Petite Maman
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Petite Maman

Inhalt / Kritik

„Petite Maman“ // Deutschland-Start: 17. März 2022 (Kino)

Nach dem Tod ihrer Großmutter hilft die achtjährige Nelly (Joséphine Sanz) ihren Eltern (Nina Meurisse, Stéphane Varupenne) beim Aufräumen des Hauses, in dem ihre Mutter einst ihre Kindheit verbracht hat. Leicht ist diese Aufgabe nicht, zumindest für ihre Mutter, die mit ihren Erinnerungen an früher konfrontiert wird. Nelly hingegen genießt es, mehr über die Vergangenheit zu erfahren und die Geschichten, welche ihre Mutter erlebt hat. Außerdem ist da noch Marion (Gabrielle Sanz), ein gleichaltriges Mädchen, dem sie eines Tages beim Baumhaus begegnet. In den folgenden Tagen verbringen sie viel Zeit miteinander, schließen Freundschaft. Doch es bleibt eine flüchtige Begegnung, denn die Rückkehr in den Alltag kündigt sich an …

Frauen im Fokus

In ihren bisherigen Filmen hatte sich Céline Sciamma eigentlich überwiegend in dem Themenfeld (Geschlechter-)Identität bewegt. In Tomboy erzählte sie von einem Mädchen, das sich gerne als Junge ausgibt. Porträt einer jungen Frau in Flammen, mit dem sie 2019 zu einer Festivalsensation wurde, erzählte von zwei Frauen, die Ende des 18. Jahrhunderts auf einer Insel eine Liebesbeziehung begingen. Insofern durfte man eigentlich erwarten, dass auch Petite Maman in diese Richtung gehen würde. Doch auch wenn die Regisseurin und Drehbuchautorin den Schwerpunkt erneut auf weibliche Figuren liegt – im Ensemble findet sich gerade mal ein Mann –, inhaltlich beschreitet sie trotz allem ganz andere Wege.

Welchen, wird mehr oder weniger bereits im Titel verraten: Petite Maman handelt von der Beziehung zwischen Mutter und Tochter, sowohl bei der älteren wie auch der jüngeren Generation. Und noch in einer anderen Hinsicht darf man schon im Vorfeld erahnen, was geschehen wird, Sciamma gibt damit bereits einen Twist preis. Anders als aber etwa M. Night Shyamalan, der diese zelebriert und die Geschichte komplett darauf basieren lässt, nimmt die Französin das hier mit einem Schulterzucken hin. Für sie ist das so selbstverständlich, dass im Film niemand darüber spricht oder auf nennenswerte Weise darauf reagiert. Tatsächlich dürften so manche im Publikum zunächst auch gar nicht realisieren, was da genau geschieht.

Die Kraft der Bilder

Vielleicht sind sie aber auch zu sehr mit der Aufgabe beschäftigt, die beiden Mädchen auseinanderzuhalten. Dass Sciamma die beiden Hauptprotagonistinnen mit Zwillingsschwestern besetzt hat, ist dabei einerseits gemein, gleichzeitig aber auch ziemlich clever. Überhaupt ist es ihr gelungen, mit kleinen Details eine Geschichte zu erzählen, für die andere stundenlange Dialoge gebraucht hätte. Petite Maman ist in der Hinsicht gleich doppelt sparsam. Mit einer Laufzeit von rund 70 Minuten ist das Drama, welches auf der Berlinale 2021 Weltpremiere hatte, schon sehr kurz – gerade im Vergleich zum überlangen Porträt einer Frau in Flammen. Beiden gemeinsam ist dabei, dass die Regisseurin oft die Bilder dem Wort als narrativen Mittel vorzieht. Dass der Film mit dem Tod der Großmutter beginnt, muss dabei nicht erst verbalisiert werden. Es reicht, wenn Nelly durch die Räume der anderen geht, um sich von diesen zu verabschieden.

Und zu zeigen hat sie einiges. Dabei sind die Schauplätze sehr überschaubar. Ein Großteil der Geschichte spielt entweder an dem Ort, an dem das Baumhaus steht, oder im Esszimmer des Familienhauses. Diese Bilder werden dann variiert, um mit einem Wechselspiel von Bekanntem und Fremden zu arbeiten. Um Querverbindungen auch zu veranschaulichen. Das Ergebnis ist ein sicherlich ungewöhnliches, aber durchaus sehenswertes kleines Drama über familiäre Bande und die Sehnsucht einer Annäherung. Ein magischer Realismus, der ganz nah bei den Figuren ist und doch trotz allem immer etwas entrückt ist. Letzteres wird sicher nicht allen gefallen. Petite Maman ist nicht für ein Publikum gedacht oder geeignet, das gern große Gefühle sehen möchte. Und doch geht das hier so zu Herzen, dass man im Anschluss die eigene Mutter ganz fest in den Arm nehmen möchte.

Credits

OT: „Petite Maman“
Land: Frankreich
Jahr: 2021
Regie: Céline Sciamma
Drehbuch: Céline Sciamma
Musik: Jean-Baptiste de Laubier
Kamera: Claire Mathon
Besetzung: Joséphine Sanz, Gabrielle Sanz, Nina Meurisse, Stéphane Varupenne, Margot Abascal

Bilder

Trailer

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In „Petite Maman“ räumt eine Familie das Haus der verstorbenen Großmutter aus, während die Enkelin eigene Entdeckungen macht. Das fantasievolle Drama ist sehr zurückhaltend erzählt, geht dabei aber doch zu Herzen, wenn wir hier Zeuge einer ganz besonderen Annäherung werden.
7
von 10