Funeral for a Dog Sky Ticket
© Sky/Flare Entertainment GmbH/Sammy Hart

Friedrich Mücke [Interview 2022]

Funeral for a Dog basiert auf dem Roman Bestattung eines Hundes von Thomas Pletzinger und erzählt die Geschichte von Mark Svensson (Friedrich Mücke), Tuuli Kovero (Alina Tomnikov) und Felix Blaumeise (Daniel Sträßer), die beste Freunde sind, sich mit der Zeit aber immer mehr mit ihren Gefühlen in die Quere kommen. Die Dramaserie wechselt dabei ständig zwischen der Vergangenheit, in der sich die drei näherkommen, und der Gegenwart, in der Mark von dem Journalisten Daniel Mandelkern (Albrecht Schuch) befragt wird. Anlässlich des Starts der Serie auf Sky am 17. März 2022 unterhalten wir uns mit Hauptdarsteller Friedrich Mücke über die Arbeit an der Romanadaption, das Autobiografische in der Kunst und die Grenzen zwischen Freundschaft und Liebe.

 

Wie kam es, dass du bei der Serie mitgespielt hast? Was hat dich an Funeral for a Dog interessiert?

Da gab es mehrere Gründe. Der Regisseur David Dietl und ich wollten schon immer mal zusammen an einem Projekt arbeiten, was aber nie geklappt hatte. Ich habe ursprünglich einen Film von ihm gesehen, den ich ziemlich gut fand, Ellas Baby, und habe mich bei ihm gemeldet. Insofern stand das einfach aus, dass wir irgendwann einmal etwas zusammen machen. Wir sind dann eines Tages zufällig zusammen Zug gefahren und er hat mir den Stoff vorgeschlagen. Ein Stichwort, auf das ich sofort angesprungen bin, war das der Romanverfilmung. Den Roman kannte ich damals allerdings noch nicht. Was mich interessiert hatte, war einerseits die Zeitspanne, in der die Geschichte spielt und zum anderen die Stationen, wo die Geschichte angesiedelt ist. Sehr interessant: die 90er Jahre und die 2000er Jahre in Italien, Südamerika und New York. Die Serie ist daher auch ein Zeit und Generationenporträt, das zeigt, wie sich jemand im Laufe der Jahre verändert, auch anhand so einschneidender Ereignisse wie dem 11. September 2001 in Amerika. Während der Zugfahrt haben David Dietl und ich noch ein wenig über die Figuren gesprochen und ich war von Anfang an sehr an der Figur des Autoren Mark Svensson interessiert.

Könntest du uns diese Figur beschreiben? Was für ein Mensch ist Mark?

Wir begleiten ihn in der Serie über einen langen Zeitraum. Über insgesamt 12 Jahre. In seinen jüngeren Jahren ist er ein schüchterner Mann, der in seiner langjährigen Freundschaft zu Felix Halt findet. Er sucht allgemein nach einer Sicherheit, sucht auch nach der großen Liebe. Mark ist jemand, der philosophische Fragen ans Leben hat, sehr nachdenklich ist. Der sich selbst sehr reflektiert in seinem Alter und seinen Beziehungen. Er ist dann später auch sehr hart mit sich, geht hart mit sich und seinen Entscheidungen ins Gericht. Das sind große Themen, die mich auch immer wieder beschäftigen. Wie kann man leben und lieben? Was sind die Sicherheiten und Unsicherheiten dieser Welt? Deswegen war der Weg auch nicht so weit für mich zur Figur. Ich hab mit ihm eine Menge gemein.

Und hast du den Roman inzwischen gelesen?

Oh ja! Ich habe ihn tatsächlich noch während unserer Zugfahrt bestellt.

Es gibt auch Leute, die bewusst Vorlagen nicht lesen, weil sie sich dadurch eingeschränkt fühlen.

Das stimmt. Ich war aber sehr neugierig. Und natürlich wird/wurde der Roman nicht 1:1 umgesetzt. Es gibt Abänderungen, der Kern der Geschichte aber bleibt erhalten. Und es ging es auch um die Frage, wie sich das alles umsetzen lässt. Es ist ja schon eine recht groß angelegte Reise, die wir da zurücklegen, sowohl zeitlich gesehen, wie auch geografisch und auch emotional, was die Figuren betrifft. Ich dachte also den Roman zu lesen kann sicherlich helfen. Wir haben an den verschiedensten Orten gedreht. Das war sehr aufwendig. Dafür hat Funeral for a Dog aber auch richtige Schauwerte zu bieten. Wir haben gerade ein Überangebot an Serien, ständig kommt etwas Neues heraus. Da muss man schon etwas investieren, wenn man ein Publikum erreichen will. Und das war bei uns definitiv der Fall.

Wie lange habt ihr an der Serie gedreht?

Das waren am Ende acht Monate. Mit Pausen aber. Zum Teil sehr glücklichen Pausen, was Corona anging. Wir hatten im Winter mal anderthalb Monate Pause gemacht, als wir eine sehr starke zweite Welle hatten. Wir waren in Italien und sind gerade noch so herausgekommen, bevor es zum Hochrisikogebiet erklärt wurde. Da war schon viel Glück dabei. Aber ich muss auch sagen, dass wir eine sehr clevere und flexible Produktionsfirma hatten. Wie die das geritten hat, mein Kompliment.

Und war es dann nicht schwer, wieder reinzukommen nach den langen Pausen? Gerade weil sich die Geschichte auch über einen so langen Zeitraum erstreckt.

Ich fand das nicht sonderlich schwer. Ich hatte das ganz gut vorbereitet mit meinem Schauspielcoach. Was auch sehr geholfen hat, war, dass das alles sehr harmonisch war und wir wirklich sehr gut miteinander ausgekommen sind. Wir hatten wirklich Lust uns wiederzusehen, über alle Departments und Gewerke Das ist nicht immer selbstverständlich. Das war eine richtig tolle gemeinsame Erfahrung.

Du hast vorhin schon die enge Freundschaft zwischen Mark und Felix erwähnt. Hinzu kommt noch Tuuli, wodurch eine komplexe und dynamische Dreiecksbeziehung entsteht. Wo liegt dabei die Grenze zwischen Freundschaft und Liebe?

Das ist eine gute Frage. So wie ich es sehe, liegt der Unterschied auf der Gefühlsebene. Aber es ist eine sehr fließende Grenze, auch weil es viele verschiedene Arten von Liebe und Freundschaft gibt. Letztendlich dient die Unterscheidung von beidem aber auch einfach dazu, dass man sich das eigene Leben ein bisschen ordnet.

Mark nutzt dieses Leben auch künstlerisch, indem er seine Erfahrungen in den Büchern verarbeitet. Wie ist das bei dir als Schauspieler? Wie viel von dem, der du bist, findet sich am Ende in deinen Rollen?

Ich glaube, das ist ganz viel. Seit mittlerweile über zehn Jahren drehe ich Filme. Und wenn ich mir diese Arbeiten mit Abstand anschaue, merke ich, dass da schon immer mal wieder etwas von mir drin landet, was ich vielleicht gar nicht wollte. Was andere möglicherweise auch gar nicht bemerken. Schon die Beschäftigung mit den Figuren führt dazu, dass ich ein Teil von ihr werde. Ich kann mich nicht von mir selber lösen. Aber es kann auch vorkommen, dass eine Geschichte und eine Figur gar nichts mit mir zu tun haben. Es ist deshalb immer sehr spannend zu sehen, wie deine Sachen von Menschen beurteilt werden, die dich persönlich gut kennen.

Und wie geht es nach Funeral for a Dog für dich weiter? Was sind deine nächsten Projekte?

Wir drehen ab Mai eine Serie, über den Kaufhauserpresser Dagobert. Ich bin Dagobert wird die heißen und ich spiele Dagobert. Total spannend für mich als Berliner, diese Rolle bekommen zu haben. Da freue ich mich schon drauf.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person
Friedrich Mücke wurde am 12. März 1981 in Berlin geboren. Von 2003 bis 2007 studierte er an der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin. Sein erster großer Kinofilm war die Komödie Friendship! an der Seite von Matthias Schweighöfer, mit dem er anschließend noch die Filme What a Man (2011), Russendisko (2012) und Vaterfreuden (2014) drehte. Außerdem war er in dem historischen Thriller Ballon von Michael Bully Herbig und diversen Tatort-Filmen zu sehen.



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