Inhalt / Kritik

Die Mörder GmbH The Assassination Bureau

„Die Mörder GmbH“ // Deutschland-Start: 25. April 1969 (Kino)

Sonia Winter (Diana Rigg) hat einen Traum: Sie will unbedingt Journalistin werden! Ganz einfach ist das nicht, denn Anfang des 20. Jahrhunderts ist dieser Beruf nicht für Frauen vorgesehen. Doch davon lässt sie sich nicht abhalten. Sie weiß sogar schon, was ihre erste große Reportage sein wird: die Aufdeckung einer Organisation, die im Geheimen Auftragsmorde begeht. Mit dieser Idee hat sie den Zeitungsverleger Lord Bostwick (Telly Savalas) schnell überzeugt. Tatsächlich gelingt es ihr auch, sich Zutritt zu der geheimen Organisation zu verschaffen. Dort beauftragt sie, der Geschichte wegen, den Geschäftsführer Ivan Dragomiloff (Oliver Reed) mit einem höchst unerwarteten Mord. Niemand anderes als Dragomiloff selbst soll getötet werden. Zu ihrer Überraschung willigt er ein, ist das doch für ihn eine willkommene Gelegenheit, sich mit seinen Untergebenen zu messen, die er schon länger auf einem falschen Weg wähnt …

Eine postmortale Mordsgeschichte

Eigentlich kennt man den Autor Jack London vor allem für seine Abenteuergeschichten, welche die Schönheit der Natur feiern, etwa Die Abenteuer von Wolfsblut oder Ruf der Wildnis. Dabei war er in vielen Genres unterwegs, schrieb beispielsweise Thriller oder Science-Fiction-Geschichten. Eines dieser Bücher war Das Mordbüro, ein satirischer Thriller über eine Organisation, die gegen Geld Menschen tötet, die das auch verdient haben. London selbst war von der Grundidee überzeugt, hatte jedoch seine Schwierigkeiten damit, die Geschichte zu einem befriedigenden Schluss zu bringen. Als der Schriftsteller 1916 verstarb, blieb der Roman daher unvollendet. Erst 1963 schrieb ihn der Kollege Robert L. Fish zu Ende, basierend auf Notizen von London und dessen Witwe.

Die Verfilmung ließ dafür nicht lange auf sich warten, schon sechs Jahre später wurde in Mörder GmbH die Jagd auf den Chefkiller eröffnet. Wobei die Adaption schon eine sehr freie ist. So verlegte man die Handlung von den USA nach Europa, wo unter anderem in Österreich und Italien Halt gemacht wird. Auch bei den Figuren wurde einiges geändert. Anstatt wie im Buch den Freund eines Ermordeten zum Klienten zu machen, der Dragomiloff für seine Taten ermorden lassen will, tritt hier eine ambitionierte Journalistin an, die sich davon in erster Linie eine Karriere verspricht. Das wiederum führt zu einer romantischen Richtung des Films, wenn – wie soll es bei zwei so attraktiven Menschen auch anders sein? – sie Gefühle füreinander entwickeln. Dass das Ganze nicht so richtig durchdacht und schlüssig ist, nahmen die Drehbuchautoren in Kauf.

Mörderjagd mit viel Humor

Ein weiterer großer Unterschied: Aus dem ursprünglichen Thriller wurde bei Regisseur Basil Dearden eine Komödie. Von Anfang an wird die Geschichte mit viel Humor erzählt, wobei dieser in unterschiedlichen Formen auftaucht. Während Mörder GmbH an manchen Stellen recht schwarzhumorig ist, wird es an anderen albern. Die diversen Versuche der mörderischen Mitglieder, ihren Chef um die Ecke zu bringen, sind stark mit Slapstick verbunden. Zum großen Finale wird der Film dann endgültig zu einer Farce, bei der selbst die größte Bedrohung ein aufgeblasener Witz ist. Das Ergebnis ist dabei von einer etwas gemischten Natur, mal sehr vergnüglich, dann wieder zu harmlos angesichts eines solchen Themas.

Allgemein leidet der Film etwas darunter, dass er nie so wirklich konsequent etwas verfolgt. So wird Sonia Winter beispielsweise als toughe Frauenrechtlerin eingeführt, die vor nichts und niemandem Angst hat, muss später aber doch ins Damsel-in-Distress-Korsett passen, damit der Held sie retten kann. Auch bei den Gegenspielern schwankte man, ob man aus ihnen diabolische Meisterkiller oder selbstverliebte Idioten machen sollte. Zwischendurch wird dann mal auf historische Ereignisse eingegangen, was als Idee reizvoll ist und Mörder GmbH mit Elementen des Verschwörungsthrillers spielen lässt. Für eine tatsächliche alternative Historie ist das aber zu wenig.

Ein Duo zum Totlachen

Dennoch, im Großen und Ganzen ist die abenteuerliche Krimikomödie nicht nur wegen ihres historischen Settings ein nostalgischer Spaß. So ist das Szenario, trotz der Veränderungen und Verwässerungen, Jahrzehnte später noch immer ungewöhnlich. Es gibt eine Vielzahl von Schauplätzen, welche für optische Abwechslung sorgen. Außerdem ist das Ensemble mit viel Elan und Freude bei dem Blödsinn dabei. Oliver Reed (Ein Unbekannter rechnet ab) und Diana Rigg (Mit Schirm, Charme und Melone) funktionieren prima als Duo, das zwischen Antagonismus und Romantik changiert. Auch wenn der Film am Ende sein Potenzial nie ganz abruft, das alles mehr Konsequenz und Biss vertragen hätte: Es ist noch immer schön, sich auf diese alberne Mordstour zu begeben und zuzusehen, wie sich die Leute auf möglichst bescheuerte Weise aus dem Weg räumen wollen.

Credits

OT: „The Assassination Bureau“
Land: UK
Jahr: 1969
Regie: Basil Dearden
Drehbuch: Michael Relph, Wolf Mankowitz
Vorlage: Jack London, Robert L. Fish
Musik: Ron Grainer
Kamera: Geoffrey Unsworth
Besetzung: Oliver Reed, Diana Rigg, Telly Savalas, Curd Jürgens, Philippe Noiret, Warren Mitchell, Annabella Incontrera, Vernon Dobtcheff

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Golden Globes 1970 Bester englischsprachiger Film aus dem Ausland Nominierung

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Mörder GmbH
„Mörder GmbH“ nahm den unvollendeten Romanthriller von Jack London und machte daraus eine Farce über eine Killer-Organisation, die ihren eigenen Chef ausschalten will. Das ist zwar nie so wirklich konsequent, schwankt zwischen schwarzem Humor und albernem Blödsinn. Aber es macht schon Spaß, auch dank der abwechslungsreichen Schauplätze und des gut aufgelegten Ensembles.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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