. Dazu gibt es traumhafte Aufnahmen und ein paar folkloristische Elemente.
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