Inhalt / Kritik

Psycho Goreman

„Psycho Goreman“ // Deutschland-Start: 22. April 2021 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich hatten die Geschwister Mimi (Nita-Josee Hanna) und Luke (Owen Myre) nur ihre üblichen kleinen Spiele im Garten spielen wollen, an dessen Ende einer von beiden lebendig begraben wird. Stattdessen befreien sie aber seinen sehr mächtigen und sehr gemeinen außerirdischen Herrscher. Als der frei ist, will er seiner gewohnten Berufung nachgehen, welche in erster Linie Tod und Zerstörung lautet. Zu seinem Unglück jedoch ist Mimi in Besitz eines besonderes Juwels, welches ihr die Herrschaft über den extraterrestrischen Extremisten verleiht. Das weiß sie auch zu nutzen, indem sie ihm den Namen Psycho Goreman gibt und jeden Blödsinn machen lässt, der ihr so einfällt – zu seinem Missfallen. Noch weniger gefällt dem angebundenen Superschurken aber, dass sich diverse andere außerirdische Gestalten auf den Weg machen, um ihn endgültig aus dem Verkehr zu ziehen …

Die Bedrohung aus dem All

Wenn in Filmen bzw. Serien Außerirdische auf der Erde landen, dann hat das meistens nichts Gutes zu bedeuten. Natürlich gibt es immer mal wieder Ausnahmen, seien es die freundliche Titelfigur von E.T. – Der Außerirdische oder auch die Sitcom-Klassiker Mork vom Ork und Alf. Die meisten aber nehmen die lange Reise zu unserem Planeten als Anlass, um diesen zu erobern, vielleicht wertvolle Ressourcen zu stehlen oder auch die Menschen auszurotten oder zu versklaven. Die Fronten sind auf diese Weise schnell geklärt. Meist gibt es eine kleine Schar von Helden und Heldinnen, die dieser Gefahr trotzen und irgendwie ihre Welt retten müssen. Das Publikum wiederum hat die ehrenvolle Aufgabe, bei diesem Abenteuer mitzuzittern und kräftig Daumen zu drücken.

Grundsätzlich trifft das auch auf Psycho Goreman zu. Die anfangs noch namenlose Titelfigur hat zwar nicht grundsätzlich etwas gegen die Erde und die darauf herumwuselnden Wesen. Es verfolgt auch keinen klaren Plan. Braucht es auch nicht. Wer so böse und so mächtig ist wie der verschüttete Außerirdische, der hält sich mit solchen Kleinigkeiten nicht auf. Umso überraschter ist er, wenn da auf einmal ein kleines Wesen vor ihm auftaucht und nicht, wie es sich gehören sollte, vor Angst zergeht. Vielmehr hat sich Mimi in jungen Jahren angewöhnt, so ziemlich jeden anzuschnauzen, der sich versehentlich in ihre Nähe wagt. Meistens sind das die Familienangehörigen, die sie nach Lust und Laune terrorisiert. Ein brutales Alien ist ihr aber genauso recht.

Ein ungleicher Kampf

Daraus bezieht Psycho Goreman einen großen Teil seiner Komik. Es ist aber auch zu spaßig, wenn ein körperlich haushoch unterlegenes Mädchen einen bestialischen Krieger verspottet und – dank des Juwels – zu zahlreichen demütigenden Aktionen zwingt. Wie oft sieht man schon den Herrscher der Galaxis, wie er ein kleines Tänzchen wagt oder in die Hände klatscht? Der Frust sitzt an der Stelle erwartungsgemäß tief, fast könnte einem der Despot leidtun. Von den Klischees, die in einem solchen Film normalerweise verwendet, wenn Kinder mit weit aufgerissenen Augen um Leib und Seele kreischen, ist man hier weit entfernt. Regisseur und Drehbuchautor Steven Kostanski (The Void) macht sich vielmehr über das alles lustig.

Es sind aber nicht allein die parodistischen Elemente, die den auf diversen Festivals – darunter das Fantasy Filmfest 2020 – gezeigten Mix aus Komödie, Horror und Science-Fiction bestimmen. Hinzu kommt, dass Kostanski offensichtlich ein großer Liebhaber des Trashs ist. Dass es sein Film nicht mit deutlich höher budgetierten Genrekollegen würde aufnehmen können, das wusste der Filmemacher natürlich schon. Umso mehr bemühte sich der hauptsächlich im Make-up-Bereich tätigte Künstler, die Gestaltung der Aliens möglichst grotesk zu gestalten. Während Psycho Goreman an TV-Serien von anno dazumal erinnert, in denen kostümierte Helden ganz unironisch gegen groteske Wesen kämpften, sind die anderen Aliens ganz deutlich als Witz gemeint.

Trashig und nostalgisch

Das richtet sich klar an ein Publikum, das dem Trash nicht abgeneigt ist oder einen Hang zur Nostalgie hat – im Idealfall beides in Kombination. Wer das von sich behaupten kann, der wird dem Film viel Sympathie entgegenbringen. Andere werden mit Psycho Goreman schon mehr Probleme haben. So witzig es natürlich auch ist, wenn da Männer in bescheuerten Kostümen von kleinen Mädchen herumkommandiert werden, das allein trägt keinen ganzen Film. Und obwohl die kanadische Produktion mit knapp mehr als anderthalb Stunden Laufzeit nun wirklich nicht lang ist, zwischendurch kommt es dann doch zu Längen. Dennoch: Es ist schwer, dieser mit viel Herz- und Kunstblut gemachten Schlachtplatte böse zu sein, die nicht nur mit gut gelauntem Blödsinn, sondern auch einer selbstbewusst auftretenden Nachwuchsdarstellerin unterhält.

Credits

OT: „Psycho Goreman“
Land: Kanada
Jahr: 2020
Regie: Steven Kostanski
Drehbuch: Steven Kostanski
Musik: Blitz//Berlin
Kamera: Andrew Appelle
Besetzung: Nita-Josee Hanna, Owen Myre, Matthew Ninaber, Adam Brooks, Alexis Kara Hancey

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Psycho Goreman
In „Psycho Goreman“ entdecken zwei Kinder einen bösartigen Alien, der die Welt zerstören will, und zwingen ihnen mithilfe eines Juwels, ihre Befehle auszuführen. Die Sci-Fi-Komödie lebt dabei von der absurden Situation, den grotesken Kostümen und einer selbstbewusst auftretenden Nachwuchsdarstellerin, auch wenn der gut gelaunte Trash zwischendurch so seine Längen hat.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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