Inhalt / Kritik

Der Bozen Krimi 2020

„Der Bozen-Krimi: Blutrache“ // Deutschland-Start: 2. April 2020 (Das Erste)

Nach dem Anschlag auf ihn weiß Capo Matteo Zanchetti (Tobias Oertel) nun endlich, wer dahinter steckt: der Mafiaboss Saffione (Christian Redl). Denn der macht ihn für den Tod seines Sohnes und seiner Tochter verantwortlich. Für Zanchetti steht damit fest, dass er dem Verbrecher zuvorkommen muss. Und er muss es alleine tun, um die anderen aus seinem Umfeld vor den Racheplänen Saffiones zu beschützen. Zu seinem Entsetzen muss er jedoch feststellen, dass seine Kollegin Sonja Schwarz (Chiara Schoras) ebenfalls nach Bari gereist ist, um dort ihre Stieftochter Laura (Charleen Deetz) zu suchen, die spurlos verschwunden ist. Während die örtliche Polizei keine Hilfe ist, findet sie in dem freundlichen Taxifahrer Riccardo (Stefano Bernardin) eine wertvolle Stütze …

Kriminologischer Urlaub

Die Position Donnerstagskrimi geht im Ersten ganz gerne an solche, die irgendwie im Ausland spielen und damit dem hiesigen Publikum kleine Urlaube ermöglichen. Da geht es nach Kroatien, nach Zürich oder auch in die Bretagne. Seit 2005 gehört auch Der Bozen-Krimi zu dieser illustren Runde. Dieser spielt, wie der Titel bereits verrät, in Südtirol. Hauptfigur ist jedoch eine deutsche Polizistin, die sich dorthin hat versetzen lassen, um ihrem Mann nahe zu sein und den Zuschauern und Zuschauerinnen eine Identifikationsfigur bieten zu können. Schließlich dürfen sie durch ihre Augen die diversen Anpassungsschwierigkeiten erleben.

In Der Bozen-Krimi: Blutrache, dem zehnten Film der ARD-Krimireihe, ist Schwarz jedoch nur recht mühsam ins Geschehen integriert. Dass ihre Schwiegertochter Laura ausgerechnet zu dem Zeitpunkt an dem Ort ist, wo sich der Showdown zwischen Zanchetti und Saffione abspielen soll, ist natürlich schon sehr konstruiert. Man tat sich damit auch keinen wirklichen Gefallen, wie hier zwei Handlungsstränge zusammengeführt werden müssen. Wobei die eigentlichen Probleme der Folge gar nicht so sehr bei dem wenig überzeugenden Szenario legen. Vielmehr stimmt drumherum so vieles nicht, dass einem recht bald die Lust vergeht, noch weiter der Geschichte zu folgen.

Mäßige Idee, grauenvoll umgesetzt

Schon eine komplett vermurkste Kampfsequenz am Anfang von Der Bozen-Krimi: Blutrache lässt einen Übles vermuten. Ein Schnittgewitter, das selbst die peinlichen Hollywood-Ungeheuer vergessen lässt, kombiniert mit einer kaum überzeugenden Choreografie – das versaut bereits die gute Laune, noch bevor die eigentliche Geschichte eingesetzt hat. Nicht dass diese wirklich besser wäre. Regisseur und Drehbuchautor Thorsten Näter (Tödliche Gier) versucht sich hier an einem Rachekrimi nach italienischem Vorbild. Es wirkt dann aber doch mehr wie Fanfiction von einem, der sich ganz viele solcher Filme angeschaut und nun selbst etwas in dieser Richtung erzählen möchte. An Klischees mangelt es daher nicht gerade. Dafür aber an Persönlichkeit: Die beiden Widersacher wirken wie Karikaturen.

Daran haben die grauenvollen Dialoge auch eine große Mitschuld. Wann immer hier jemand den Mund aufmacht, ist das abwechselnd Grund zum Ärgernis und zur Erheiterung. Gerade in Verbindung mit dem übertrieben ernsten Auftreten der beiden Schauspieler führt das dazu, das sich Der Bozen-Krimi: Blutrache zunehmend der Lächerlichkeit preisgibt. Ohne es zu merken natürlich. Immerhin: Wie bei so vielen anderen Donnerstagskrimis auch gibt es hier einiges zu sehen. Die Entscheidung, die Reihe vor Ort zu drehen, verleihen den Filmen eine eigene Optik und ein besonderes Flair. Die schönen Bilder können aber nicht darüber hinwegtrösten, dass der Krimi inhaltlich ein Totalausfall ist. So schön es ist, wenn die sich seit dem Anfang der Reihe aufgebaute Geschichte rund um den Kampf gegen die Mafia zu einem Abschluss kommt. Diesen hier hätte es wirklich nicht gebraucht.

Credits

OT: „Der Bozen-Krimi: Blutrache“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Thorsten Näter
Drehbuch: Thorsten Näter
Musik: Axel Donner, Mario Lauer
Kamera: Joachim Hasse
Besetzung: Chiara Schoras, Tobias Oertel, Christian Redl, Charleen Deetz, Stefano Bernardin, Gabriel Raab, Sinja Dieks

Bilder

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Der Bozen-Krimi: Blutrache
In „Der Bozen-Krimi: Blutrache“ läuft es auf den lange vorbereiten Showdown zwischen Saffione und der Mafia hinaus. Das wird Langzeitfans freuen. Der Krimi selbst liefert aber nur wenig Grund zur Freude: Die Geschichte ist auf Klischees aufgebaut, die Dialoge sind grauenvoll, auch die Actionszenen sind Murks. Immerhin gibt es schöne Bilder.
3von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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