Kritik

The Doorman Tödlicher Empfang

„The Doorman – Tödlicher Empfang“ // Deutschland-Start: 27. November 2020 (DVD/Blu-ray)

Früher arbeitete Ali Gorski (Ruby Rose) als Soldatin, nahm dabei auch die gefährlichsten Aufträge an. Als einer davon jedoch in einer Katastrophe endet, quittiert sie den Dienst, in der Hoffnung, dieses Leben und die Erinnerungen daran für immer hinter sich lassen zu können. Auf Vermittlung ihres Onkels erhält sie die Stelle des Pförtners in einem alten Apartmentkomplex, das derzeit völlig leer steht. Einer der wenigen, die dort noch leben, stellt sich zu ihrer Überraschung als Jon Stanton (Rupert Evans) heraus, der Ehemann ihrer verstorbenen Schwester, zu dem sie schon länger keinen Kontakt mehr hat und der dort noch einige Tage mit seinen Kindern Max (Julian Feder) und Lily (Kíla Lord Cassidy) verbringt. Die Wiedersehensfreude währt jedoch nicht lang, denn mithilfe von Alis Boss Borz (Aksel Hennie) hat sich der skrupellose Kunsthändler Victor Dubois (Jean Reno) Zutritt zum Haus verschafft. Sein Ziel: wertvolle Gemälde, die darin versteckt sein sollen und die er um jeden Preis haben will …

Mehr als 30 Jahre ist Stirb langsam inzwischen alt. Während Bruce Willis, der damit zum Actionstar aufgestiegen war, inzwischen Stammgast in billigen B-Movies geworden ist und nicht mehr so wirklich viel Hollywood-Flair verströmt, ist der Film selbst ein absoluter Klassiker, der bis heute als Blaupause für viele Regisseure dient. Und auch Ryûhei Kitamura, der ursprünglich mit Horrorfilmen zu Ruhm kam und zuletzt so unterschiedliche Titel wie Lupin III – Der Meisterdieb und Downrange – Die Zielscheibe bist du gedreht hat, ließ sich bei seinem neuesten Werk ganz eindeutig von dem Vorbild inspirieren. Erneut nimmt es hier eine Einzelperson mit einer ganzen Truppe schwer bewaffneter Verbrecher auf, kämpft sich mit ihnen durch die Stockwerke eines großen Gebäudes.

Eine Frau allein gegen die Männer
Um eine reine Kopie handelt es sich bei The Doorman – Tödlicher Empfang jedoch nicht. Dass hier eine Frau zur Allzweckwaffe wird, ist dabei eine der weniger relevanten Änderungen. Abgesehen von einem beiläufigen Kommentar, dass eine Frau wohl kaum ein Doorman sein könne, spielt ihr Geschlecht keine Rolle. Aus dem Tresor, der geplündert werden sollte, werden hier alte Gemälde, die seit Jahrzehnten schon im Haus versteckt sein sollen. Warum Dubois mehrere Jahrzehnte wartete, um an die Schätze zu kommen, wird dabei nie wirklich klar. Aber nachdenken, soviel vorab, sollte man hier nicht. Wer auch nur ansatzweise versucht, seinen Gehirn hier anzuschalten, wird bald ziemliche Schmerzen darin bemerken.

Natürlich müssen Actionfilme nicht intelligent sein, brauchen keine ausgefeilten Dialoge, welche die Welt sezieren und uns neue Erkenntnisse ermöglichen. Aber selbst mit den genrebedingt niedrigeren Erwartungen, die man The Doorman – Tödlicher Empfang gegenüber hat, ist das Ergebnis von einer verblüffenden Dummheit. Schlimmer noch, es ist eine Dummheit, die sich für intelligent hält. Beispielsweise wird immer wieder das Thema Kunst angesprochen, selbst inmitten der Geiselnahme wird darüber gefachsimpelt. Mit der Handlung hat das Ganze aber so gar nichts zu tun, diese Einwürfe kommen immer völlig willkürlich, fügen sich selbst zu keinem stimmigen Bild zusammen.

Ein wilder Mix unsinniger Einfälle
Während man das aufgrund der wiederkehrenden noch als Running Gag auffassen könnte, sind andere Einfälle völlig bizarr. Da werden beispielsweise mitten im Kampf Sternzeichen ausgetauscht, zwecks Überprüfung gegenseitiger Komptabilität. Die Hintergrundgeschichte um eine polnische Soldatin, die ihren britischen Schwager in einem Apartmenthaus in New York City wiedertrifft, ist gelinde gesagt konstruiert. Sie ist zudem ebenso überflüssig wie das Motiv der posttraumatischen Störung von Ali, welche das Drehbuchteam dann und wann aus dem Ärmel zieht. Immer wieder hat man bei The Doorman – Tödlicher Empfang das Gefühl, dass der Film eigentlich eine Parodie sein sollte, auf all die schlampig zusammengeschriebenen Kollegen. Ist aber leider nicht so: Die Komik des Thrillers ist unfreiwillig, die im vollen Ernst vorgetragenen Unsinn, der wild zusammengepuzzelt wurde.

„Echten“ Spaß macht The Doorman – Tödlicher Empfang nur, wenn die vorgeschobene Tiefgründigkeit mal beiseitegeschoben wird und tatsächlich mal Action angesagt ist. Das ist dann zwar immer noch over the top, da hier anders als bei Stirb langsam eine Kampfkoryphäe auftritt. Die Szenen sind zudem ein bisschen hektisch geschnitten. Aber man darf doch dankbar dafür sein, wenn Ruby Rose (John Wick: Kapitel 2) und ihre Kollegen sich auf die jeweiligen vorzeigbaren Kampfkünste verlassen und einfach mal die Klappe halten, zumal das altehrwürdige verstaubte Wohnhaus doch eine schöne Kulisse abgibt. Schöner wäre es nur, man hätte sich darauf konzentriert, anstatt mit dem komplett vermurksten Inhalt regelmäßig die Luft aus diesem aufgeblasenen Thriller zu lassen.

Credits

OT: „The Doorman“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Ryûhei Kitamura
Drehbuch: Lior Chefetz, Joe Swanson
Musik: Aldo Shllaku
Kamera: Matthias Schubert
Besetzung: Ruby Rose, Jean Reno, Rupert Evans, Aksel Hennie, Julian Feder, Kíla Lord Cassidy

Bilder

Trailer

Kaufen/Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

The Doorman – Tödlicher Empfang
In „The Doorman – Tödlicher Empfang“ muss eine Ex-Soldatin, die jetzt als Pförtnerin arbeitet, gegen skrupellose Verbrecher kämpfen. Das Setting ist schön, die Actionszenen brauchbar. Der Inhalt ist jedoch selbst innerhalb dieses Genres unfassbar dämlich, wenn bizarre Einfälle und aufgeblasene Dialoge den Thriller zu einer unfreiwillig komischen Nullnummer machen.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Hinterlasse eine Antwort