Kritik

Deliver Us From Evil

„Deliver Us From Evil“ // Deutschland-Start: 5. Februar 2021 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich hatte sich In-nam (Jung-min Hwang) bereits entschieden, seinen Job aus Auftragskiller an den Nagel zu hängen, er hat genug vom Töten. Doch dann muss er doch noch einmal zur Waffe greifen, als er erfährt, dass die Tochter einer langjährigen Bekannten in Thailand entführt wurde. Dort angekommen, begibt er sich gleich auf die Suche nach den Tätern und dem kleinen Mädchen. Unterstützt wird er dabei von der Transfrau Yui (Jung-min Park), die ihm als Dolmetscherin dient und das Geld gut gebrauchen kann. Einfach wird die Aufgabe damit aber nicht. Nicht allein, dass er es bei der Suche mit Gangstern und korrupten Polizisten zu tun bekommt. Ihm ist auch noch Ray (Jung-jae Lee) auf den Fersen, der Bruder des Mannes, den In-nam bei seinem letzten Auftrag erledigt hat …

Das Böse für die Massen

Während 2020 weltweit die Kinos um ihr Überleben kämpften, gab es in Südkorea doch die eine oder andere Erfolgsgeschichte. Eine davon: Deliver Us From Evil. Mit über vier Millionen Besuchern und Besucherinnen war der Film um einen Auftragskiller, der ein kleines Mädchen befreien will, ein größerer Hit. In den Jahrescharts schnitt nur Das Attentat – The Man Standing Next noch etwas besser ab. So etwas macht im Vorfeld natürlich schon neugierig. Da trifft es sich doch gut, dass mit nur wenig Verspätung der Publikumsmagnet zumindest für das hiesige Heimkino bereitgestellt wird und man sich selbst ein Bild machen kann, was genau in Fernost die Massen in die Lichtspielhäuser lockte.

Die ganz großen Erwartungen sollte man an Deliver Us From Evil dann aber doch nicht stellen. Vielmehr handelt es sich dabei um einen recht typischen Vertreter der gerade in Südkorea so beliebten Mischung aus Action, Krimi und Thriller. Ungewöhnlich ist allenfalls, dass hier kein eindeutiger Held, etwa ein Polizist oder ein Agent, für Gerechtigkeit sorgen soll, sondern ein Auftragsmörder. Das ist natürlich schon ein wenig erklärungsbedürftig. Wie bei Honest Thief oder Lupin neulich braucht es da eine Form von Rechtfertigung, warum ein Verbrecher denn auf einmal der Gute sein soll. Dafür wählte Regisseur und Drehbuchautor Won-Chan Hong (Office) ein immer beliebtes Mittel: Er lässt den Verbrecher gegen noch viel schlimmere Verbrecher antreten und relativiert damit die Taten des Protagonisten. Wenn jemand ein kleines Mädchen entführt, sie tötet oder ihm andere Grausamkeiten antut, dann rechtfertig das schon mal den einen oder anderen Mord, so wird impliziert.

Viel Feind, wenig Ruhe

Wobei Hong dabei nicht mit einem klaren Gegenspieler arbeitet. Tatsächlich wimmelt es in Deliver Us From Evil von unangenehmen bis verabscheuungswürdigen Figuren, die ganz unabhängig voneinander furchtbare Dinge tun. Normalerweise würde man erwarten, dass die Geschichte in erster Linie davon handelt, wie In-nam die Entführer jagt. Das war dem Filmemacher aber nicht genug, weshalb er noch eine Reihe anderer Bösewichter ins Spiel brachte, allen voran Ray. Das ist als Idee irgendwie interessant. Er fügt damit noch eine zeitliche Komponente hinzu, wenn sich der Protagonist ständig beeilen muss, sein Ziel zu erreichen, bevor er selbst zum Opfer wird. Zudem funktioniert das Fernduell zwischen Jung-min Hwang (Battleship Island) und Jung-jae Lee (Svaha – The Sixth Finger) auch ganz gut.

Gleichzeitig ist es aber schon ein bisschen sehr offensichtlich, wie Deliver Us From Evil damit künstlich Hektik und Chaos schaffen will. Eine tatsächlich spannende Geschichte hat Hong hingegen nicht zu erzählen. Anstatt sich auch mal mit dem auseinanderzusetzen, was hier geschieht, gibt es plakativen over-the-top-Nonsens mit bösen Buben, die sich selbst alle wahnsinnig wichtig nehmen, ohne zu merken, dass sie nicht mehr als billige Karikaturen sind. Natürlich kann auch das Spaß machen. Hier beginnt das jedoch eher zu langweilen, zumal die Actionszenen nicht wirklich von dem mäßigen Inhalt ablenken. Auch sie setzen in erster Linie auf Tempo. Durch die Schnittgewitter geht dabei aber viel von der Wucht verloren, die ein solcher Kampf haben sollte. Mindestens ebenso irritierend sind die völlig überflüssigen Slow-Motion-Szenen, die wohl kunstvoll gemeint waren, aber dazu führen, dass das hier alles nichts Halbes und nichts Ganzes ist. Das ist schade um die grundsätzlich vielversprechende Konstellation sowie die schönen Bilder aus Thailand. Manche Erfolge muss man dann doch nicht verstehen.

Credits

OT: „Daman Akeseo Goohasoseo“
Land: Südkorea
Jahr: 2020
Regie: Won-Chan Hong
Drehbuch: Won-Chan Hong
Musik: Mowg
Kamera: Kyung-pyo Hong
Besetzung: Jung-min Hwang, Jung-jae Lee, Jung-min Park

Bilder

Trailer

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Deliver Us From Evil (2020)
Ein Auftragskiller will ein entführtes Mädchen befreien und wird dabei von einem anderen Auftragskiller verfolgt. Die Konstellation von „Deliver Us From Evil“ war vielversprechend. Am Ende enttäuscht der Film aber, indem er den eigenen Blödsinn zu ernst nimmt und bei den Actionszenen so viel herumspielt, dass jede Wucht verlorengeht.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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