Inhalt / Kritik

Escape Room 2 No Way Out

„Escape Room 2: No Way Out“ // Deutschland-Start: 19. August 2021 (Kino)

Auch wenn es Zoey (Taylor Russell) und Ben (Logan Miller) gelungen ist, den tödlichen Escape Rooms zu entkommen, so ist die Geschichte für die beiden doch noch lange nicht vorbei. Vor allem Zoey ist es, die von dem Thema nicht loslassen kann, hat sie es sich doch zum Ziel gemacht, die Verantwortlichen von der Minos Corporation ausfindig zu machen und aufzuhalten. Als die beiden deswegen den weiten Weg nach New York antreten, erleben sie jedoch eine böse Überraschung. Erst werden die beiden beim heruntergekommenen Hauptquartier der Organisation von einem Unbekannten überfallen, der Zoeys Anhänger stiehlt. Als sie ihm hinterherjagen und bis in die U-Bahn verfolgen, stellen sie fest, dass ihr Waggon präpariert wurde und sie gemeinsam mit Rachel (Holland Roden), Brianna (Indya Moore), Theo (Carlito Olivero) und Nathan (Thomas Cocquerel) nach einem Ausweg suchen müssen, mit denen sie mehr gemeinsam haben, als sie anfänglich glauben …

Eine profitable Todesfalle

Als 2019 Escape Room in die Kinos kam, durfte man schon etwas misstrauisch sein. Filme, die noch schnell irgendwie von etwas profitieren wollen, was gerade populär ist, sind meistens billige bis zynische Schnellschüsse. Wenn wir uns dann auch noch grob im Horrorgenre bewegen, sind die Vorzeichen besonders schlecht. Die Erinnerung an das auf einem Internetmeme basierende Slender Man war da noch zu frisch – und zu fürchterlich. Etwas überraschend war die Geschichte um die tödlichen Fallen, welche auf dem beliebten Freizeitvertreib basieren, aber tatsächlich unterhaltsam. Und sie war profitabel: Bei einem Budget von 9 Millionen Dollar am Ende 155 Millionen wieder einzuspielen, da leuchten die Augen der Studiobosse schon ganz hell.

Wenig überraschend ist daher, dass mit Escape Room 2: No Way Out nach diversen Verschiebungen eine Fortsetzung nachgeschoben wird. Zumal der erste Teil bereits auf eine nachfolgende Reihe verwies, indem hinter den Räumen eine fiese und geheime Organisation stecken soll. Und da würde man schon gerne mehr wissen. Der zweite Film nimmt diese Elemente des Verschwörungsthrillers auf und baut diese noch einmal aus. Das kann man dann als zynisch empfinden in einer Zeit, die nun wirklich schon genug unter der Vorstellung zu leiden hat, dass geheime Mächte die Menschheit leiten. Effektiv ist es aber und trägt zu der allgemeinen Spannung bei. Wenn man irgendwann nicht mehr weiß, wem man noch vertrauen darf, dann ist das ebenso perfide wie ein Raum, in dem alles das Potenzial hat, dich zu töten.

Viel Kreativität auf engem Raum

Wobei man „Raum“ bei Escape Room 2: No Way Out in Anführungszeichen setzen sollte. Schon beim Vorgänger demonstrierte das Team einen beeindruckenden Einfallsreichtum, wenn es um die Gestaltung der jeweiligen Orte ging. Vor allem die Vielfalt der Settings trug dazu bei, dass der Film trotz eines wenig abwechslungsreichen Konzepts überzeugte. Beim zweiten Anlauf mit mehr Budget ausgestattet wird das alles noch einmal deutlich gesteigert. Hier ist jeder Schauplatz so einzigartig, dass einen allein schon die Neugierde dabei bleiben lässt. Man will schließlich wissen, was einen hinter der nächsten Tür erwartet. Dass das alles völlig überzogen ist und keinen Sinn ergibt, muss man dabei jedoch in Kauf nehmen können und wollen. Wer auch nur irgendwie über das Geschehen nachdenkt, der hat bereits verloren.

Allgemein ist das mit dem Inhalt hier so eine Sache. Dass abgesehen von den wiederkehrenden und jetzt selbstbewusster auftretenden Zoey und Ben keine Figur in Erinnerung bleibt, darüber lässt sich noch hinwegsehen. Da wurden einfach nur nach den Verlusten beim letzten Mal so viele nachgefüllt, bis der Raum wieder voll mit potenziellen Opfern ist. Gravierender schon ist, dass bei der Minos Corporation kein entscheidender Schritt gemacht wurde. Wir wissen am Ende des zweiten Teils nur, dass die Organisation noch größer ist, als die beiden anfangs dachten. Das allein ist aber keine sonderlich befriedigende Erkenntnis. Da wäre es doch ganz schön gewesen, wenn der Film irgendein Erfolgserlebnis gebracht hätte. Das Gefühl, vorangekommen und der Auflösung näher gekommen zu sein. Stattdessen dreht sich das Szenario mehr oder weniger im Kreis.

Eine weitere perfide Note für Fans

Dafür hat das immerhin vier Leute umfassende Drehbuchteam ein paar andere Ideen, um das Geschehen noch etwas zu intensivieren. Die erste wird schon relativ früh sowie unnötigerweise im englischen Originaltitel verraten. Die zweite und deutlich interessantere folgt zu einem späteren Zeitpunkt und gibt den Vorkommnissen noch einmal eine weitere schön perfide Note. Obwohl Escape Room 2: No Way Out natürlich die Frische des Auftakts fehlt, da das Prinzip jetzt zu bekannt ist: Für Fans gibt es schon Gründe, warum sie auch beim zweiten Anlauf ins Labyrinth mitgehen können. Neue Fans dürfte der Thriller aber weniger gewinnen, da man das Erfolgsrezept noch weiter überspitzte, jedoch nicht nennenswert änderte. Wem das also schon beim letzten Mal zu doof war, wird sich kaum bekehren lassen. Der Rest darf bei den einfallsreichen bis grotesken Räumen aber seinen Spaß haben.

Credits

OT: „Escape Room: Tournament of Champions“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Adam Robitel
Drehbuch: Will Honley, Maria Melnik, Daniel Tuch, Oren Uziel
Musik: Brian Tyler, John Carey
Kamera: Marc Spicer
Besetzung: Taylor Russell, Logan Miller, Deborah Ann Woll, Holland Roden, Indya Moore, Thomas Cocquerel, Carlito Olivero

Bilder

Trailer

Interview

Welche Erfahrungen hat er selbst mit Escape Rooms gesammelt? Und worin liegt der Reiz, derart brutale Spiele anzusehen? Diese und weitere Fragen haben wir Regisseur Adam Robitel in unserem Interview zu Escape Room 2: No Way Out gestellt.

Adam Robitel [Interview]

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4/5 - (18 votes)
Escape Room 2: No Way Out
„Escape Room 2: No Way Out“ nimmt das aus dem ersten Teil etablierte Prinzip und wendet es ohne große Änderungen wieder an. Das ist in erster Linie für die einfallsreichen Räume sehenswert, die diesmal noch größer angelegt sind. An den Inhalt sollte man hingegen keine großen Erwartungen stellen. Trotz einer schön perfiden Idee später tritt das hier auf der Stelle, gerade im Hinblick auf die Verschwörungselemente.
6von 10
Leserwertung: (4 Votes)
5.2

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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