Kritik

Titanic

„Titanic“ // Deutschland-Start: 8. Januar 1998 (Kino) // 24. September 2012 (DVD/Blu-ray)

Als 1912 das Luxus-Passagierschiff „Titanic“ in See sticht, sollte Geschichte geschrieben werden. Schließlich handelte es sich um das größte Schiff der Welt, welches in vielfacher Hinsicht neue Maßstäbe setzen sollte. Doch es kam anders, als es noch während der Jungfernfahrt mit einem Eisberg kollidiert und versinkt – mit zahlreichen Schätzen. Eben diese will im Jahr 1996 Brock Lovett (Bill Paxton) bergen und stößt dabei auf die Zeichnungen einer jungen Frau, die in einem Safe verwahrt wurden. Aus dieser Frau ist die inzwischen 100-jährige Rose Dawson Calvert (Gloria Stuart) geworden, welche anlässlich des Fundes ihre Geschichte erzählt und ihre Erinnerungen teilt. Damals hieß sie noch Rose DeWitt Bukater (Kate Winslet) und war mit ihrem Verlobten Cal Hockley (Billy Zane) und ihrer Mutter (Frances Fisher) an Bord gegangen. Doch es war am Ende Jack Dawson (Leonardo DiCaprio), dem sie zufällig begegnete, der für immer ihr Leben verändern sollte …

Eine Katastrophe mit Tradition

Von den vielen Unglücken und Katastrophen, welche die Menschheitsgeschichte mitgemacht hat, gibt es kaum eine, die derart stark emotionalisiert wird wie der Untergang der Titanic. Das liegt nicht nur an der sehr hohen Zahl der Opfer, die der Unfall damals forderte: Von über 2200 Menschen an Bord starben rund 1500. Die Geschichte des Luxusdampfers ist auch die menschlicher Überheblichkeit. Das Schiff galt als unsinkbar, weshalb man es mit den Sicherheitsbedingungen nicht so genau nahm. Am Ende gab es viel zu wenige Rettungsboote, um die Passagiere und die Besatzung retten zu können. Die modernste Technik, welche man stolz in das imposante Schiff verbaut hatte, waren nicht genug, um am Ende gegen die Kräfte der Natur bestehen zu können.

Es dauerte dann auch nicht lang, bis Filmemacher das Potenzial in dem Ereignis erkannten. Schon 29 Tage später folgte mit dem Kurzfilm Was die Titanic sie lehrte eine erste fiktionalisierte Fassung der Katastrophe, zahlreiche weitere Werke folgten, darunter Die letzte Nacht der Titanic aus dem Jahr 1958. Als James Cameron 1997 mit seiner Version des Vorfalls an den Start ging, war deshalb durchaus Skepsis angesagt. Dass der Stoff große Faszination auf das Publikum ausübt, das war zwar unbestritten, sonst wäre er nicht so oft verfilmt worden. Gleichzeitig hatte es aber schon so viele Filme gegeben, dass man sich schon fragen durfte, warum es jetzt unbedingt noch eine Fassung brauchte. Hinzu kam: Titanic war sündhaft teuer, zudem mit Schauspielern und Schauspielerinnen besetzt, die zwar namhaft waren, aber nicht unbedingt zu etablierten Kassenmagneten gezählt wurden.

Große Gefühle inmitten des Unglücks

Am Ende wurde Titanic bekanntlich ein Triumph, ein Phänomen, das reihenweise Kinorekorde versenkte. Dabei war James Cameron, der zuvor durch seine Actionfilme wie Terminator und Aliens – Die Rückkehr aufgefallen war, bei seiner Interpretation einen eher unerwarteten Weg gegangen. Anstatt sich auf den Katastrophenpart zu konzentrieren, wie man es bei seiner Filmografie hätte vermuten können, besteht ein Großteil des über drei Stunden langen Films darin, wie sich zwei Zufallsbegegnungen ineinander verlieben – trotz großer Widerstände. Sowas zieht natürlich immer. Cameron, der nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb, vertraute dann auch darauf, dass das Publikum hier bereitwillig mitfiebert und mitschmachtet, wenn zwei offensichtlich füreinander bestimmte junge Leute sich kriegen.

Im Grunde ist Titanic deshalb da nicht mehr als eines der zumindest früher so beliebten Kostümdramen, in denen die wahre Liebe über die falsche Liebe triumphiert. Und damit auch ja niemand verpasst, was richtig und was falsch ist, scheute Cameron nicht vor den übelsten Schwarzweiß-Zeichnungen zurück. Dass Billy Zane völlig in seiner Rolle als Antagonist aufgeht, täuscht nicht wirklich darüber hinweg, dass seine Figur eine reine Karikatur ist. Bei Rose und Jack gab sich der Geschichtenerzähler noch weniger Mühe. Die bieten nicht einmal für ein Klischee genügend Inhalt. Die zaghaften Versuche einer Kritik des Hierarchiedenkens, wenn ein armer Junge und ein Mädchen aus gutem Hause sich verlieben, braucht man deshalb nicht sonderlich ernst nehmen. Dafür ist das letztendlich einfach zu oberflächlich, setzt auf Schauwerte und ein attraktives Ensemble, das mit genügend Einsatz das in der Hinsicht doch dürftige Drehbuch vergessen lässt.

Opulente Aufnahmen

Doch der Film hat eben mehr zu bieten als schwülstige Liebesschwüre aus der Konserve. Denn rein visuell hat sich der hohe Einsatz allemal gelohnt: Die Titanic ist mit einem atemberaubenden Aufwand rekonstruiert worden. Wenn wir an der Seite von Rose und Jack durch das riesige Schiff streifen, den goldenen Glanz der ersten Klasse bewundern, dann sind die Augen eine ganze Weile allein damit beschäftigt. Das Drama lässt mit seinen opulenten Bildern eine vergangene Welt wiederauferstehen, zeigt einen Prunk und eine Lebenslust, der allein schon wegen des vorweggenommenen fatalen Endes eine Tragik innewohnt. Ein Traum, von dem wir genau wissen, dass er einer ist. Und natürlich ist auch das letzte Drittel, wenn das Schiff dann doch einmal sinkt, optisch beeindruckend. Ob eine derartige Fokussierung auf zwei Personen von 2200 dabei jedoch wirklich angemessen ist, darüber kann man geteilter Ansicht sein. Da wird schon der Eindruck vermittelt, dass die größte Katastrophe die ist, dass eine junge Liebe ihr vorzeitiges Ende nahm.

Credits

OT: „Titanic“
Land: USA
Jahr: 1997
Regie: James Cameron
Drehbuch: James Cameron
Musik: James Horner
Kamera: Russell Carpenter
Besetzung: Leonardo DiCaprio, Kate Winslet, Billy Zane, Kathy Bates, Frances Fisher, Bernard Hill, Jonathan Hyde, Danny Nucci, David Warner, Bill Paxton

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1998 Bester Film Sieg
Beste Regie James Cameron Sieg
Beste Hauptdarstellerin Kate Winslet Nominierung
Beste Nebendarstellerin Gloria Stuart Nominierung
Beste Kamera Russell Carpenter Sieg
Bestes Szenenbild Peter Lamont, Michael Ford Sieg
Beste Kostüme Deborah Lynn Scott Sieg
Bestes Make-up Tina Earnshaw, Greg Cannom, Simon Thompson Nominierung
Bester Ton Gary Rydstrom, Tom Johnson, Gary Summers, Mark Ulano Sieg
Bester Tonschnitt Tom Bellfort, Christopher Boyes Sieg
Bester Schnitt Conrad Buff IV, James Cameron, Richard A. Harris Sieg
Beste Spezialeffekte Robert Legato, Mark A. Lasoff, Thomas L. Fisher, Michael Kanfer Sieg
Beste Musik James Horner Sieg
Bestes Lied James Horner, Will Jennings Sieg
BAFTA Awards 1998 Bester Film Nominierung
Beste Regie James Cameron Nominierung
Beste Musik James Horner Nominierung
Beste Kamera Russell Carpenter Nominierung
Bestes Szenenbild Peter Lamont Nominierung
Beste Kostüme Deborah Lynn Scott Nominierung
Bester Schnitt Conrad Buff IV, James Cameron, Richard A. Harris Nominierung
Bester Ton Gary Rydstrom, Tom Johnson, Gary Summers, Mark Ulano Nominierung
Beste Spezialeffekte Robert Legato, Mark A. Lasoff, Thomas L. Fisher, Michael Kanfer Nominierung
Bestes Make-up/Haare Tina Earnshaw, Simon Thompson, Kay Georgiou Nominierung
César 1998 Bester fremdsprachiger Film Nominierung
Europäischer Filmpreis 1998 Beste Darstellerin Kate Winslet Sieg
Outstanding European Achievement in World Cinema Kate Winslet Nominierung
Golden Globes 1998 Bester Film – Drama Sieg
Beste Regie James Cameron Sieg
Bestes Drehbuch James Cameron Nominierung
Beste Hauptdarstellerin – Drama Kate Winslet Nominierung
Bester Hauptdarsteller – Drama Leonardo DiCaprio Nominierung
Beste Nebendarstellerin Gloria Stuart Nominierung
Beste Musik James Horner Sieg
Bestes Lied James Horner, Will Jennings Sieg

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Titanic
Die Skepsis war im Vorfeld groß, der kommerzielle Triumph noch größer: „Titanic“ verknüpfte eine klischeebeladene Kostümdrama-Romanze mit einem wuchtigen Katastrophenabenteuer zu einem Film, der Geschichte schrieb. Seine volle Wirkung entfaltet das Drama dabei bei einem Publikum, das der dominanten Liebesgeschichte verfallen kann und will. Der Rest bekommt immerhin opulente Bilder einer untergangenen Welt.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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