Inhalt / Kritik

Breaking News In Yuba County

„Breaking News in Yuba County“ // Deutschland-Start: 24. Juni 2021 (Kino)

Auch wenn sich Sue Buttons (Allison Janney) immer wieder mantraartig vorträgt, dass sie wichtig ist und Beachtung verdient: Eigentlich wird sie von allen ignoriert. Ob nun die Geburtstagstorte, die sie sich selbst kaufen muss, oder die jüngere Schwester Nancy (Mila Kunis), die sich nur für die eigene Arbeit interessiert, sie muss da schon einiges ertragen. Doch am schlimmsten ist für sie die Erkenntnis, dass ihr Mann Karl (Matthew Modine) sie betrügt. Um doch noch ein wenig Aufmerksamkeit zu erhalten, meldet sie dessen plötzliches Verschwinden sowohl bei Detective Cam Harris (Regina Hall) wie auch TV-Moderatorin Gloria Michaels (Juliette Lewis). Dabei weiß sie sehr genau, wo der treulose Gatte sich befindet …

Viele Stars, wenig Spaß

Zuletzt war der ursprünglich mit Dramen bekannt gewordene Regisseur Tate Taylor mit diversen Thrillern an den Start gegangen, jedoch mit eher mäßigem Ergebnis. Ob nun die Romanadaption Girl on the Train, der Psychohorror von Ma – Sie sieht alles oder die moralische Killerin von Code Ava – Trained to Kill, gesehen haben muss man keinen davon. Zwar konnten alle drei Titel mit einem beachtlichen Ensemble aufwarten, mit dem man schon mal Werbung machen kann. Zumindest die ersten beiden Filme waren deshalb auch beachtliche Kassenerfolge. Inhaltlich ließ das Trio aber einiges zu wünschen übrig. Da blieb man jedes Mal doch deutlich unter dem, was möglich gewesen wäre.

Das gilt dann leider auch für Breaking News in Yuba County, mit dem Taylor einen kleinen Wechsel wagte. Zwar geht es auch hier zum Teil um Mord und Todschlag. Doch das ist dieses Mal mit deutlich mehr Humor verbunden. So wimmelt der Film beispielsweise vor überzeichneten Figuren, die man eher in einem Comicbuch vermuten würde. Ob nun bei den Gangstern oder im Bereich der Medien unterwegs ist, der Film arbeitet schon gern mit Karikaturen. Und auch bei der Handlung kannte man keine Zurückhaltung. Stattdessen genießen es die Beteiligten, die Situation schön eskalieren zu lassen, bis es so richtig absurd wird. So knallbunt das Artwork der Krimikomödie ist, so grell ist auch das Geschehen.

Lügen über Lügen über Lügen

Das macht anfangs sogar tatsächlich Spaß. Während die ersten Minuten dafür reserviert sind, Sue als bemitleidenswerten Niemand zu charakterisieren, der so gerne ein Jemand wäre, nimmt Breaking News in Yuba County bald schon Fahrt auf. Bei ihrem Versuch, einen Unglücksfall für sich zu nutzen, verstrickt sie sich in immer mehr Lügen. Als Zuschauer und Zuschauerin darf man an der Stelle dann spekulieren, ob und wie dieses gewaltige Kartenhaus in sich zusammenkrachen wird. Aber immer dann, wenn man meint, es wäre endlich so weit, wird noch mal ein Stockwerk obendrauf gepackt. Wobei die armselige Protagonistin dabei Hilfe von anderen erhält, die ebenfalls in der Sache mitmischen. Sie alle wollen irgendwie von der Situation profitieren.

Allerdings fehlt dem von Amanda Idoko geschriebenen Drehbuch ein bisschen das Gespür dafür, wie viel man in eine solche Geschichte hineinpacken sollte. Die Laufzeit von rund 100 Minuten ist nicht genug, um derart vielen Figuren und ihren Handlungssträngen gerecht zu werden. Dass die Charaktere so oberflächlich sind, ist dabei das geringere Problem. Vielmehr franst das alles so stark aus, dass jeglicher Zug verloren geht. Auch wenn es in Breaking News in Yuba County hoch her geht und die Figuren sich gegenseitig alles Mögliche antun: Die Komödie plätschert irgendwann nur noch vor sich her, ist weder so spannend noch so witzig, wie sie es eigentlich hätte sein sollen.

Zu wenig und zu viel

Dabei war das Potenzial für mehr durchaus da. Hätte sich der Film beispielsweise auf seine satirischen Elemente konzentriert, im Medienbereich etwa, oder den kriminellen Aspekt in den Vordergrund gerückt, das hätte hier ein schön schwarzhumoriger Kulttitel werden können. Breaking News in Yuba County versucht aber alles ein bisschen, dabei nie so richtig genug, bis man hier gar nicht mehr weiß, was überhaupt erreicht werden sollte. Statt tatsächlichem Biss ist Beliebigkeit angesagt. Das ist dann zwar nicht so katastrophal, wie die US-amerikanischen Kritiken einen vermuten ließen. Dafür sorgt schon das gut aufgelegte, spielfreudige Ensemble, welches sich in dem Blödsinn so richtig gehen lässt. Angesichts des inhaltlichen und personellen Potenzials darf man aber schon enttäuscht sein, dass da nicht mehr draus wurde.

Credits

OT: „Breaking News in Yuba County“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Tate Taylor
Drehbuch: Amanda Idoko
Musik: Jeff Beal
Kamera: Christina Voros
Besetzung: Allison Janney, Mila Kunis, Regina Hall, Awkwafina, Samira Wiley, Bridget Everett, Jimmi Simpson, Keong Sim, Juliette Lewis, Wanda Sykes

Bilder

Trailer

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Breaking News in Yuba County
In „Breaking News in Yuba County“ will eine enttäuschte Ehefrau endlich ein wenig Aufmerksamkeit und baut sich zu diesem Zweck ein Lügenkonstrukt rund um ihren verschwundenen Ehemann auf. Das ist anfangs amüsant, da das alles schnell absurde Ausmaße annimmt. Trotz eines ebenso prominenten wie spielfreudigen Ensembles will aber keine echte Begeisterung aufkommen, da die Geschichte sich auf nichts festlegen will.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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