Krabat 2008
© Claussen + Putz Film/Fabian Rösler

Krabat (2008)

Inhalt / Kritik

Krabat 2008
„Krabat“ // Deutschland-Start: 9. Oktober 2008 (Kino) // 23. Oktober 2009 (DVD)

Der Dreißigjährige Krieg hat tiefe Spuren in Europa hinterlassen, den Menschen bleiben kaum noch Möglichkeiten zu leben. Für den Waisenjungen Krabat (David Kross) ist es daher ein echter Glücksfall, als er bei einer alten Mühle als Lehrling aufgenommen wird. Die Arbeit ist hart, vor allem zu Beginn hat Krabat schwer zu kämpfen. Gleichzeitig findet er darin nach anfänglichen Schwierigkeiten ein neues Zuhause und freundet sich mit dem älteren Tonda (Daniel Brühl) an. Dabei lernen die jungen Männer dort nicht nur das notwendige Handwerk, das sie für den Beruf brauchen. Sie tauchen auch immer tiefer ein in die Künste der schwarzen Magie, denn den alten Meister der Mühle (Christian Redl) umgibt ein finsteres Geheimnis …

Eine düstere Geschichte, neu erzählt

Den Namen Otfried Preußler bringt man meistens mit Kinderbüchern in Verbindung, etwa Die kleine Hexe, Das kleine Gespenst oder Der kleine Wassermann. Doch innerhalb seiner Bibliografie befindet sich auch Krabat. Zwar ist die Zielgruppe noch immer etwas jünger. An Kinder richtet sich der 1971 veröffentlichte und mehrfach ausgezeichnete Roman, der auf einer alten sorbischen Sage basiert, aber sicher nicht. Dafür sind einzelne Elemente einfach zu düster, haben das Zeug für so manchen Alptraum. Und das gilt auch für die Verfilmung von 2008. Schon einmal war das Buch adaptiert wurden: 1977 erschien ein Animationsfilm vom einflussreichen tschechischen Regisseur Karel Zeman. Doch es sollte noch einmal dreißig Jahre dauern, bis das Werk von Preußler als Realfilm sein Debüt feierte.

Warum man sich hierzulande so spät erst an einer solchen Verfilmung versuchte, ist nicht ganz klar. Gut möglich, dass aber zumindest der enorme Erfolg der Harry Potter Filme in den 00er Jahren seinen Beitrag an der Entscheidung hatte. Schließlich wurden in der Phase massenweise Jugendromane mit magischem Inhalt ausgegraben, in der Hoffnung, von der Popularität des Zauberlehrlings profitieren zu können. Einen direkten Vergleich mit dem Blockbuster sollte man bei Krabat dann aber doch nicht ziehen. Zum einen war das Budget mit acht Millionen Euro für eine hiesige Produktion zwar ordentlich, aber eben doch kein Vergleich zu einem Film eines Major Studios. Und auch wenn die Besetzung einem hiesigen Publikum eine Reihe bekannter Gesichter präsentierte, mit den Weltstars des englischsprachigen Kollegen kann diese natürlich nicht konkurrieren.

Zwischen Licht und Schatten

Wobei das dem Ensemble nicht vorzuwerfen ist. Vor allem der häufiger mal in Krimis auftretende Christian Redl (Spreewaldkrimi: Totentanz, Der Bozen-Krimi: Blutrache) macht seine Sache gut als undurchsichtiger Mühlen-Magie-Meister. Der darf einem selbst als Erwachsener unheimlich sein. Die anderen erledigen ihre Arbeit zumindest ordentlich. Dennoch gibt es bei den Figuren doch einige Schwächen. Wenn sich Krabat später in die schöne Kantorka (Paula Kalenberg) verliebt, ist davon so gut wie nichts zu spüren. Die Romanze bleibt da doch reine Behauptung, was sich im späteren Verlauf rächt, wenn auf dieser das Finale basiert. Bei der Figurenzeichnung ist ohnehin nicht viel zu holen. Die meisten Gesellen sind einfach nur irgendwie da, trotz der bekannteren Darsteller ist da kaum jemand, an den man sich im Nachhinein erinnern würde.

Ebenfalls unglücklich ist eine Actionsequenz, die mittendrin eingefügt wurde. Dass Fantasyabenteuer zwischendurch welche einbauen, ist zwar nicht unüblich. Da ist dann doch das Bedürfnis, ganz klassisch mal Spannung zu erzeugen. Die konkrete Umsetzung lässt bei Krabat aber einiges zu wünschen übrig. Das ist so hektisch geschnitten und unübersichtlich gefilmt, dass statt Spannung eher Verwirrung entsteht. Es ist nicht einmal so, dass die Szene inhaltlich sonderlich viel zu bieten hätte oder die Geschichte auf nennenswerte Weise vorantreibt. Die Action ist hier mehr oder weniger reiner Selbstzweck und ein offenkundiger Versuch, ein „richtiges“ Kinoerlebnis zu bieten.

Eine echte Horror-Atmosphäre

Stimmungsvoller sind da schon die ruhigen Szenen in der Mühle. Die düstere Atmosphäre, die in dem Gemäuer herrscht, wäre auch in einem Horrorfilm nicht fehl am Platz. Gerade zu Beginn, wenn das Publikum noch nicht weiß, was genau hier eigentlich gespielt wird, sorgt das für Neugierde. Später verschiebt sich der Fokus etwas, wenn Krabat mehr von der Verführungskraft dunkler Mächte erzählt. An der Stelle hätte das Erlebnis gern noch etwas intensiver sein dürfen, anstatt sich nur auf den dunklen Bildern auszuruhen. Trotz dieser diversen Mängel ist die Adaption aber durchaus sehenswert, und das nicht nur weil derartige Filme hierzulande Seltenheitswert haben. Regisseur Marco Kreuzpaintner (Der Fall Collini) erzählt von dem klassischen Kampf Gut gegen Böse. Die Selbstbehauptung des jungen Protagonisten bedeutet nicht nur, für die Liebe zu kämpfen, sondern auch Abgründe zu überwinden.

Credits

OT: „Krabat“
Land: Deutschland
Jahr: 2008
Regie: Marco Kreuzpaintner
Drehbuch: Michael Gutmann, Marco Kreuzpaintner
Vorlage: Otfried Preußler
Musik: Annette Focks
Kamera: Daniel Gottschalk
Besetzung: David Kross, Daniel Brühl, Christian Redl, Robert Stadlober, Paula Kalenberg, Hanno Koffler, Anna Thalbach, Charly Hübner

Bilder

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Basierend auf dem gleichnamigen Jugendbuch von Otfried Preußer erzählt „Krabat“, wie ein Waisenjunge das Handwerk in einer alten Mühle lernt, aber auch die Künste schwarzer Magie. Das ist über weite Strecken stimmungsvoll und düster umgesetzt. Eine missglückte Actionszene und diverse Schwächen bei den Figuren verhindern aber Größeres.
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