Kritik

Trauma Center

„Trauma Center“ // Deutschland-Start: 10. Dezember 2020 (DVD/Blu-ray)

Madison (Nicky Whelan) hat einfach kein Glück. Erst stirbt ihre Mutter, womit sie nur schlecht klarkommt. Dann hat ihre kleine Schwester Emily (Catherine Davis), für die sie jetzt verantwortlich ist, einen Asthmaanfall und muss dringend ins Krankenhaus. Und dann wird sie auch noch Zeugin, wie jemand ermordet wird, sie selbst wird von einer Kugel getroffen und muss nun ebenfalls medizinisch versorgt werden. Doch es kommt noch schlimmer. Denn während sie dem ermittelnden Detective Steve Wakes (Bruce Willis) Rede und Antwort steht, dessen Kollege bei eben jenem Mord das Opfer war, machen sich die beiden Täter (Texas BattleTito Ortiz) auf die Suche nach Madison, ist die Kugel in ihrem Bein doch ein Beweis dafür, dass der Schuldige aus den Reihen der Polizei kommt …

Was genau machen wir hier?
Wenn es um die Wahl eines geeigneten Schauplatzes für einen Actionfilm geht, dann stehen Krankenhäuser nicht unbedingt auf dem ersten Platz. Nicht nur, dass sie eigentlich als Orte dienen, in denen Leben gerettet, nicht genommen wird. Sie sind zudem in der Regel überfüllt, so vollgestopft mit Menschen, dass dort kaum Raum ist für Verfolgungsjagden oder ausgedehnte Kampfszenen. Dafür sind sie aufgrund ihrer weitläufigen, teils verwinkelten Architektur prima für Versteckspiele. Wenn in Trauma Center also zwei korrupte Polizisten eine verletzte Frau zu finden versuchen, die sich irgendwo im Gebäude aufhält, dann hätte man aus dem Setting vermutlich tatsächlich etwas machen können.

Wollte man aber nicht. So wie man aus vielem nicht wirklich etwas machen wollte – oder konnte –, was einem hier zur Verfügung steht. Wenn der Schauplatz beispielsweise nach Puerto Rico verlegt wurde, wohin die Schwestern nach dem Tod der Mutter ziehen, dann sorgt das anfangs für ungewohnte Bilder in dem Genre. Die werden jedoch, sobald mal im Krankenhaus angekommen, nicht mehr gebracht. Vermutlich drehte man auf der Insel, weil das billiger ist als auf dem Festland der USA. Danach finden die Aufnahmen in Trauma Center nur noch im Krankenhaus statt, weil das noch billiger ist. Man brauchte schließlich das Geld, um Bruce Willis für seine Nebenrolle bezahlen zu können, plus ein bisschen für einen Gastauftritt von Steve Guttenberg, der so willkürlich ist wie das Drumherum.

Die Existenz der Schwester ist ebenso überflüssig. Zwar hat Drehbuchdebütant Paul Da Silva versucht, dort für ein bisschen Dramatik zu sorgen, durch den Tod der Mutter und die offensichtliche Entfremdung der Schwestern. Man hätte den Part aber auch ohne größere Folgen komplett streichen können, da überhaupt nicht der Raum für Entfaltung geboten wird. Wenn Emily irgendwann zu einem Druckmittel reduziert wird, dann geht das eben nicht mit der geforderten emotionalen Resonanz einher, sondern ist nur eine Möglichkeit, das Versteckspiel zu beenden, ohne sich inhaltlich Mühe geben zu müssen. Bei den Figuren hat man das ohnehin nicht getan, weder auf der guten, noch der bösen Seite. Da gibt es im besten Fall Stereotype. Oft nicht mal das.

Weniger ist weniger
Wobei zumindest Nicky Whelan (Tragedy Girls)  als verletzte Verfolgte noch einigermaßen versucht, etwas aus dem ihr zur Verfügung gestellten Material herauszuholen. Bei Willis lässt sich das kaum behaupten, der wie so oft in den letzten Jahren wie jemand wirkt, der an seinem Arbeitsplatz ständig auf die Uhr schaut, wann er denn endlich weg darf und Bier trinken. Man sollte ja meinen, dass diese kleinen Nebenrollen – mehr als das ist das in Trauma Center nicht, auch wenn das Cover etwas anderes verspricht – zumindest etwas Einsatz wert wären, wenn es schon nicht lange dauert. Offensichtlich nicht. Immerhin: Da die Auftritte so kurz sind, stören sie auch nicht weiter, irreführende Werbung kann schon etwas Gutes haben.

Ansonsten fällt es schwer, etwas tatsächlich Gutes über Trauma Center zu sagen. Regisseur Matt Eskandari, der mit Survive the Night einen ähnlich lustlosen Actionthriller mit Bruce Willis abgeliefert hat, verpasst es, aus dem Ensemble und dem Ort etwas herauszuholen, auch bei den Actionszenen wurde schneller „cut“ gesagt, als es ihnen gut tat. Das macht den Film zwar trotz allem nicht zu einer Katastrophe. Wer gar nicht mehr erwartet als einen ambitionslosen B-Movie, der kann sich schon hiermit die Zeit vertreiben, zumal der Film gnädigerweise nur rund 80 Minuten dauert. Eigene und bessere Argumente, warum man sich das anschauen sollte, bleibt das hier aber schuldig.

Credits

OT: „Trauma Center“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Matt Eskandari
Drehbuch: Paul Da Silva
Musik: Nima Fakhrara
Kamera: Bryan Koss
Besetzung: Nicky Whelan, Bruce Willis, Texas Battle, Tito Ortiz, Catherine Davis

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Trauma Center
In „Trauma Center“ wird eine Frau von zwei korrupten Polizisten angeschossen und anschließend in einem Krankenhaus verfolgt. Aus dem Setting hätte man sicher etwas machen können. Der Actionthriller begnügt sich hier wie auch bei den Figuren aber nur mit dem absoluten Minimum, weshalb das maximal für ein anspruchsloses B-Movie-Publikum einen Blick wert ist. Der Rest wird bald so gelangweilt sein wie Bruce Willis, der nicht mal für seine Nebenrolle genug Enthusiasmus vorgaukeln möchte.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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