Ostfriesengrab TV Fernsehen ZDF Mediathek
© ZDF/Sandra Hoever

Ostfriesengrab

Ostfriesengrab TV Fernsehen ZDF Mediathek
„Ostfriesengrab“ // Deutschland-Start: 15. Februar 2020 (ZDF)

Inhalt / Kritik

Als im Schlosspark Lütetsburg die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, fällt der Verdacht rasch auf Dieter Meuling (Anton Noori). Schließlich hatte der Ex-Häftling eine Liebesbeziehung mit der Verstorbenen und gilt als gewaltbereit. Ganz so klar ist der Fall dann aber doch nicht. Hinzu kommt, dass er gegenüber Ann Kathrin Klaasen (Julia Jentsch) behauptet, den wahren Mörder ihres Vaters (Ernst Stötzner) zu kennen. Diese versucht, sich nicht von den offensichtlichen Provokationen beeinflussen zu lassen. Doch der Fall hat erst begonnen. Für sie und ihre Kollegen Frank Weller (Christian Erdmann) und Rupert (Barnaby Metschurat) wird die Suche nach Antworten zu einem Wettlauf gegen die Zeit …

Eine alte Geschichte

Zwei Punkte sind es, die nahezu alle Filme der Ostfrieslandkrimis definieren. Zum einen gibt es bei der 2017 mit Ostfriesenkiller gestarteten ZDF-Reihe immer einen Mordfall, den das Team zu lösen hat. Außerdem ist da der Vater der Protagonistin, der zwar vor Jahren schon bei einem Einsatz getötet wurde und keinen eigenen Namen hat. Dafür ist er sehr hartnäckig, taucht auch als Toter immer wieder in Visionen von Ann Kathrin auf. Schließlich war der auch Polizist, die Tat wurde zudem nie wirklich aufgeklärt. Das ergibt schon Gesprächsbedarf. Kurios dabei: Während die Hauptdarstellerin alle drei Filme ausgetauscht wird, ist Ernst Stötzner als ermordeter Papa deutlich beständiger. Und so darf er dann auch bei Ostfriesengrab nicht fehlen, dem vierten Teil der Reihe.

Anfangs ist er sogar eine recht dominante Person, wenn sich die Geschichte lange mit der Frage befasst, ob Meuling nun etwas über den Tod weiß oder nicht. Der eigentliche Mordfall rückt da schon mal in den Hintergrund. Ostfriesengrab interessiert sich zunächst nicht dafür, weshalb der Verdächtige diesen Mord begangen haben könnte – und ob er ihn überhaupt begangen hat. Für ein Publikum, das sich solche Filme in erster Linie anschaut, weil es rätseln will, wer der Täter oder die Täterin ist, wird das zu wenig sein. Viel Anlass zum Grübeln gibt es nicht. Dafür dilettantische Actionszenen, bei denen man nicht genau weiß, ob man sich darüber ärgern oder lieber lachen sollte. Spannend ist das so oder so nicht.

Kaum Sinn, noch weniger Spannung

Interessanter wird es nach rund einer Stunde – also nachdem zwei Drittel des Films vorbei sind. Dann nämlich beginnt die Adaption von Klaus-Peter Wolfs gleichnamigen Roman, sich ein wenig mehr mit dem Mordfall auseinanderzusetzen, anstatt weiter mit den alten Geschichten herumzuwerkeln, ohne dabei von der Stelle zu kommen. So richtig befriedigend ist der Part dann aber auch nicht. So hat es Ostfriesengrab, wohl als Reaktion auf die wenige verbleibende Zeit, plötzlich sehr eilig. Für Ermittlungen ist da kein Raum mehr, fürs Nachdenken ebenso wenig. Die Idee, was hinter allem steckt, fällt plötzlich vom Himmel. Dass das Ganze nicht sonderlich viel Sinn ergibt, scheint ebenfalls niemanden zu stören, Hauptsache, man wird irgendwie fertig.

Während andere Teile der Reihe solide oder zumindest durchschnittlich sind, stellt sich Ostfriesengrab so als einer der Tiefpunkte heraus. Nicht einmal die schauspielerische Leistung stimmt wirklich. Obwohl Julia Jentsch ohne Zweifel eine sehr talentierte Schauspielerin ist, bei ihrem ersten Auftritt als Ann Kathrin bleibt sie blass. Vom Gegenüber sollte man ebenfalls nichts erwarten, das wird höchstens ebenfalls unfreiwillig komisch. Immerhin gibt es wieder ein paar schöne Bilder, die in einem starken Kontrast stehen zu den grausamen Morden, die in dem Film begangen werden. Das erinnert zumindest ein wenig an die großen Serienmörder-Thriller aus den USA, bei denen besonders stylisch getötet werden darf. Dafür allein lohnt es sich aber kaum einzuschalten. Dafür wird das reizvolle Setting von Norddeutschland inzwischen in zu vielen Krimis verbraten, als dass man damit noch groß etwas bewegen könnte.

Credits

OT: „Ostfriesengrab“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Stefan A. Lukacs
Drehbuch: Nils-Morten Osburg
Vorlage: Klaus-Peter Wolf
Musik: Florian Tessloff
Kamera: Jana Lämmerer
Besetzung: Julia Jentsch, Christian Erdmann, Barnaby Metschurat, Kai Maertens, Anton Noori, Marek Harloff, Catrin Striebeck, Ernst Stötzner

Bilder

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Ostfriesengrab
Fazit
„Ostfriesengrab“ hält sich lange mit einer Nebengeschichte auf, bevor es dann endlich mal um den Mordfall an sich geht. Da der letztendlich ebenfalls nicht überzeugt, kann man sich diesen TV-Krimi trotz gewohnt schöner Bilder sparen. Selbst die schauspielerische Leistung passt nicht wirklich.
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