Kritik

Battleship Island

„Battleship Island“ // Deutschland-Start: 26. November 2020 (DVD/Blu-ray)

1945 ist der Zweite Weltkrieg bereits fast vorbei. Doch für die 400 Koreaner, die von den Japanern auf die Insel Hashima verschleppt wurden, ist Freiheit ein weit entfernter Traum. Leute wie der Familienvater Kang-ok Lee (Jung-min Hwang), Unruhestifter Chil-sung Choi (Ji-sub So) und Moo-young Park (Joong-ki Song), Mitglied des koreanischen Widerstands, werden dort gezwungen, unter unmenschlichen Bedingungen in den Minen zu arbeiten, um die Kriegsmaschinerie am Laufen zu halten. Zwar gibt es immer wieder Versuche, sich gegen die Unterdrücker aufzulehnen, doch ohne Erfolg. Und selbst als Japan den Krieg verliert, endlich die Freiheit lockt, nimmt das Elend für die Menschen auf der Insel kein Ende …

Die vergessenen Kriegsopfer

Kriegsfilme erzählen oft vom Schlachtfeld, von nervenaufreibenden Kämpfen und großen Heldentaten, von den vielen Menschen, die dabei ihr Leben verlieren. Dabei braucht es gar nicht unbedingt Kanonen und Panzer, um die Geschichten von Kriegsopfern aufzuzeigen. Ebenso bitter können Filme sein, welche die Schicksale von Leuten aufzeigen, die im Hintergrund des Krieges agieren. Bei Battleship Island beispielsweise ist der Krieg zwar ständig präsent, in Dialogen wie auch als unausgesprochener Schatten, der über allem liegt. Abgesehen vom Schluss, wenn es dann doch hoch her geht, ist vom Krieg an sich aber nur wenig zu sehen.

Stattdessen steht hier im Mittelpunkt die titelgebende Insel, welche in der Nähe von Nagasaki liegt. Die ist nicht nur aufgrund ihres Aussehens berühmt, welche ihr den Spitznamen der Kriegsschiff-Insel gab. Sie ist auch ein beliebter Ausflugsort, da die verlassenen Ruinen rund um die ehemalige Kohlemine eine gespenstische Atmosphäre verbreiten. Dabei wird gerne mal verschwiegen, dass in den 1930ern und 40ern zahlreiche Koreaner, Chinesen und andere Asiaten dort unter widrigsten Bedingungen zur Arbeit gezwungen werden. Battleship Island erinnert an diese Zeiten, will diese Bedingungen nicht einfach nur ins Gedächtnis rufen, sondern auch auf eine Weise demonstrieren, dass man sie nie wieder vergisst.

Tatsächlich zelebriert Regisseur und Drehbuchautor Seung-wan Ryoo das Leid geradezu, wenn er zweieinhalb Stunden lang eine abscheuliche Szene nach der anderen zeigt. Da geht es um körperliche Gewalt, um unmenschliche Arbeit und Misshandlungen. Gerade auch das Schicksal von der von Su-an Kim (Train to Busan) gespielten Tochter von Kang-ok Lee wird sehr ausführlich ausgeführt. Die ist als junges Mädchen grundsätzlich immer in Gefahr, von den lüsternen Japanern sexuell ausgenutzt zu werden – die diversen erwachsenen Zwangsprostituierten sind dann doch irgendwann aufgebraucht. Das verfehlt seine Wirkung nicht, ist jedoch zuweilen selbst der Exploitation gefährlich nahe. Bei einem Film, der das Ausnutzen von Menschen anprangert, ist das schon irgendwie zynisch.

Wenig subtil, aber spannend

In Südkorea störte man sich daran nicht, rund 6,5 Millionen Zuschauer und Zuschauerinnen strömten 2017 in die Kinos und machten Battleship Island zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres. Die nationalistischen Untertöne, die es bei solchen Kriegsdramen praktisch immer gibt, dürften dabei nicht gestört haben. Wobei man Ryoo zugutehalten muss, dass er nicht einseitig alle Japaner zu Monstern und alle Koreaner zu Helden gemacht hat. Zumindest beim zweiten Punkt lieferte er ein paar Beispiele, wie sich die Gefangenen mit den Unterdrückern zusammentaten, des eigenen Vorteils wegen. Zwar gab es innerhalb der Schicksalsgemeinschaft schon auch Solidarität. Im Zweifel war man sich dann aber doch selbst am nächsten.

Das macht Battleship Island zu einem recht bitteren Film, der einen nicht unbedingt an das Gute im Menschen glauben lässt. Aber es verleiht dem 2017er Beitrag vom Koreanischen Filmfest Project K durchaus Spannung, da man sich eben nicht auf andere verlassen kann und dadurch nicht weiß, wie das alles ausgehen mag. Gerade zum Ende hin steigt der Nervenkitzel, hat man erst einmal den doch sehr langen Mittelteil überstanden, bei dem die allgemeine Situation auf der Insel im Vordergrund steht. Klar, Subtilität sollte man sich hiervon nicht versprechen. Der Film war als Spektakel konzipiert, bei dem ohrenbetäubender Krach die leisen Töne unter sich begräbt. Wer aber mal wieder in der Stimmung für ein historisches Kriegsdrama ist, für den ist das hier nicht zuletzt wegen des Settings doch einen Blick wert.

Credits

OT: „Gunhamdo“
Land: Südkorea
Jahr: 2017
Regie: Seung-wan Ryoo
Drehbuch: Seung-wan Ryoo
Musik: Jun-seok Bang
Kamera: Mo-gae Lee
Besetzung: Jung-min Hwang, Ji-seob So, Joong-ki Song, Jung-hyun Lee, Su-an Kim

Bilder

Trailer

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Battleship Island
„Battleship Island“ erinnert an die unrühmliche Zeit auf einer berühmten japanischen Insel, als Koreaner durch Zwangsarbeit die Kriegsmaschinerie am Laufen erhielt. Das ist nicht sonderlich subtil, sondern setzt mehr auf das Spektakel. Aber der Film ist doch zumindest phasenweise packend und eine bittere Geschichtsstunde über erlittenes Leid.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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