Kritik

Survive the Night

„Survive the Night“ // Deutschland-Start: 3. Dezember 2020 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich hätte es nur ein ganz einfacher Raubüberfall werden sollen, so war es zumindest gedacht. Doch dann eskaliert die Situation, es kommt zu mehreren Toten, nachdem Jamie (Shea Buckner) die Leute bedroht, sein Bruder Mathias (Tyler Jon Olson) wird dabei schwer verletzt. Und so beschließen sie in ihrer Not, dem Unfallarzt Rich (Chad Michael Murray) bis zu ihm nach Hause zu folgen und ihn zu zwingen, den Verletzten zu versorgen. Der versucht auch sein Mögliches, allein schon um seine Familie zu schützen, die ebenfalls gefangen gehalten wird. Dabei haben sie aber die Rechnung ohne dessen Vater Frank (Bruce Willis) gemacht, einem ehemaligen Sheriff, der nicht vor hat, einfach nur eine brave Geisel zu sein und den Eindringlingen in seinem eigenen Zuhause das Feld zu überlassen …

Ein ehemaliger Star auf Abwegen
Wenn ehemals angesagte Schauspieler in die Jahre kommen, dann landen sie oft auf dem Action-Abstellgleis im B-Movie-Segment, wo man mit großen Namen ein wenig informiertes Publikum anzuziehen versucht. Bruce Willis ist dort mittlerweile zum Dauergast geworden, dreht andauernd irgendwelche Streifen, bei denen das größte Budget offensichtlich für sein Engagement ausgegeben wurde, obwohl er eigentlich nicht viel tun muss. Ausnahmen gibt es zwar hin und wieder, wenn er bei einem seiner alten Buddys noch mal unterkommt. Ein Großteil macht aber Werke wie 10 Minutes Gone aus, die ihn groß auf dem Artwork zeigen, obwohl er nur einige Minuten unbeteiligt im Hintergrund steht.

Die gute Nachricht bei Survive the Night ist, dass er hier tatsächlich mal wieder etwas zu tun bekommt. Genauer obliegt es ihm, als missgelaunter Ex-Sheriff wahlweise Beschimpfungen oder Kugel rauszuhauen. Die Rolle steht ihm gut, man nimmt dem Schauspieler, der vor über 30 Jahren mit Stirb langsam zu einem „echten“ Action-Helden wurde, ab, dass er eigentlich überhaupt keinen Bock auf den gesamten Trubel da hat und alle über den Haufen schießen will. Das Ergebnis ist zwar weniger heldenhaft als vielmehr fahrlässig, wenn es dem reaktionären Rentner offensichtlich nicht ganz so um die Sicherheit der Familie geht, er stattdessen einfach nur seinen Status als Alpha-Männchen in Gefahr sieht.

Daraus hätte man natürlich einen Film über toxische Männlichkeit machen können, das gestörte Verhältnis zwischen Vater und Sohn – Letzterer ist nach einer Reihe von Vorfällen im Krankenhaus als Verlierer gebrandmarkt – hätte das auf jeden Fall hergegeben. So richtig Lust hatte Drehbuchautor Doug Wolfe, der hier das erste Mal in Erscheinung tritt, aber nicht. Zwar entwirft er in Survive the Night das Bild einer entfremdeten Familie, in der kaum einer mehr mit dem anderen kann. An der Stelle enden aber auch schon seine künstlerischen Ambitionen. Über die meisten Familienmitglieder erfährt man nichts, gleiches gilt für die beiden Verbrecher. Die wohlwollend ausgedrückt schlichten Dialoge geben das einfach nicht her.

Hier gibt es wenig zu sehen
Prinzipiell ist das nicht zwingend notwendig, auch wenn es bei dem Setup rund um die Familie, die jetzt eng aufeinander hockt, irgendwie naheliegend gewesen wäre. Das Zielpublikum solcher Filme will einfach nur ein bisschen Spannung, wenn es zu einer Art Showdown zwischen den Guten und den Bösen kommt. Aber auch in der Hinsicht ist Survive the Night ein eher zu vernachlässigendes Werk. Die meisten Szenen sind so sehr im Dunkeln gehalten, dass man nicht wirklich viel sieht. Dafür hält Regisseur Matt Eskandari bei den Wunden besonders nah und lange drauf, was den Ekelfaktor erhöht, jedoch weniger den Nervenkitzel. Gegen Ende hin werden dann schon noch ein paar Geschütze mehr aufgefahren, sogar für eine Verfolgungsjagd ist dann noch Platz.

Mehr als einen mäßigen B-Movie sollte man dennoch nicht erwarten, da fehlen Eskandari die filmischen Mittel: Survive the Night wird weder zum Bombastkino, noch macht er genug aus dem intimen, beklemmenden Setting. Das Gefühl, wenn dein eigenes Zuhause nicht mehr sicher ist, gehört eigentlich zu den erschreckendsten, die ein Film erzeugen kann. Hier gibt es im Zweifel dann aber lieber eine grobe Beschimpfung oder stumpfe Gewalt. Ansehen kann man sich das, man bekommt so ziemlich genau das, was man von einem derartigen Film erwarten kann. Aber eben nicht mehr.

Credits

OT: „Survive the Night“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Matt Eskandari
Drehbuch: Doug Wolfe
Musik: Nima Fakhrara
Kamera: Bryan Koss
Besetzung: Chad Michael Murray, Bruce Willis, Shea Buckner, Tyler Jon Olson, Lydia Hull, Jessica Abrams

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Survive the Night
In „Survive the Night“ nehmen zwei Brüder einen Arzt und dessen Familie als Geisel, dessen Vater will dem nicht tatenlos zusehen. Der Film hat eigentlich schon Potenzial aufgrund des Settings und der Familiendynamik, ist am Ende aber sowohl inszenatorisch wie inhaltlich zu genügsam, um mehr als B-Movie-Ware zu sein.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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