Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll
© DCM

Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll

Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll
„Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll“ // Deutschland-Start: 3. Oktober 2013 (Kino) // 21. März 2014 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Liberace (Michael Douglas) liebt die Musik und die Aufmerksamkeit, die er mit seinen Auftritten als Pianist erhält. Er liebt aber auch die Annehmlichkeiten, die sein Leben im Showgeschäft mit sich bringen: Schmuck, Champagner, teure Autos. Und junge Männer. Als der Unterhaltungskünstler eines Tages Scott Thorson (Matt Damon) über den Weg läuft, ist er sofort von diesem angetan. Nicht nur dass er mit ihm eine Liebesbeziehung eingeht. Er überschüttet ihn zudem mit Geschenken und will dafür sorgen, dass es ihm nie wieder an etwas mangelt. Scott lässt sich darauf ein, nimmt dankbar alles an, was der deutlich ältere Liberace mit ihm teilt – ohne zu merken, wie er sich zunehmend von diesem abhängig macht …

Ein extravaganter Entertainer

Genie oder Scharlatan? An Liberace scheiden sich die Geister. Kommerziell war der Show-Pianist zweifelsfrei einer der Großen. In seiner Hochphase zwischen den 1950ern und den 1970ern trat der Musiker überall auf, in Filmen, im Fernsehen und auf Bühnen. Das machte ihn zu einem der gefragtesten und bestbezahlten Entertainer seiner Zeit. Und einem der fleißigsten: Er veröffentlichte nonstop neue Platten. Und doch ist es mehr das Image, das einem von dem US-Amerikaner mit italienischen und polnischen Wurzeln in Erinnerung geblieben ist. Der Name Liberace stand und steht für Extravaganz, für schrille Auftritte und ein Leben, das Luxus auf groteske Weise zelebriert. Seine Bühnenshows waren nicht einfach Konzerte. Vielmehr inszenierte er sich kontinuierlich selbst.

Doch wer war der Mensch hinter dieser Glitzerfassade? Regisseur Steven Soderbergh (Ocean’s Eleven, Let Them All Talk) versucht in Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll, eine Antwort darauf zu geben, indem der Film einen Teil seines Privatlebens herauspickt und diesen ausführlicher beschreibt. Genauer konzentriert sich das biografische Drama auf die Beziehung zu dem deutlich jüngeren Scott Thorson, der viele Jahre sein Partner war, auch wenn Liberace dies offiziell bestritt. Überhaupt tat der Showmaster alles dafür, seine Homosexualität zu verbergen – und gleichzeitig wieder nicht. Tatsächlich war er nicht übermäßig zurückhaltend, wenn es darum ging, seine sexuellen Bedürfnisse befriedigen zu lassen. Wer ihn aber in der Öffentlichkeit darauf ansprach, musste sich auf einen Rechtsstreit gefasst machen. So flamboyant seine Bühnenpersönlichkeit war, so unerbittlich war er bei der Verteidigung seines guten Rufes.

Die Geschichte zweier tragischer Gestalten

Das wirkt einerseits natürlich grotesk. Gleichzeitig ist Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll aber ohnehin das Porträt eines widersprüchlichen Menschen. So ist er einerseits ein gnadenloser Egozentriker, in dessen Leben für niemand anderen Platz ist. Die Schönheitsoperationen, zu denen er Scott drängt, sprechen da eine deutliche, gar verstörende Sprache. Aber er war durchaus um andere bemüht, war großzügig, wollte sie verwöhnen und versorgen. Er war auch eine tragische Gestalt, die trotz eines großen Reichtums und eines ausschweifenden Lebens nie wirklich frei war. Sein junger Liebhaber, lange Zeit Nutznießer dieser Sehnsüchte, wird hier gleichermaßen als Gefangener beschrieben, der seinem älteren Gönner ausgeliefert ist und nicht mehr aus dieser Abhängigkeit herausfindet. Seine jugendliche Schönheit verblasst. Übrig bleibt ein Spielzeug, das keine Verwendung mehr findet.

Beide Figuren sind herausragend gespielt. Wäre das Drama seinerzeit in den US-amerikanischen Kinos gelaufen, Nominierungen für Schauspiel-Oscars wären ziemlich sicher gewesen. Soderbergh scheiterte jedoch mit dem Versuch, eines der großen Studios hierfür gewinnen zu können, weswegen Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll am Ende „nur“ ein TV-Film wurde. Soderbergh, allgemein frustriert von Hollywood, erklärte deshalb seinerzeit auch, genug vom Filmedrehen zu haben und nahm sich eine jahrelange Auszeit. Dass der Regisseur zuvor dieses Biopic umsetzen konnte, entgegen der Widerstände, war ein Glücksfall. Die Geschichte um einen Ausnahmekünstler, der nach Ruhm und Jugend gierte, ist gleichermaßen faszinierend, unterhaltsam wie traurig. Und auch die Bilder eines brüchigen Luxuslebens sind nach wie vor sehenswert.

Credits

OT: „Behind the Candelabra“
Land: USA
Jahr: 2013
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Robert Horn
Vorlage: Scott Thorson, Alex Thorleifson
Musik: Marvin Hamlisch
Kamera: Peter Andrews
Besetzung: Michael Douglas, Matt Damon, Dan Aykroyd, Scott Bakula, Rob Lowe, Debbie Reynolds

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
BAFTA 2014 Bester Nebendarsteller Matt Damon Nominiert
Bestes adaptiertes Drehbuch Richard LaGravenese Nominiert
Bestes Szenenbild Howard Cummings Nominiert
Beste Kostüme Ellen Mirojnick Nominiert
Bestes Make-up/Haare Kate Biscoe, Marie Larkin Nominiert
Cannes 2013 Goldene Palme Nominiert
Golden Globes 2014 Beste Miniserie oder TV-Film Sieg
Bester Darsteller in einer Miniserie oder TV-Film Michael Douglas Sieg
Bester Darsteller in einer Miniserie oder TV-Film Matt Damon Nominiert
Bester Nebendarsteller in einer Miniserie oder TV-Film Rob Lowe Nominiert

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll
Fazit
„Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll“ ist ein unterhaltsames, später zunehmend tragisches Biopic um den gleichnamigen Show-Pianisten und dessen Beziehung zu einem deutlich jüngeren Mann. Dabei sind es gerade die herausragenden schauspielerischen Leistungen, welche die Brüche der Figuren aufzeigen und damit das Drama sehenswert machen.
Leserwertung17 Bewertungen
4.6
8
von 10