Inhalt / Kritik

Der Adler ist gelandet The Eagle Has Landed

„Der Adler ist gelandet“ // Deutschland-Start: 24. Februar 1977 (Kino) // 7. November 2007 (DVD/Blu-ray)

November 1943: Die deutsche Armee hat durch die Niederlage in Stalingrad einen empfindlichen Rückschlag erlitten, der Krieg droht in einem Fiasko zu enden. Noch aber hat die Führung nicht aufgegeben. Und so machen sich unter dem Kommando des früheren Kriegshelden und Luftwaffenoffiziers Kurt Steiner (Michael Caine) 16 deutsche Fallschirmjäger auf den Weg an die britische Küste. Ihr Auftrag: die Entführung von Premierminister Winston Churchill. Denn damit könnten sie die englische Regierung an den Verhandlungstisch zwingen. Getarnt als polnische Soldaten machen sich die Männer sogleich an die Arbeit, gemeinsam mit der Agentin Joanna Grey (Jean Marsh) und des irischen Freiheitskämpfers Liam Devlin (Donald Sutherland) ihren Plan umzusetzen. Doch der Plan droht bald schon zu scheitern …

Eine unmögliche Mission

Wenn in Filmen eine Heldentruppe auf eine quasi unmögliche Mission geschickt wird, darf sich das Publikum freuen. Denn das bedeutet normalerweise große Gefahren und Abenteuer, die eine oder andere sehr brisante Szene und am Ende das wohltuende Gefühl, der Wahrscheinlichkeit so richtig schön in den Hintern getreten zu haben. Nur ist Der Adler ist gelandet kein wirklich normaler Film. Dass die Mission hier nicht klappen wird, nicht klappen kann, das weiß man eigentlich von Anfang an. Eine Entführung von Churchill, die zu einem Friedenspakt zwischen England und Deutschen führt? Wer auch nur halbwegs im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, dem wird das komisch vorkommen.

Die zweite Sache, die dem Zuschauer oder der Zuschauerin sofort auffallen dürfte: Moment, die Helden sind Nazis? Das ist auch deshalb überraschend, weil es sich um einen britischen Film handelt, das Ensemble ausschließlich englischsprachig besetzt ist. Da liegt eine Würdigung des Feindes nicht unbedingt nahe. Wobei Der Adler ist gelandet da durchaus noch einmal zwischen guten und bösen Nazis unterscheidet. Bei den guten haben wir Michael Caine, der gleich zu Beginn eine Jüdin rettet und damit sagt: Schaut, wir können auch nett sein! Am anderen Ende gibt es aber auch ein paar richtig fiese Vertreter, darunter Robert Duvall ganz stilecht mit Augenklappe. Denn was bei Piraten die Bösen verdeutlicht, geht im Krieg genauso.

Ein Film zwischen den Genres

Das klingt jetzt alles eher nach Komödie als nach Kriegsfilm. Tatsächlich hat Der Adler ist gelandet so viele humorvolle Elemente, die fast schon als Satire durchgingen, dass man sich selbst nie ganz sicher ist, was das hier sein soll. Tatsächlich ist die Adaption eines Romans von Jack Higgins eine recht wilde Mischung aus Kriegsthriller und Abenteuer, hinzu kommen kleinere Spionageelemente, wenn der Trupp in England seiner Tätigkeit nachgeht. Man kann dem Film also nicht vorwerfen, dass er nichts zu bieten hat. Auch wenn in den zwei Stunden die eine oder andere Länge auftaucht, es passiert schon recht viel. Man weiß nur nicht so genau, was das am Ende ist, das hier herauskommt.

Das macht gleichzeitig  den Charme von Der Adler ist gelandet aus. Der letzte Film des großen Regisseurs John Sturges (Die glorreichen Sieben, Gesprengte Ketten) umschifft – trotz durchaus vorkommender Klischees – immer wieder die Erwartungen. Mal passiert das, was irgendwie immer passiert, nur damit es doch wieder anders kommt. Wenn zu Beginn des Films Admiral Canaris (Anthony Quayle) eine Machbarkeitsstudie der Mission in Auftrag gibt, in der festen Überzeugung, dass der Blödsinn dann ein Ende hat, dann geschieht das Gegenteil. Und auch sonst werden Pläne immer wieder durchkreuzt, sei es durch irrsinnige Zufälle oder aktive Mitwirkung der Figuren.

Promis an allen Fronten

Das macht auch dank des sehr prominenten Ensembles wegen Spaß. Neben den angesprochenen Schwergewichten Michael Caine und Donald Sutherland tummeln sich unter anderem Donald Pleasence und Larry Hagman im Geschehen, beide mit viel Freude an ihren überzogenen Figuren. Der Adler ist gelandet ist dabei schon irgendwie sinnlos, und das nicht nur aus historischer Komponente. Das einzige, was wir aus der Geschichte lernen: Pläne können auch mal so richtig danebengehen. Aber es hat eben schon einen Unterhaltungswert, wie hier alles entgleist und der Vogel eine richtige Bruchlandung erlebt.

Credits

OT: „The Eagle Has Landed“
Land: UK
Jahr: 2016
Regie: John Sturges
Drehbuch: Tom Mankiewicz
Vorlage: Jack Higgins
Musik: Lalo Schifrin
Kamera: Anthony B. Richmond
Besetzung: Michael Caine, Donald Sutherland, Robert Duvall, Tim Barlow, Jenny Agutter, Donald Pleasence, Anthony Quayle, Jean Marsh

Bilder

Trailer

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Der Adler ist gelandet
In „Der Adler ist gelandet“ wollen 16 deutsche Fallschirmjäger 1943 Churchill entführen, um damit den Verlauf des Kriegs zu ändern. Das Ergebnis ist eine irgendwie sinnlose, aber durchaus unterhaltsame Mischung aus Abenteuer, Krieg und Thriller, die mit diversen humorvollen Elementen und einem gut aufgelegten Promi-Ensemble in Erinnerung bleibt.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

  1. Martin Zopick

    VORSICHT SPOILER!

    Es ist nie passiert.
    Das ist der letzte Film von John Sturges aus dem Jahre 1976 und nicht sein schlechtester. Die Grundidee ist dem Roman von Jack Higgins entnommen und beinhaltet eine geplante Entführung bzw. ein Attentat auf Winston Churchill, um dem Krieg für Nazi-Deutschland in letzter Minute doch noch eine positive Wendung zu geben. Ein Trupp unter Lanzer-Legende Steiner (Michael Caine) soll das an der britischen Südost Küste durchführen.
    Es ist vom Anfang bis zum Ende ein brillanter Kriegsfilm: angefangen beim lyrischen Titel, der den erfolgreichen Abschluss des Unternehmens als verschlüsseltes Codewort verkündigen sollte, bis zum Doppelschlag im Finale. Eine Promi-Riege, u.a. viele deutsche Schauspieler sind im Einsatz: z.B. Joachim Hansen oder Siegfried Rauch. Auf der Gegenseite ähnelt Donald Pleasence auffallend Heinrich Himmler. Es entwickelt sich ein spannender Kriegsfilm, der seinen Spannungsaufbau aus der Tatsache bezieht, dass die Dörfler- inklusive Pfarrer (John Standing) – immer mehr über die Anwesenheit der Deutschen erfahren. Dazu kommen noch am Ende zwei faustdicke Überraschungen: erst als der mutmaßliche englische Premier Oberst Steiner (Michael Caine) gegenübersteht, erfährt der Zuschauer, wen Steiner da gerade vor der Flinte hatte. ‘Menschlich tragisch, er war ein tapferer Mann. Der Schauspieler heißt Leigh Dilley.‘ Und noch etwas ist bemerkenswert: ‘Dann hat das Ganze hier ja auch nie stattgefunden,‘ sagt ein anderer, der in der Nähe steht. Stimmt! Es diente nur unser aller Unterhaltung. Beide Feststellungen treffen genau ins Schwarze. Was für eine geniale Auflösung.
    Außerdem sehen wir hier noch zwei Frauen an der Heimatfront: Molly (Jenny Agutter) ist für die Liebe zuständig (Donald Sutherland von der IRA verdreht ihr den Kopf) und Mrs. Grey (Jean Marsh) ist für den Widerstand aktiv. Kleinere Unzulänglichkeiten sind obsolet, bei dieser soliden Unterhaltung.

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