Deadstream
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„Deadstream“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

Mit seinen diversen Mutproben erreichte der Vlogger Shawn (Joseph Winter) ein großes Publikum, das sich an seinen zunehmend gewagteren Stunts erfreute – bis er ein paar Grenzen zu viel überschritt und anschließend in Ungnade fiel. Doch jetzt ist es an der Zeit, ein Comeback zu wagen und die Menschen wieder für sich zu gewinnen. Er weiß auch schon, wie das gehen soll: Eine Nacht in einem echten Spukhaus, das sollte die Zuschauer und Zuschauerinnen zurückholen. Und natürlich auch die Sponsoren. Zu dem Zweck scheut er keine Mühen. Ausgerüstet mit zahlreichen Kameras und sonstigem Equipment macht er sich auf den Weg zu dem abgelegenen Haus, in dem im Laufe der Jahre zahlreiche eigenartige Ereignisse stattgefunden haben sollen und das nun leer steht. Nach einer kleinen Tour und der Einrichtung seines Lagers in einem der Zimmer, fühlt er sich gut vorbereitet auf die Nacht seines Lebens – ohne zu ahnen, worauf er sich da einlässt …

Der komische Horror des Internetruhms

Dass für manche Leute Berühmtheit ein derart hohes Gut ist, dass sie dafür praktisch alles machen würden, ist natürlich kein neues Phänomen. So etwas hat es immer schon gegeben. Das Internet hat vielen dieser Leute aber erst das Werkzeug gegeben, um diese Ambitionen verfolgen zu können. Heutzutage können praktisch alle berühmt werden. Das bedeutet aber auch, dass die Konkurrenz exponentiell gestiegen ist und man schon einiges bieten muss, um auf sich aufmerksam machen zu können. Das wiederum ist ein dankbares Feld für Filmschaffende, welche sich dem Thema auf unterschiedlichste Weise annähern kommen. Vor allem Humor ist angesagt, wenn die Figuren die unglaublichsten Dinge tun: In Not Okay macht sich eine Frau zu einem vermeintlichen Anschlagsopfer, in Sick of Myself ist die Protagonistin für Aufmerksamkeit zur eigenen Selbstverstümmelung bereit.

Auch Deadstream behält diesen spöttischen Ton der obigen Beispiele, kombiniert dies jedoch mit Horror. Genauer steht im Mittelpunkt der Film die Überlegung: Was wäre wenn eine verlogene Internetpersönlichkeit auf echte Geister trifft? Dabei lässt sich der Film Zeit, bevor die wirklich übernatürlichen Ereignisse losgehen. Zunächst soll dem Publikum der Protagonist vorgestellt werden. Der entspricht dem gängigen Bild des hyperaktiven Dampfplauderers, der ständig irgendetwas tun oder sagen muss, damit die Zuschauer und Zuschauerinnen auch dranbleiben. Denn nur dann gibt es Kohle. Das ist zuweilen ein bisschen anstrengend, aber durchaus unterhaltsam. Die diversen Seitenhiebe auf den medialen Ausverkauf, darunter etwa ein obligatorisches Entschuldigungsvideo oder auch dreistes Product Placement, sind für ein Schmunzeln gut.

Überraschend spannend

Doch je weiter der Film voranschreitet, umso stärker werden die Horrorelemente. Anfangs spielt Hauptdarsteller Joseph Winter, der auch die Kamera bediente und gemeinsam mit seiner Frau Vanessa Winter Regie führte und das Drehbuch schrieb, noch mit der Ungewissheit, ob denn tatsächlich etwas Unheimliches in dem Haus vor sich geht. Schließlich sind die überlieferten Beobachtungen vielleicht auch nur der Versuch gewesen, ein bisschen Ruhm für sich zu erlangen. Deadstream geht, ist die Geisterkatze erst einmal aus dem Sack, dafür überraschend stark zur Sache. Da wird nicht nur ein bisschen im Hintergrund gejault oder Türen auf- und zugemacht. Was in dem verfluchten Anwesen haust, bringt einiges an Körperlichkeit mit.

Die Horrorkomödie, die auf dem South by Southwest Festival 2022 Premiere feierte, wird dabei sogar recht spannend. Den Winters gelingt es auch, die Kameras zu ihrem Vorteil einzusetzen. Die Optik von Deadstream erinnert dabei natürlich ein wenig an die einstige Found-Footage-Welle, die mit möglichst realistischen Wackelbildern das Gefühl wecken wollte, mittendrin zu sein. Diese Optik wird bei dem Ausflug ins Schauerhaus reizvoll variiert: Shawn hat irgendwann so viele verschiedene Kameras im Einsatz, dass der Film ständig zwischen diesen wechseln kann und spielt auf diese Weise schön mit Perspektiven. Mit der Zeit nimmt der Reiz davon zwar ein wenig ab. Insgesamt ist das Langfilmdebüt des Ehepaars aber ein gelungener Einstieg, der nicht ohne Grund gerade von Festival zu Festival weitergereicht wird und dort seine Fans findet.

Credits

OT: „Deadstream“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Joseph Winter, Vanessa Winter
Drehbuch: Joseph Winter, Vanessa Winter
Musik: Joseph Winter
Kamera: Jared Cook
Besetzung: Joseph Winter, Melanie Stone

Trailer

Filmfeste

SXSW 2022
Fantasia Film Festival 2022
Fantasy Filmfest 2022
SLASH 2022

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Deadstream
fazit
„Deadstream“ kombiniert auf unterhaltsame Weise Haunted-House-Horror mit Influencer-Spott, wenn ein hyperaktiver Vlogger eine ganz besondere Mutprobe hinlegt. Das ist überraschend spannend im weiteren Verlauf und profitiert von der multiperspektiven Do-it-yourself-Kamera im Found-Footage-Stil, selbst wenn der Reiz irgendwann ein wenig nachlässt.
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