Servus Schwiegermutter
© ARD Degeto/Yalla Productions

Servus, Schwiegermutter!

Inhalt / Kritik

Servus Schwiegermutter
„Servus, Schwiegermutter!“ // Deutschland-Start: 29. Oktober 2021 (Das Erste)

Eigentlich lief es bei Toni Freitag (Adnan Maral) zuletzt ganz gut, sogar mit seinem Schwiegersohn Osman (Aram Arami) versteht er sich inzwischen. Mehr noch, er soll irgendwann seine Firma übernehmen. Doch dann steht das Unglück in Gestalt von Farah (Siir Eloglu) vor der Tür, die Mutter von Osman. Denn die hat erst einmal die Schnauze voll von ihrem Ehemann und braucht Abstand. Aber auch mit Toni versteht sie sich nicht so besonders, es dauert nicht lange, bis es zu ersten Reibereien kommt. Und als wäre das nicht alles schon anstrengend genug, kriselt es bald auch zwischen ihm und seiner Ehefrau Anne (Victoria Mayer). Denn die hat sich in den Kopf gesetzt, sich ebenso wie Toni fürs Bürgermeisteramt zu bewerben, und erhält dabei Unterstützung durch Tochter Franzi (Lena Meckel) …

Es darf wieder gestritten werden

Wenn ein deutscher TV-Film mehr als fünf Millionen Zuschauer und Zuschauerinnen vor die Fernseher lockt, dann steht fast immer irgendwann die Frage nach einer Fortsetzung im Raum. So auch bei Servus, Schwiegersohn!. Die Kritiken waren 2019 zwar nicht überragend, die Komödie um einen Exil-Türken und seine neue Heimat in Bayern fand aber ihr Publikum. Und so steht nun zwei Jahre später mit Servus, Schwiegermutter! ein Wiedersehen der Familien Freitag und Göker an. Zwar gibt es eine größere Umbesetzung – Tonis Ehefrau Anne wird nun von Victoria Mayer gespielt anstatt von Jule Ronstedt. Ansonsten versuchte man nicht, sich von dem Vorgänger zu weit zu entfernen. Wozu auch? Was einmal läuft, das läuft auch zweimal.

Während beim letzten Mal der Konflikt zwischen Toni und seiner Tochter bzw. ihrem Freund bestand, verlagert er sich beim zweiten Anlauf auf die weiblichen Figuren. Der Titel Servus, Schwiegermutter! kündigt es schon mehr oder weniger an: Es gibt Knatsch mit Osmans Mutter. Dass der Titel nicht so richtig funktioniert, weil er im Vergleich zu Servus, Schwiegersohn! einen Perspektivwechsel suggeriert, der hier gar nicht stattfindet, ist unglücklich, aber zu verschmerzen. Etwas bizarr ist aber, dass der Streit mit Farah eine so geringe Rolle im Film spielt. Deutlich stärker im Fokus steht der Streit der Eheleute, was den Titel völlig ad absurdum führt. Da wurde einfach auf Teufel komm raus versucht, so wie der Vorgänger zu wirken.

Der typisch frauenfeindliche Mann

Immerhin: Es gibt bei den Streitigkeiten einige Parallelen, die doch so etwas wie ein Konzept vermuten lassen. Genauer leiden sowohl Anne wie auch Farah unter ihren selbstbezogenen Männern, die ohne ihre Frauen nichts sind, ihnen aber nichts zugestehen. Das ist in der Form natürlich überzogen, Toni und Mesut (Orhan Güner) sind da nicht mehr als Karikaturen patriarchischer Fossile. Mit solchen Klischees kann man natürlich spielen. Bei Servus, Schwiegermutter! fiel offensichtlich aber niemandem etwas ein, das man daraus machen könnte. Letztendlich läuft es doch nur darauf hinaus, dass die Männer lernen müssen, auf ihre Frauen zu hören. Das mag gut gemeint sein, als Erkenntnis ist das aber schon ziemlich banal.

Nicht dass der Film anderweitig durch Kreativität auffallen würde. Gerade auch beim Humor ist der Mangel an Ideen eklatant, da ist wirklich kein Witz dabei, der nicht irgendwie fade ist. Am interessantesten sind noch die Bemühungen von Toni, als echter Bayer durchzugehen, indem er sich für den Bau eines Schützenhauses einsetzt. An der Stelle schimmert zumindest durch, dass da auch mal die Frage nach Identität gestellt wird. Ansonsten ist Servus, Schwiegermutter! lediglich eine biedere Komödie mit oberflächlichen Figuren. Typische Freitagabendunterhaltung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die einen mit schönen Bildern sanft einlullt. Das reicht für ein Millionenpublikum. Tatsächlich gut ist das Ergebnis deswegen aber nicht.

Credits

OT: „Servus, Schwiegermutter!“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Sinan Akkus
Drehbuch: Enno Reese, Mike Viebrock
Musik: Markus Lehmann-Horn
Kamera: Jochen Stäblein
Besetzung: Adnan Maral, Victoria Mayer, Lena Meckel, Aram Arami, Orhan Güner, Siir Eloglu

Bilder

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„Servus, Schwiegermutter!“ setzt die Geschichte um eine deutsch-türkische Familie in Bayern fort. Erzählt wird dabei vor allem, wie die Frauen von ihren Männern nicht gewürdigt werden. Das mag gut meint sein, interessant ist das nicht. Dafür sind die Figuren zu oberflächlich, die Witze zu schwach, die Komödie zu einfallslos.
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