Inhalt / Kritik

„Das Portal – Die Reise durch die Zeit“ // Deutschland-Start: 12. Februar 2021 (DVD/Blu-ray)

Schlimmer hätte der Klassenausflug für Witja (Yury Kovaliov) wohl kaum ausfallen können. Erst macht ihn seine durch eine traumatische Erfahrung verursachte Höhenangst zum Gespött der anderen, dann schwebt sein bester Freund in Lebensgefahr. Und als wäre das alles nicht schon genug Aufregung für einen Tag, wird er durch ein plötzlich auftauchendes Tor geschluckt und findet sich plötzlich im Mittelalter wieder. Dort stößt er nicht nur auf den Kämpfer Oleshko (Roman Lutsky), sondern auch reihenweise finsterer Männer, die ihm alle spontan nach dem Leben trachten. Und das ist nur der Anfang, wird er doch schon kurze Zeit später in einen Kampf zwischen Gut und Böse hineingezogen, inklusive rätselhafter Steine, riesiger Monster und der süßen Olenka (Eva Kosheva) …

Eine ferne Welt ganz nah

Die Welt ist voller magischer Orte, man muss sie nur finden! Zumindest in Filmen wird immer wieder gern erzählt, wie der Protagonist oder die Protagonistin zufällig über eine Art Tor stolpert, die zu einem fremden, vielleicht bislang unsichtbaren Teil unser Welt führen. Das Tor kann mal ein verlassener Jahrmarkt sein (Chihiros Reise ins Zauberland), ein Backofen (Mayday) oder ein versteckter Bahnsteig (Harry Potter und der Stein der Weisen). Erlaubt ist so ziemlich alles, was irgendwie als Durchgang in das Reich der Fantasie genutzt werden kann. Oder man macht es eben wie bei Das Portal – Die Reise durch die Zeit, wo ein solches Tor schon mal spontan mitten im Nirgendwo entsteht.

Beim ukrainischen Film kommt aber noch hinzu, dass nicht nur eine Welt der Magie aus dem Nichts auftaucht. Der Protagonist reist zudem noch 900 Jahre zurück in die Vergangenheit, eine Zeit also, in der diese Magie offensichtlich noch existierte. Prinzipiell kann man beides natürlich miteinander verknüpfen, also Fantasyabenteuer und Zeitreise. Nur wird nie so wirklich klar, warum Das Portal – Die Reise durch die Zeit das nun genau tut. Zwar wird irgendwann verraten, dass Oleshko, der in seiner Zeitebene nicht so wahnsinnig erfolgreich ist, in den Legenden der Gegenwart ein Held ist. Das hätte durchaus das Potenzial gehabt, um beispielsweise Zeitparadoxien einzubauen oder etwas über die Natur des Geschichtenerzählens zu sagen. Doch das fällt flach, weshalb man den Aspekt der Zeitreise gleich ganz hätte bleiben lassen können.

Für das Gute und schöne Mädchen

Stattdessen hat Regisseur und Co-Autor Yury Kovaliov bei seinem Spielfilmdebüt ein recht klassisches Abenteuer auf die Beine gestellt. Da gibt es den bösen Gegenspieler, einen magischen Berater, der Fantasywesen befehligt, alte Prophezeiungen. Und ein Love Interest. Zwar ist Witja noch recht jung und bekommt vieles nicht so wirklich auf die Reihe. In ein schönes Mädchen verlieben, das geht aber schon, egal in welchem Jahrhundert. Immerhin darf die hier mal mehr sein als ein bezauberndes Prinzesschen, das vom großen Helden gerettet werden muss. Olenka will bei der Geschichte durchaus ein Wörtchen mitreden, selbst wenn sich Das Portal – Die Reise durch die Zeit das Damsel-in-Distress-Syndrom nicht völlig verkneifen kann.

Aber an den Inhalt sollte man ohnehin nicht die ganz großen Erwartungen hegen. Das gleich zu Beginn eingeführte Trauma von Witja wird beispielsweise einfach nur bis zum Schluss mitgeschleppt, ohne dass der Film wirklich etwas damit anfangen würde. Es gibt keine nennenswerte Entwicklung in ihm, die über ein wachsendes Selbstbewusstsein hinausgeht. Der etwas jüngeren Zielgruppe wird damit zwar mit auf den Weg gegeben, dass auch sie alles schaffen kann, solange sie nur an sich selbst glaubt. Das Portal – Die Reise durch die Zeit investiert selbst aber nicht allzu viel Zeit darin. Das Überleben gefährlicher Abenteuer muss an der Stelle reichen.

Stimmungsvolle Bilder

Während die simple Geschichte eher weniger Begeisterungsstürme entfacht, ist die Optik überraschend gelungen. Die Kämpfe unmittelbar nach dem Zeitsprung hätten sicherlich noch überzeugender umgesetzt werden können. Dafür sieht ein felsiges Monster, mit dem sich der Held später herumplagt, aber recht gut aus. Auch die farbliche Gestaltung und das eine oder andere ungewöhnliche Design tragen im weiteren Verlauf dazu bei, dass man sich die Bilder gut anschauen kann. In der Summe ist Das Portal – Die Reise durch die Zeit damit ein grundsolides Fantasyabenteuer, das seine Aufgaben ohne größere Patzer erledigt und das Zielpublikum beschäftigt. Besser als das „echte“ ukrainische Historienabenteuer König der Krieger ist das hier allemal.

Credits

OT: „Storozhova zastava“
IT: „The Stronghold“
Land: Ukraine
Jahr: 2017
Regie: Yury Kovaliov
Drehbuch: Yury Kovaliov, Sashko Dermansky, Yaroslav Voytseshek
Vorlage: Volodymyr Rutkivsky
Musik: Joe Wong
Kamera: Yury Korol
Besetzung: Danyil Kamensky, Eva Kosheva, Roman Lutsky, Oleg Voloshchenko, Georgiy Dereviansky, Slava Karsaovska

Bilder

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Das Portal – Die Reise durch die Zeit
In „Das Portal – Die Reise durch die Zeit“ wird ein Jugendlicher durch ein Zeitportal gesogen und muss nun 900 Jahre zurückgesetzt gegen mächtige Feinde bestehen. Das Fantasyabenteuer macht leider kaum etwas aus der Zeitreisethematik, investiert beim Protagonisten insgesamt zu wenig. Solide ist der Film am Ende aber schon, woran die stellenweise überraschend stimmige Optik ihren Anteil hat.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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