Die schwarzen Schmetterlinge Les Papillons noirs TV Fernsehen arte Mediathek
© Nicolas Roucou

Die schwarzen Schmetterlinge

Die schwarzen Schmetterlinge Les Papillons noirs TV Fernsehen arte Mediathek
„Die schwarzen Schmetterlinge“ // Deutschland-Start: 22. September 2022 (arte)

Inhalt / Kritik

Es ist schon eine Weile wer, dass Adrien (Nicolas Duvauchelle) etwas Nennenswertes zu Papier gebracht hat. Der Schriftsteller kämpft seit Jahren mit einer Schreibblockade und es sieht nicht danach aus, als würde ihm das noch einmal wirklich gelingen. Da trifft es sich doch irgendwie ganz gut, als eines Tages Albert (Niels Arestrup) auf ihn zukommt und ihn um Hilfe bittet, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben. Adrien nimmt den Auftrag an, ist die Bezahlung doch zu verlocken. An Material mangelt es ebenfalls nicht, der alte Mann hat jede Menge zu erzählen. Vor allem seine Zeit als junger Mann (Axel Granberger) und seine Erlebnisse mit Solange (Alyzée Costes) bieten ausreichend Stoff. Aber es ist ein Stoff, der mit einem düsteren Geheimnis verbunden ist …

Eine Erzählung voller Geheimnisse

Auch wenn arte von manchen mit elitärem Arthouse gleichgesetzt wird, so ist der Kultur-Fernsehsender doch eine immer wieder ergiebige Quelle für Fans düsterer Stoffe. Vor allem im Serienbereich gibt es da regelmäßig interessante Werke, meistens am Donnerstagabend. Die Verdächtige etwa erzählte vor drei Wochen von einer tschechischen Pflegerin, der ein heimtückischer Mord zur Last gelegt wird. Nach dem eher enttäuschenden deutschen Beitrag Lauchhammer – Tod in der Lausitz, der es verpasste, dem klassischen Whodunnit-Krimi spannende Seiten abzugewinnen, steht nun mit Die schwarzen Schmetterlinge ein Ausflug nach Frankreich an. Und es ist ein Ausflug, der es in sich hat und deutlich actionreicher ist, als es die Ausgangssituation vermuten ließe.

Über weite Strecken ist die Rahmenhandlung um den alten Mann, der dem gescheiterten Schriftsteller aus seinem Leben erzählt, nicht mehr als ein Anlass, um die Geschichte überhaupt zu erzählen. Zwar erlaubt die doppelte Zeitebene dem älteren Albert, die früheren Ereignisse zu kommentieren. Das war es aber auch schon mehr oder weniger. Man hätte in den ersten Folgen theoretisch von Die schwarzen Schmetterlinge ausschließlich aus den alten Szenen zusammenbasteln können. Dass wir mehr über den Autor erfahren, der die Geschichte niederschreibt, ist nett, aber überflüssig. So scheint es zumindest. Erst im weiteren Verlauf enthüllt Regisseur Olivier Abbou, der gemeinsam mit Bruno Merle (Felicità) das Drehbuch geschrieben hat, dass es bei dem Buchdiktat um mehr geht.

Der sonnendurchflutete Abgrund

Doch selbst vor diesen späteren Wendepunkten gibt es genügend Gründe für das Publikum, warum es gebannt auf den Fernseher starren kann. Schon das erste Geständnis von Albert hat eine ziemliche Sprengkraft und dürfte nicht wenige Zuschauer und Zuschauerinnen schockieren. Und das ist nur der Anfang, denn der so harmlos wirkende Mann trägt eine ganze Reihe von Geheimnissen mit sich herum, die es einem eiskalten den Rücken hinunterlaufen lassen. Dass Die schwarzen Schmetterlinge diese Abgründe mit sonnendurchfluteten Aufnahmen kombiniert, verstärkt die Wirkung noch. Ein bisschen erinnert das an Clark und Konsorten, die ebenfalls kriminelle Machenschaft sehr poppig inszenierten und dabei gnadenlos überhöhten – mit gleichermaßen verstörendem wie unterhaltsamem Ergebnis.

Zum Ende hin gehen mit Merle und Abbou dann völlig die Pferde durch. Wer auch nur ansatzweise Ansprüche an Plausibilität oder Realismus hat, der wird hiermit eher weniger glücklich werden. Stattdessen ist Die schwarzen Schmetterlinge eine Ansammlung absurder Wendungen und Verstrickungen. Immer wenn man meint, man hätte gerade den Höhepunkt erreicht, wird dieser noch einmal locker übersprungen. Es ist dann auch diese Mischung aus brillanter Optik und überbordendem Wahnsinn, welcher die französische Serie so sehenswert macht. Selten sieht man einen Thriller, der derart verspielt Genrekonventionen nimmt, bis zur Unkenntlichkeit verzerrt und mit einem Augenzwinkern zurückgibt.

Credits

OT: „Les Papillons noirs“
Land: Frankreich
Jahr: 2022
Regie: Olivier Abbou
Drehbuch: Bruno Merle, Olivier Abbou
Musik: Clément Tery
Kamera: Antoine Sanier
Besetzung: Nicolas Duvauchelle, Niels Arestrup, Axel Granberger, Alyzée Costes, Alice Belaïdi, Brigitte Catillon, Marie Denarnaud, Sami Bouajila, Lola Créton, Valentino Genitoni Alati, Henny Reents

Bilder

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Die schwarzen Schmetterlinge
fazit
„Die schwarzen Schmetterlinge“ beginnt als vermeintlich harmlose Rekonstruktion eines langen Lebens. Doch je mehr der alte Mann dem jungen Schriftsteller erzählt, umso wahnsinniger wird das. Dabei kombiniert die französische Serie auf reizvoll verspielte Weise sonnendurchflutete Szenerien mit menschlichen Abgründen und wartet unterwegs mit so vielen Wendungen auf, dass einem dabei schwindlig werden kann.
Leserwertung50 Bewertungen
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8
von 10