Georgetown

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Inhalt / Kritik

Georgetown
„Georgetown“ // Deutschland-Start: 1. September 2021 (Sky Ticket)

Als Amanda Brecht (Annette Bening) von ihrer Mutter Elsa (Vanessa Redgrave) zu sich gerufen wurde, ging sie davon aus, dass diese einfach ihre Nähe suchte. Stattdessen muss sie feststellen, dass ihr deutlich jüngerer zweiter Ehemann Ulrich Mott (Christoph Waltz) nur mal wieder eines seiner Dinner organisiert und sie dabei sein soll. Dabei hasst Amanda diese Dinner. Vor allem hasst sie aber Mott, den sie für einen selbstverliebten Aufschneider und skrupellosen Erbschleicher hält. Von Anfang an hat sie ihre Mutter daher vor ihm gewarnt, ohne Erfolg. Aber an diesem Abend reicht es ihr und sie verlässt mitten im Essen die Gesellschaft, was zu einem erbitterten Streit führt. Am nächsten Tag wird Elsa tot aufgefunden. Für Amanda, die als Richterin arbeitet, steht dabei fest: Mott muss diese ermordet haben, um an ihr Hab und Gut zu kommen …

Der schwierige Weg hinter die Kamera

Als Schauspieler hat Christoph Waltz zweifelsfrei sehr erreicht: Seine Filmografie umfasst bislang mehr als 120 Titel, für Inglourious Basterds und Django Unchained erhielt er jeweils den Oscar, Golden Globe und BAFTA als bester Nebendarsteller. Seine Versuche, auch als Regisseur Fuß zu fassen, sind hingegen nicht so wirklich erwähnenswert. Zwei TV-Filme inszenierte der deutsch-österreichische Künstler bislang. Zwischen diesen beiden folgte Georgetown, das auf eine eher verhaltene Resonanz stieß. Trotz der prominenten Besetzung war dem Film auch kein Erfolg an den Kinokassen vergönnt – was auch damit zusammenhängt, dass er weltweit nur sehr begrenzt in den Kinos lief. Hierzulande reichte es nicht einmal für eine DVD-Auswertung, sondern wurde ausschließlich als Video on Demand veröffentlicht.

Dabei ist die zugrundeliegende Geschichte eigentlich durchaus interessant. Basierend auf dem Fall von Viola Drath erzählt Waltz von einem Aufschneider, der mit Dreistigkeit und der Ausnutzung seiner deutlich älteren Ehefrau bis in die höchsten Kreise aufstieg. Vor allem aber seine Selbstinszenierung als Irakexperte und Vertrauter der dortigen Regierung verblüfft. Schließlich ahnt man schon früh bei Georgetown, dass er eigentlich keine Ahnung von dem ganzen Thema hat. Aber offensichtlich reichte es bei ihm, sich eine entsprechende Uniform überzuziehen und einfach irgendwelche Behauptungen über sein Publikum zu ergießen, die bei dem Wortschwall einfach mal alles glaubten, was er von sich gab. Vielleicht es auch einfach nur glauben wollten.

Satire auf unqualifizierte Entscheidungsträger

Am interessantesten ist Georgetown dann auch, wenn der Film sich auf satirische Weise diesem unerhörten Aufstieg widmet. In zahlreichen Flashbacks darf das Publikum erfahren, wie aus einem einfachen Touristenführer plötzlich ein hochrangiger Berater wurde, dem es auf verblüffende Weise gelang, zahlreiche Leute zu täuschen. Der Film hätte an diesen Stellen das Potenzial zu einer Gaunerkomödie à la Catch Me If You Can, verbunden mit den politischen Seitenhieben von Der Krieg des Charlie Wilson. Dabei ist es nicht nur der Protagonist, der für staunende Gesichter sorgt. Es drängt sich allgemein der Eindruck auf, dass an vielen entscheidenden Schaltstellen Leute sitzen, die letztendlich keine Ahnung von dem haben, was sie von sich geben. Solange sie mit entsprechender Überzeugungskraft und Selbstbewusst sein auftreten, kann man selbst mit dem größten Quatsch durchkommen.

Nur hat Waltz nicht konsequent den Fokus darauf gelegt, sondern versuchte das Porträt des exzentrischen Aufschneiders mit einer Art Krimi zu verbinden, der die Rahmenhandlung für die fortlaufende Rückschau liefert. Und das passt hinten und vorne nicht zusammen. Hinzu kommt, dass Georgetown so tut, als gäbe es da ein ganz großes Geheimnis, das im Laufe des Films aufgedeckt wird. Ist aber nicht so. Auch wenn die genauen Details erst auf den letzten Metern verraten werden, grundsätzlich ist die Auflösung das, was von Anfang an zu erwarten war. Spannung? Fehlanzeige.

Uncharismatische Witzfigur

Wenn etwas die Nerven in Anspruch nimmt, dann ist es Mott selbst. Tatsächlich dauert es nicht lange, bis man genug hat von diesem aufgeblasenen Wichtigtuer, der mit starkem Akzent und unmöglichen Wortkonstrukten die Ohren zum Bluten bringt. Was genau sich Waltz damit dachte, wird nicht klar. Man nimmt Georgetown einfach nicht ab, dass diese völlig uncharismatische Witzfigur so viele Leute hat überreden haben können. Immerhin: Sobald Waltz und Schauspiellegende Vanessa Redgrave sich alles Mögliche an den Kopf werfen, von Beleidigungen bis zu Suppe, wird es etwas unterhaltsamer. Ansonsten ist das hier zuweilen aber schon recht quälend abwechslungsarm und unglaubwürdig, zwischendurch sogar ziemlich langweilig.

Credits

OT: „Georgetown“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Christoph Waltz
Drehbuch: David Auburn
Musik: Lorne Balfe
Kamera: Henry Braham
Besetzung: Christoph Waltz, Vanessa Redgrave, Annette Bening, Corey Hawkins

Trailer

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In „Georgetown“ inszeniert sich Christoph Waltz als exzentrischen Aufschneider, der eine reiche Witwe und die High Society bezirzt. Das ist in den satirischen Momenten oder auch den Szenen des Ehestreits unterhaltsam. Über weite Strecken ist der Film aber nervig bis langweilig, zumal die Krimi-Rahmenhandlung nicht zum Rest passt.
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