Inhalt / Kritik

Kommissar Dupin - Bretonische Spezialitäten

„Kommissar Dupin: Bretonische Spezialitäten“ // Deutschland-Start: 6. Mai 2021 (Das Erste)

Eigentlich hatte Georges Dupin (Pasquale Aleardi) in der Markthalle von Saint-Malo nur gemütlich einkaufen wollen. Stattdessen wird der Kommissar Zeuge eines Mordes: Lucille Trouin (Nadja Becker) hat ihre Schwester Blanche (Franziska Junge) niedergestochen, mit einem Messer, das offen herumlag. Während der Tathergang offensichtlich ist, bleibt das Motiv ein Rätsel. Was könnte die junge Frau nur dazu veranlasst haben? Auf der Suche nach einer Antwort trifft Dupin auf Charles Braz (Thomas Niehaus), den Lebensgefährten der Täterin. Aber auch der Antiquitätenhändler Richard Walig (Michael Kausch) scheint irgendwie in der Geschichte drinzustecken …

Heimischer Mord vor Urlaubskulissen

Und ewig mordet das Murmeltier. Deutschland ist bekanntlich Krimiland, jede Woche laufen im hiesigen Fernsehen eigens produzierte Filme rund um Verbrechen und die Lösung derselben. Und ein Abflauen ist nicht in Sicht. Um in diesem lukrativen, aber hart umkämpften Segment ein möglichst großes Publikum abzugreifen, braucht es im Idealfall natürlich eine Besonderheit. Irgendwas, das anders ist als bei den vielen übrigen Titeln. Eine Möglichkeit, die hierfür zunehmend gern genutzt wird: Man erzählt deutsche Krimis, die im Ausland spielen. Die Zuschauer und Zuschauerinnen nehmen das Angebot gern an. Der Kroatien-Krimi (Jagd auf einen Toten) bringt es auf inzwischen 10 Teile, der Irland-Krimi (Das Verschwinden) kann bislang vier Filme vorweisen.

Inhaltlich sind die Filme oft leider nur mäßig. Die Idee des Schauplatzwechsels zahlt sich aber aus, zumindest optisch gesehen, wenn schöne Landschaftsaufnahmen das Publikum mit auf eine Reise nehmen. Bei Kommissar Dupin: Bretonische Spezialitäten ist das genauso. Die Aufnahmen des Krimis sind sogar so fantastisch, dass man meinen könnte, sie wären vom bretonischen Tourismusbüro in Auftrag gegeben worden. Ob nun die idyllischen Strandbilder, die malerischen Gassen des kleinen Ortes oder auch die Gebäude, die von der reichen Geschichte der Küste erzählen: Man kann sich hieran fast gar nicht sattsehen. Irritierend sind hingegen die oft sehr schnellen und häufigen Schnitte, die wohl für Dynamik sorgen sollen, aber völlig übers Ziel hinausschießen.

Ein Fall ohne Sinn oder Glaubwürdigkeit

Die größeren Irritationen sind jedoch dem Inhalt geschuldet. Dass die ARD-Krimireihe sich bei der Adaption der Romane von Jean-Luc Bannalec recht große Freiheiten rausnimmt, sorgte von Anfang an bei Fans für Verstimmungen. Aber auch ohne Vorkenntnisse stolpert man immer wieder über Kommissar Dupin: Bretonische Spezialitäten, den bislang neunten Teil der Reihe. Die grundsätzliche Idee ist dabei an und für sich interessant. Im Gegensatz zu den meisten Krimis geht es hier nicht darum, einen Täter zu finden. Wir wissen ja von Anfang an, wer Blanche getötet hat. Aus diesem Grund verlagert sich die Frage vom „wer“ zum „warum“, wenn Dupin anderthalb Stunden lang versucht, die Vorgeschichte herauszufinden. Klar, nicht nur er würde das gern wissen, dem Publikum geht es ähnlich. Ärgerlich wird es aber, wenn die Auflösung derart konstruiert ausfällt wie hier.

Allgemein fällt Kommissar Dupin: Bretonische Spezialitäten dadurch auf, dass hier so gut wie nichts natürlich wirkt. Ob der Protagonist oder die diversen Verdächtigen, niemand verhält sich wirklich plausibel. Beispielsweise wird Dupins Besessenheit mit dem Fall auf groteske Weise aufgebauscht. Die Ermittlungen führen zu spontanen, faul geschriebenen Gedankensprüngen. Andere Stellen wiederum sind ziemlich weltfremd. Nun ist Glaubwürdigkeit natürlich nicht die oberste Pflicht eines Krimis. Solange ein Fall spannend ist oder einem knifflige Rätsel aufgibt, lassen sich inhaltliche Ungereimtheiten verschmerzen. Wenn aber so viele Fehler zusammenkommen wie hier und wirklich gar nichts mehr richtig Sinn ergibt, dann wird es schnell hoffnungslos. Zumal der Fall an sich kaum fesselt. Das ist schade um die schönen Bilder, welche die Sehnsucht wecken, selbst in die Gegend zu fahren. Letzten Endes wäre ein reiner Imagefilm da aber zielführender – und weniger ärgerlich.

Credits

OT: „Kommissar Dupin: Bretonische Spezialitäten“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Bruno Grass
Drehbuch: Eckhard Vollmar
Vorlage: Jean-Luc Bannalec
Musik: Fabian Römer, Steffen Kaltschmid
Kamera: Tobias Schmidt
Besetzung: Pasquale Aleardi, Jan Georg Schütte, Franziska Wulf, Nadja Becker, Hedi Kriegeskotte, Peter Franke, Michael Kausch

Bilder

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Kommissar Dupin: Bretonische Spezialitäten
„Kommissar Dupin: Bretonische Spezialitäten“ lockt mit so schönen Bildern aus der Bretagne, dass man am liebsten seine Koffer packen und dort Urlaub machen möchte. Inhaltlich funktioniert der TV-Krimi hingegen kaum. Die Geschichte ist umständlich konstruiert, die Figuren verhalten sich völlig willkürlich. Hinzu kommen inszenatorische Schwächen.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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