Weinprobe für Anfänger La Dégustation
© Bertrand Vacarisas Mandarin & Compagnie/Studiocanal GmbH

Weinprobe für Anfänger

„Weinprobe für Anfänger“ // Deutschland-Start: 29. September 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Jacques (Bernard Campan) steckt in der Krise, beruflich wie privat. So läuft sein Weinhandel schon seit einer Weile nicht mehr besonders gut, weshalb er sich – wenngleich widerwillig – dazu überreden lässt, im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms Steve (Mounir Amamra) als Praktikanten bei sich aufzunehmen. Schlimmer aber noch ist, dass ihm sein Arzt Dr. Milmont (Olivier Claverie) aus gesundheitlichen Gründen jeglichen Weinkonsum ausreden will. Wozu dann überhaupt noch weitermachen? Da platzt eines Tages unerwartet die Hebamme Hortense Le Bris (Isabelle Carré) in sein Leben. Die hat zwar überhaupt keine Ahnung von Wein, kann mit Müh und Not roten von weißem unterscheiden. Und doch stellt sie sich bald als absolute Bereicherung heraus …

Biete schlechte Laune, suche Liebe

Die Welt ist voller mürrischer, alleinstehender Männer im mittleren bis fortgeschrittenen Alter, die nur darauf warten, dass sie von anderen, meist jüngeren zu einem besseren Menschen gemacht werden. Zumindest erwecken Filme immer wieder diesen Eindruck. Regelmäßig erscheinen neue Titel, die in der einen oder anderen Form dieses Motiv aufgreifen. Originell ist das nicht. Regisseur und Drehbuchautor Ivan Calbérac hat damit aber gute Erfahrungen gesammelt: Seine Komödie Frühstück bei Monsieur Henri lockte sowohl in seiner Heimat Frankreich wie auch hierzulande jeweils mehr als 500.000 Besucher und Besucherinnen in die Kinos. Insofern ist es kein Wunder, wenn sein neuester Film Weinprobe für Anfänger ebenfalls auf dieses Erfolgsrezept zurückgreift.

Wobei man ihm zugutehalten muss, dass er nicht einfach nur die alte Geschichte neu erzählt. So sind die beiden Hauptfiguren diesmal vom Alter her deutlich näher beieinander, weshalb die Annäherung mit einer romantischen Komponente einhergeht. Tatsächlich wird Weinprobe für Anfänger gerne auch als Liebeskomödie verkauft. Das ist sicher nicht ganz falsch, da Liebe eine größere Rolle spielt und es auch eine Reihe tatsächlich komischer Szenen gibt. Und doch passt diese Einteilung nicht zu 100 Prozent. Denn um die eigentlich bereits beantwortete Frage, ob diese beiden denn nun zusammenkommen, gibt es eine Reihe weiterer Figuren, Geschichten und Elemente, die ganz bestimmt nicht romantisch sind und auch nur zum Teil komisch.

Zwischen lockerem Spaß und zu viel Drama

Tatsächlich irritiert Weinprobe für Anfänger durch einen Tonalitätswechsel, wie man ihn nun wirklich nicht sehr oft zu sehen bekommt. Was als charmante und leichtfüßige Komödie beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einem Drama um völlig traumatisierte Figuren, in deren Leben nichts funktioniert. Die Anlagen dafür sind zwar früh zu erkennen. Die Vehemenz, mit der Calbérac diesen Wechsel forciert, die überrascht aber schon. Sie überzeugt auch nicht wirklich, da das in dieser geballten Form einfach zu viel ist und zu sehr nach Seifenoper schmeckt als nach Aperitif. Es ist auch völlig unnötig, zum Teil gar zynisch, wie persönliches Leid instrumentalisiert wird. Während etwa die gesundheitlichen Probleme von Jacques und die Einsamkeit von Hortense organisch die nächsten Schritte einleiten, sind andere Schicksalsschläge unangenehme Fremdkörper.

Das ist schade, weil der Film über weite Strecken tatsächlich Spaß macht. Isabelle Carré (À la Carte! – Freiheit geht durch den Magen) als naive Frohnatur mit Helfersyndrom und Bernard Campan (Glück auf einer Skala von 1 bis 10) in der Rolle des genussvollen Griesgrams sorgen für reizvolle Kontraste, so wie allgemein die Komik oft aus Reibungen entsteht. Newcomer Mounir Amamra (Vampires) ist als kiffender Praktikant sogar eine echte Entdeckung und funktioniert wunderbar als Stichwortgeber. Da gibt es deshalb schon einiges, was man an Weinprobe für Anfänger mögen darf und einen Gang ins Kino rechtfertigt. Es ist nur schade, dass dem Filmemacher das offensichtlich nicht genug war und er bei seinem Wunsch mehr zu liefern übers Ziel hinausschoss.

Credits

OT: „La Dégustation“
Land: Frankreich
Jahr: 2022
Regie: Ivan Calbérac
Drehbuch: Ivan Calbérac
Musik: Laurent Aknin
Kamera: Philippe Guilbert
Besetzung: Isabelle Carré, Bernard Campan, Mounir Amamra, Eric Viellard, Olivier Claverie, Geneviève Mnich

Bilder

Trailer

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Weinprobe für Anfänger
fazit
„Weinprobe für Anfänger“ beginnt als amüsante und leichtfüßige Komödie, wenn ein grimmiger Weinverkäufer und eine naive Hebamme sich über den Weg laufen. Diese kleinen Reibungen und Kontraste machen später aber großen Dramen Platz, die zum Teil aus dem Nichts kommen und den Film unnötig entgleisen lassen.
Leserwertung8 Bewertungen
4
6
von 10