Inhalt / Kritik

„Spreewaldkrimi: Totentanz“ // Deutschland-Start: 8. Februar 2021 (ZDF)

Der Anblick ist ebenso kurios wie erschreckend: Die Leiche eines jungen Mannes wurde auf einem Acker entdeckt, nackt und von Krähen angefressen. Bei ihren Ermittlungen finden Kommissar Krüger (Christian Redl) und Martin Fichte (Thorsten Merten) heraus, dass es sich bei dem Toten um Lukas Fiebow (Matti Schmidt-Schaller) handelt. Der Frankfurter Blogger war für die Fastnachtszeit in seine alte Heimat im Spreewald zurückgekehrt und nach einer Party gestorben. Doch wie kam es dazu? War es ein tragischer Unfall, nachdem er Drogen und Alkohol konsumiert hatte? Wollte er sich umbringen? Oder hatte doch jemand anderes seine Hände im Spiel? Schließlich machte er sich mit seinen Videos nicht nur Freunde …

Das Ende der Lebensfreude

Fastnacht und Fasching sehen 2021 bekanntlich etwas anders aus als sonst. Aufgrund der Corona-Pandemie sind große Feiern ein Ding der Unmöglichkeit, im privaten Raum geht ebenfalls wenig, Umzüge und ähnliches sind abgesagt. Da ist es doch irgendwie ganz gut, wenn in Spreewaldkrimi: Totentanz gezeigt wird: Ist vielleicht besser so. Denn es ist nicht nur der junge Mann, der mit seinem Leben für die Teilnahme an dem Fest bezahlt hat, der einem ein wenig die Feierlaune nimmt. Auch die restlichen Menschen vor Ort verbreiten nicht unbedingt Partystimmung. Von den wenigen exzessiven Momenten einmal abgesehen, die als Flashback hier eingebaut werden, sind die Szenen rar, in denen so etwas wie Lebensfreude zu spüren ist.

Zu einem gewissen Grad ist das natürlich schon zu erwarten. Von gelegentlichen Ausnahmen einmal abgesehen, die das mörderische Treiben mit Humor auflockern – zuletzt etwa Nord Nord Mord: Sievers und der goldene Fisch und Marie Brand und die Leichen im Keller –, sind Krimis doch eher ernst ausgelegt. Über den Tod macht man schließlich keine Witze. Doch die seit 2006 im ZDF ausgestrahlte Reihe Spreewaldkrimi geht da noch über das Handelsübliche hinaus. Da bekommt man schnell das Gefühl, jeder Schritt könnte im Morast enden, sei es im wortwörtlichen Sinn oder moralisch. Hilfestellung bei diesen heiklen Schritten sind selten, jeder kämpft für sich auf einsamem Boden. Tatsächlich könnte man Spreewaldkrimi: Totentanz über weite Strecken eher im Bereich des Dramas einordnen.

Traurige Schicksale überall

Nicht nur, dass sich um den Toten herum diverse traurige Geschichten spannen und alle vor Ort irgendwie verloren wirken. Auch auf der Seite der Ermittler hat Drehbuchautor Thomas Kirchner (Kruso), der von Anfang an an der Reihe beteiligt war, einige bittere Sachen ausgedacht. Sie alle wirken müde, unglücklich, haben genug davon, jeden Tag mit diesen Abgründen konfrontiert zu sein. Haben auch mit eigenen Problemen zu kämpfen. Tatsächlich markiert der Film einen Wendepunkt in der Reihe, nach dem offen bleibt, wie es weitergehen wird – auch weil Kirchner mit diesem Film seine Abschiedsvorstellung gibt. Atmosphärisch ist das durchaus stark umgesetzt. Der Film arbeitet mit menschenleeren Gegenden, Häusern, die ein wenig verfallen aussehen, über allem liegt ein grauer Schleier. Die Leute müssen hier gar nichts groß sagen, damit man als Zuschauer versteht, dass in der Gegend vieles im Argen liegt.

Als Krimi wiederum ist Spreewaldkrimi: Totentanz weniger interessant. So verfolgen die Ermittler zwar mehrere Spuren, was aber etwas lieblos geschieht. Das Opfer, um das sich alles dreht, ist keine sonderlich spannende Figur. Die Kombination aus sozialen Medien und von Fastnacht wiederum klang als Idee interessant, wenn Traditionen und Gegenwart miteinander vermischt werden. Aber es bleibt eine willkürliche Mischung, die nie wirklich viel aus dem Stoff herausholt. Das reicht dann zwar immer noch für einen stimmungsvoll-melancholischen Abend vor dem Fernseher mit kleinem Rätselfaktor und gelegentlichen Ausbrüchen. Zu viel sollte man vom Inhalt jedoch nicht erwarten.

Credits

OT: „Spreewaldkrimi: Totentanz“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Kai Wessel
Drehbuch: Thomas Kirchner
Musik: Ralf Wienrich
Kamera: Moritz Schultheiß
Besetzung: Christian Redl, Thorsten Merten, Claudia Geisler-Bading, Ron Helbig, Matti Schmidt-Schaller, Marlene Tanczik, Luzia Oppermann, Karl Schaper

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Spreewaldkrimi: Totentanz
„Spreewaldkrimi: Totentanz“ beginnt mit einer nackten Leiche und endet als Porträt einer Gegend, in der alle irgendwie verloren und unglücklich sind. Atmosphärisch ist das stark, die melancholische Stimmung fesselt durchaus. Der Krimipart ist dafür weniger interessant, auch die Themen Fastnacht und soziale Medien bleiben oberflächlich.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

4 Responses

  1. Klaus Schier

    Betrifft, Totentanz im Spreewald.
    Wurde im Spreewald „Lehde“ 1952 geboren. Habe dort 20 Jahre eine tolle Kindheit, eine schöne Jugend und freundliche Farben tagtäglich erlebt.
    Das was hier dargestellt wird ist soweit weg von der Wirklichkeit, wie dass nicht sagen von Amen in der Kirche.
    Ich bin froh, dass diese Spreewalddarstellung endlich zu Ende geht.

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    • Bernd Matthes

      Das ist der grösste Mist vom ZDF gesendet ,ich schaue gerne deutsche Produktionen aber den Spreewald ständig auf diese Art düster darzustellen und unglaubwürdig rüber zu bringen ist nicht glaubwürdig.Ich staune nur das sich diese topschauspieler dem Autor und Regisseur für diese Rollen bereit stellen.Liegt anscheinend an der derzeitigen Lage!Da seh ich lieber einen schlechten Tatort!!

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  2. Dirk Mahler

    Verletzte Eitelkeiten, Bernd und Klaus? Sie stellen die gleiche Humorlosigkeit zur Schau, die Sie bzgl. des Bildes Ihres Spreewaldes beklagen.
    Wahrscheinlich muss man wirklich den Schritt vom Bild zurück machen können, der Ihnen hier nicht gelingt. Ich wiederum bin etwa alle zwei Jahre Anfang Dezember im Spreewald, auf der Höhe Burg, ich finde jede Einstellung des Krimis in meiner Erinnerung wieder. Kleiner Tipp: Genau das ist das Markenzeichen der Krimi-Serie, das visuell Mystische, dem man nicht großartig auf die Beine helfen muss. Dass es im Sommer farbenfroh und fröhlich ist, kann sich jeder vorstellen, nur darum geht es ja nicht. Dass der Sommer gerne beklagt wird ob der Menschenmassen, die zwar Geld bringen, aber dann doch immer irgendwie zu viel des Guten sind, ist dann nur als genauso nachvollziehbare wie übliche Ambivalenz des Stammpersonals zu interpretieren.
    Machen Sie sich mal locker 😉 , hier wird Ihrer Heimat ein filmisches Denkmal gesetzt, darüber darf man auch mal dankbar sein, ansatt typisch deutsch immer erst mal rumzumosern.

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    • Sebastian Gebauer

      Sehr guter Kommentar. Stimme Ihnen in allen Punkten zu. Wenn man sich hierbei einlässt, auf eine Bildgewalt, die im deutschen Fernsehen Ihres gleichen sucht, wird man belohnt und ist um eine wundervoll atmosphärische Erfahrung reicher. Dies ist kein Film, vor dem man abschaltet und sich berieseln lässt. Es ist eine Erfahrung die ebenso eine Bereitschaft fordert.

      Genau dies macht die Reihe aus. Das ist Ihr Alleinstellungsmerkmal. Ich wünschte, es würde mehr mutige, liebevoll von Wolfgang Esser produzierte Produktionen wie diese geben. Vielen Dank, an alle Beteiligten!

      PS: Die Qualität der Schauspieler war ( gerade in diesem ) grandios. Der Konflikt zwischen jungem Ermittler und altem war so überzeugend und facettenreich gespielt.

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