Kritik

Die Spur der Mörder

„Die Spur der Mörder“ // Deutschland-Start: 18. Oktober 2019 (Arte)

Es ist ein grausiger Anblick, der sich Kommissar Ingo Thiel (Heino Ferch) und seinem Team da bietet: Vor einem italienischen Restaurant in Mönchengladbach wurden fünf Männer ermordet, erschossen im eigenen Auto. Schnell führt die Spur in Richtung der kalabrischen Mafia, handelt es sich beim getöteten Wirt doch um den Sohn eines untergetauchten Clan-Bosses. Dafür tauchen andere Fragen auf: Warum war der Wagen verwanzt? Thiel erhält bei dem Fall Unterstützung durch die italienische Spezialermittlerin Carla Orlando (Verena Altenberger) von Interpol, die eine eigene Beziehung zu der Mafia hat, wurde ihr Vater doch einst von dieser umgebracht. Doch obwohl beide ein ähnliches Ziel verfolgen, kommt es immer wieder zu Konflikten …

Die Wahrheit, Teil zwei

Was erfolgreich ist, das wird fortgesetzt – das gilt für nahezu alle Bereiche der Unterhaltungsindustrie. Vor allem im Kino und im Fernsehen sind Nachfolger beliebter Stoffe fest etabliert. Und doch ist Die Spur der Mörder in der Hinsicht etwas ungewöhnlich, schließlich handelte es sich bei dem Vorgänger Ein Kind wird gesucht um einen Krimi, der einen wahren Fall nachstellte. Und solche bekommen normalerweise keinen zweiten Teil. Dafür wusste man sich anderweitig zu helfen und nahm einfach einen anderen realen Kriminalfall als Vorlage. Der wurde dann zwar von Duisburg nach Mönchengladbach verlegt, auch sonst nahm man sich diverse Freiheiten heraus. Aber zumindest konnte man das Konzept so weiterführen.

Gleich geblieben ist zudem der Anspruch, möglichst sachlich und nüchtern an die Sache zu gehen. Ein Kind wird gesucht fiel seinerzeit dadurch auf, dass trotz des hochemotionalen Themas der Film auf Distanz blieb. Das gilt bei Die Spur der Mörder genauso. Zwischendurch wird es mal etwas lauter, wenn der deutsche Ermittler und seine italienische Kollegin aneinandergeraten – von den diversen italienischen Verdächtigen ganz zu schweigen. Abgesehen von der Szene, wenn Orlando über den gewaltsamen Tod ihres Vaters spricht, wird es aber so gut wie nie persönlich. Hier soll in erster Linie ein Fall geklärt und die Mörder geschnappt werden, mehr nicht.

Nüchtern und unpersönlich

Das wird manchen gefallen, als unaufgeregte Alternative zu den mitunter manipulativen Krimikollegen, die man sonst so im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu Gesicht bekommt. Andere könnten sich daran stören, dass da irgendwo die menschliche Note fehlt, dass sich der Film zu sehr an einem Dokumentarfilm orientiert, anstatt auf die Bedürfnisse nach Unterhaltung zu reagieren. Tatsächlich hat Die Spur der Mörder im Vergleich zu Tatort: In der Familie da das Nachsehen, ein weiterer TV-Krimi über Mafiaaktivitäten in Nordrhein-Westfalen. Dort waren Tote nicht einfach nur Aktennotizen. Vielmehr zeigte man auf, was es für die Menschen bedeutet, die in diesem Milieu unterwegs sind, zeigte eine fatalistische Tragik, wenn es keinen Ausweg mehr gab.

Zum Teil findet das auch hier statt, wenn der Fokus auf Clan-Kriegen und den vielen Opfern liegt, welche diese Auseinandersetzungen bereits gefordert haben. Man bekommt aber weniger Zutritt zu dieser Parallelwelt, sie bleibt einem fremd. Wer diesen gar nicht braucht, sich mehr für das Thema interessiert als Phänomen, weniger als individuelles Schicksal, der findet hier aber schon einiges, wofür es sich einzuschalten lohnt. Heino Ferch tritt mal wieder als harter Knochen auf, der so gar nicht mit sich spaßen lässt. Im Gegenzug kommt durch die leichten Culture-Clash-Momente der grenzüberschreitenden Ermittlung etwas Feuer in die spröde Veranstaltung. Spannende Momente gibt es ohnehin bei der Jagd, die sich mehr und mehr in einen Thriller verwandelt, es also nicht darum geht, wer verantwortlich ist, sondern wie dieser noch gestoppt werden kann.

Credits

OT: „Die Spur der Mörder“
Land: Deutschland
Jahr: 2019
Regie: Urs Egger
Drehbuch: Fred Breinersdorfer, Katja Röder
Musik: Ina Siefert, Nellis Du Biel
Kamera: Lukas Strebel
Besetzung: Heino Ferch, Ronald Kukulies, Verena Altenberger, Joachim Król, Marie-Lou Sellem, Antonio Putignano, Stefano Viali, Enzo Salomone, Riccardo Ferreira, Moritz Führmann

Bilder

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Die Spur der Mörder
Basierend auf einem wahren Fall erzählt „Die Spur der Mörder“ von Mafia-Kriegen, deren Auswirkungen bis nach Deutschland reichen. Das ist distanziert und nüchtern erzählt, interessiert sich wenig für die menschliche Komponente. Wer diese nicht braucht, findet hier aber eine leidlich spannende Mischung aus Krimi und Thriller.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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