Master Amazon Prime Video
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„Master“ // Deutschland-Start: 18. März 2022 (Amazon Prime Video)

Inhalt / Kritik

Gail Bishop (Regina Hall) hat es geschafft: Sie ist die erste Dunkelhäutige, die an dem Ancaster College die Position des Masters innehat. Für sie steht damit fest, dass sie sich für die Belange von Minderheiten einsetzt, die es an die Institution verschlagen hat. Zu diesen zählt auch Jasmine (Zoe Renee), die ganz neu an der altehrwürdigen Einrichtung ist. Leicht ist der Einstieg nicht, trotz ihres Talents. Immer wieder kommt es zu Schwierigkeiten, beispielsweise mit ihrer Professorin Liv Beckman (Amber Gray), die ihr den Aufenthalt verleiden. Und dann ist da noch das Gerücht, dass es in ihrem Zimmer spuken soll, seitdem sich darin vor vielen Jahren jemand das Leben nahm …

Neue Perspektiven des Horrors

In den letzten Jahren gab es im Horrorgenre eine ganze Reihe spannender Filme, die ungemein von einer wachsenden Diversität hinter der Kamera produzierten. Jordan Peeles Get Out wurde auch deshalb zu einer solchen Sensation, weil es die Erfahrung der afroamerikanischen Bevölkerung aufgriff und eine furchterregende Geschichte drumherum bastelte. Aber auch viele Frauen haben die einstige Männerdomäne erobert: Relic – Dunkles Vermächtnis von Natalie Erika James oder Der Babadook von Jennifer Kent sind sehr persönliche Werke, die eine ganz eigene Form der psychologischen Emotionalität mitbrachten und damit bekannte Spuksequenzen einmal etwas anders aufzeigten.

Mit Mariama Diallo schickt sich nun eine weitere neue Stimme an, innerhalb der Genregrenzen etwas zu sagen und mehr zu wollen als „nur“ Unterhaltung. Die afroamerikanische Regisseurin und Drehbuchautorin, die hier ihr Spielfilmdebüt abliefert, beschäftigt sich in dem Amazon Prime Video Titel Master vergleichbar zu Peele mit den Erfahrungen der schwarzen Minderheit in einer von Weißen dominierten Gesellschaft. Zu diesem Zweck suchte sie sich ein Setting aus, das einem vielleicht nicht unbedingt als erstes einfallen würde: das der universitären Lehre. Denn wenn es einen Ort gibt, an dem sich liberale Weltsichten ungestört verbreiten dürfen, dann ja wohl dort. Schließlich sind dort alle kultiviert, wissen um mehr als die bloße Oberfläche, mit denen sich einfachere Gemüter zufriedengeben.

Gefangen in einem alten System

Umso schockierender ist, wie hinter dieser zivilisierten Fassade immer wieder alte Ansichten zum Vorschein kommen. Traditionelle Regeln werden zwar nicht mehr offen ausgesprochen, Gültigkeit haben sie aber noch immer. Diallo verhandelt dieses Thema anhand dreier schwarzer Frauen an dem College, die alle nach einem Weg suchen, sich innerhalb dieses Systems zu bewegen. Dabei wird auch die Scheinheiligkeit dieses Zirkusses kritisiert, der sich Diversität aufs Emblem stickt und damit gut fühlt, ohne sich wirklich damit auseinandersetzen zu wollen. Wer anders ist, der ist willkommen. Er darf nur nicht anders sein, wie uns Master vor Augen führt. Dass Gail ausgerechnet diesen Titel trägt, ist Ausdruck einer bitteren Ironie. Da ist nichts so, wie es erscheint.

Diesen Gedanken mit dem Horrorgenre zu verknüpfen, ist durchaus naheliegend. Denn dort geht es oft genau darum, den Abgrund hinter der heilen Fassade zu entdecken. Das Tor zur Hölle zu öffnen, die mitten unter uns ist. Symbolisiert wird dies hier durch das Zimmer, das bereits den Tod gesehen hat und bei dem immer die Befürchtung steht, dass es nicht der letzte gewesen sein wird. Unheimliche Vorkommnisse dort, aber auch an anderen Stellen des Campus, stehen an der Tagesordnung. Der tägliche Schrecken und ein übernatürlicher Schrecken gehen bei Master Hand in Hand. Letzterer ist dabei schön in Szene gesetzt. Auch wenn der Film sicherlich nicht der furchterregendste ist, den man zuletzt hat sehen dürfen, da sind schon immer mal wieder recht atmosphärische Momente dabei, denen man sich gerne hingibt.

Wenig subtil, aber ein vielversprechendes Debüt

So richtig subtil ist der Genremix, der auf dem Sundance Film Festival 2022 Premiere feierte, sicherlich nicht. Zum Ende hin wird einiges stärker ausformuliert, als es bei einem mit Mystery-Elementen arbeitenden Film notwendig gewesen wäre. Außerdem hapert es manchmal an der Balance zwischen dem gesellschaftlichen Anspruch und dem reinen Unterhaltungsfaktor. Dennoch, das ist ein interessantes Debüt, welches Diallo hier gedreht hat. Es ist auch gut besetzt: Regina Hall, vielen eher durch Komödien wie Scary Movie oder kürzlich Breaking News in Yuba County bekannt, zeigt hier ein dramatisches Talent, wenn ihre Figur erkennen muss, dass vieles nicht das ist, wonach es aussieht. Master wird dabei zu einem Genrebeitrag, der wie kaum ein anderer ernüchtert und deprimiert, wenn Amerika zu einem Ort wird, an dem die Geister der Vergangenheit umherwandeln und die Zeit still zu stehen scheint.

Credits

OT: „Master“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Mariama Diallo
Drehbuch: Mariama Diallo
Musik: Robert Aiki Aubrey Lowe
Kamera: Charlotte Hornsby
Besetzung: Regina Hall, Zoe Renee, Amber Gray, Molly Bernard, Nike Kadri

Bilder

Trailer

Interview

Ihr wollt noch ein bisschen mehr über Master erfahren? Dann haben wir etwas für euch: Anlässlich des Starts auf Amazon Prime Video durften wir mit der Regisseurin und Drehbuchautorin Mariama Diallo ein Interview führen und haben sie zu den Themen Rassismus, Frauen im Horrorfilm und die USA als heimgesuchter Ort befragt.

Mariama Diallo [Interview]

Filmfeste

Sundance Film Festival 2022
SXSW 2022

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Master
Fazit
„Master“ begleitet drei Afroamerikanerinnen an einem altehrwürdigen College, die trotz aller Lippenbekenntnisse zur Diversität mit dem alten System zu kämpfen haben. Das ist nicht unbedingt subtil, aber doch eine interessante Mischung aus bitterer Gesellschaftskritik und Horrorszenen, wenn ganz Amerika von den Geistern heimgesucht zu werden scheint.
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