Kritik

Once Again Eine Liebe in Mumbai DVD

„Once Again – Eine Liebe in Mumbai“ // Deutschland-Start: 16. Mai 2019 (Kino) // 25. November 2019 (DVD)

Amar Kumar (Neeraj Kabi) ist einer der bekanntesten Filmstars in seiner Heimat Indien. Jedoch sieht es privat beim ihm ganz anders aus, lebt er doch getrennt von seiner Frau und versucht mit diversen Geschenken die Trauer und Enttäuschung seiner Tochter über die Trennung zu nehmen, was allerdings scheitert. Die einzige Person, der er seine Gefühle mitteilt sowie seine Ideen zu Filmen oder Rollen, ist Tara (Shafali Shah), eine Köchin, die zusammen mit ihrem Sohn ein kleines Restaurant leitet und Amar wie auch andere Kunden mehrmals pro Woche mit selbstgemachtem Essen beliefert. Über die Jahre hinweg haben sie und Amar immer wieder übers Telefon miteinander gesprochen und sind sich mittlerweile sehr vertraut. Die einzige weitere Verbindung der beiden besteht über Dev (Priyanshu Painyuli), Taras Sohn, der immer pünktlich Amar das Essen bringt und mit ihm ein paar Worte wechselt. In letzter Zeit plagen sowohl Amar wie auch Tara viele Sorgen, denn während Amars neueste Rolle in einem Bollywood-Musical ihn vor neue Herausforderungen stellt, hat Tara finanzielle Sorgen. Wie immer teilen die beiden sich ihre Sorgen über Telefon mit, doch Amar ist dies nicht mehr genug, drängt er doch schon seit ein paar Wochen auf ein richtiges Treffen. Schließlich nimmt Amar seinen Mut zusammen und macht den ersten Schritt, doch der erhofften Romanze zwischen den beiden stehen viele Hindernisse im Weg.

Liebe in einer Metropole

Aufgrund seiner indischen Wurzeln zieht es den in Deutschland lebenden Regisseur Kanwai Sethi für seine Filmprojekte immer wieder in seine Heimat zurück, wie beispielsweise für seinen Roadmovie Fernes Land. Once Again – Eine Liebe in Mumbai bildet keine Ausnahme und zeigt die indische Kultur und Lebensweise nicht als eine bloße Kulisse, sondern als integralen Bestandteil der Handlung, die bisweilen den Vergleich zu den populären Bollywood-Produktionen Indiens aufweist. Vor allem aber geht es Sethi, wie er in einem Statement zum Film beschreibt, um die Kommunikation zwischen Menschen, die zwar durch moderne Technologie einfacher geworden ist, aber es dennoch gerade in solchen Metropolen wie Mumbai viele einsame, in Isolation lebende Menschen gibt.

Konsequenterweise nimmt die Stadt Mumbai mit all ihren Facetten in gewisser Weise den Status der dritten Hauptfigur ein, sind diese doch wichtiger Teil der Geschichte. Immer wieder zeigt die Kamera die Stadt und ihre unterschiedlichen Gesichter, bei Tag und bei Nacht, die Welt der High Society wie auch die einfachen Geschäfte, die Märkte, die Restaurants wie auch die vielen verzweigten Straßen. Das Bild Taras oder Amars wie sie mit dem Rücken zur Kamera auf die Skyline Mumbais betont ihren Bezug zu der Metropole, ihren Zwiespalt zu dem urbanen Labyrinth, welches so viele Möglichkeiten offeriert, aber sie dann am Ende des Tages doch wieder in die Einsamkeit des luxuriösen Apartments oder der kleinen Wohnung entlässt.

Dennoch gibt es diese kleinen Berührungspunkte zwischen Menschen, über Technologie oder, noch viel wichtiger, über das Essen. Wie schon Ritesh Batra in seinem Film Lunchbox zeigte, sind es die Lunchpakete und die Dabbawalas, die Zusteller der Gerichte, die eine wichtige Verbindung schaffen und das Fundament für eine Kommunikation, eine Vertrautheit und die Möglichkeit eines Auswegs aus der Einsamkeit. Es ist eine neue Art der Romantik, die konträr zu jener der Bollywood-Filme steht, von denen Amar so viele gemacht hat, welche aber mit einer nicht unerheblichen Hürde verknüpft ist, kann nämlich die Begegnung im wahren Leben das Ende der so geschätzten Beziehung bedeuten.

Immer nur ein Geist

Bei seiner Veröffentlichung im Jahre 2018 wurde Kanwai Sethis Film mit viel Kritikerlob gesegnet, was nicht zuletzt den beiden Hauptdarsteller*innen geschuldet ist. Neben der glaubhaften Chemie zwischen den beiden, spielen Shefali Shah und Neeraj Kabi Repräsentanten zweier Extreme innerhalb der Bevölkerung Indiens, der Mittelschicht und der Oberschicht, deren Sphären normalerweise kaum Berührungspunkte haben. Jedoch bildet ihre Form der Freiheit, der Wohlstand auf der einen Seite und die Unabhängigkeit auf der anderen, keine emotionale Befriedigung, sondern verdammt sie auf den Status eines Geistes, wie es sehr dramatisch an einer Stelle heißt.

So kommt Kanwai Sethi am Ende doch auf die Märchenhaftigkeit so vieler Bollywood-Produktionen zurück, deren Happy End zwar gewollt erscheinen mag, dessen Wahrheit wir uns dennoch wünschen für die Figuren und für uns selbst. „Die Stadt ist voller magischer Momente“ , sagt Amar an einer Steller und benutzt eine Formulierung, die er noch bis vor kurzem verachtete, womit er nicht nur eine Veränderung in sich, sondern auch den Glauben an dieses Happy End für sich unterstreicht.

Credits

OT: „Once Again“
Land: Indien, Deutschland, Österreich
Jahr: 2018
Regie: Kanwai Sethi
Drehbuch: Kanwai Sethi
Musik: Talvin Singh
Kamera: Conrad Lobst, Eeshit Narain
Besetzung: Shefali Shah, Neeraj Kabi, Rasika Dugal, Bhagwan Tiwari, Bidita Bag, Priyanshu Painyuli

Bilder

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Once Again – Eine Liebe in Mumbai
„Once Again – Eine Liebe in Mumbai“ ist ein romantisches Drama, welches zum einen von seinem tollen Ensemble lebt sowie seiner Ästhetik, allen voran dem Bild der Stadt Mumbai. Kanwai Sethi gelingt ein modernes Großstadtmärchen voll großer Gefühle sowie vieler Verweise auf die Lebensrealität seiner Heimat.
8von 10

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