(„John Wick: Chapter 2“ directed by Chad Stahelski, 2017)

Oliver Armknecht

„John Wick: Kapitel 2“ läuft ab 16. Februar 2017 im Kino

Eigentlich war für den früheren Auftragskiller John Wick (Keanu Reeves) ja alles geregelt: Der Mord an seinem Hund war gerächt, sein gestohlenes Auto hat er auch wieder. Sehr viel ruhiger wurde sein Leben dadurch aber nicht. Denn nun ist es der Gangsterboss Santino D’Antonio (Riccardo Scamarcio), der sich bei ihm meldet und eine alte Schuld einfordert. Und so bleibt Wick nichts anderes übrig, als doch noch einmal sein eingemottetes Waffenarsenal auszugraben und seine mörderischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Doch damit fängt der eigentliche Ärger erst an: Cassian (Common), der Bodyguard seiner Zielperson, heftet sich anschließend ebenso an seine Fersen wie Ares (Ruby Rose) und Dutzende weiterer Killer. Denn nun wurde der Jäger zum Freiwild erklärt.

Etwas mehr als zwei Jahre ist es nun her, dass Keanu Reeves mit John Wick ein etwas unerwartetes Action-Comeback landete. Nicht nur, dass der 50-Jährige in den sehr physischen Kämpfen eine ausgesprochen gute Figur abgab – im Gegensatz zu seinem Regiedebüt Man of Tai Chi –, auch die ungemein stylische Inszenierung und der humorvoll überhöhte Racheplot machten eine Menge Spaß. Und so entzückte der zuvor in Flops badende Mime die Kritiker, vor allem aber das Publikum, welches den Reißer zu einem beachtlichen Erfolg werden ließ. Lange dauerte es dann auch nicht, bis ein zweiter Teil angekündigt wurde, der die Abenteuer des Killers wider Willen fortsetzt.

Was hat sich bei John Wick: Kapitel 2 nun geändert im Vergleich zum Erstling? Auf den ersten Blick nicht viel. Eigentlich wurde so vieles vom Vorgänger ohne große Änderungen übernommen, dass der zweite Auftritt von Wick fast schon überflüssig ist. Zwei Punkte sind es dann aber doch, die den Nachfolger in eine etwas andere Richtung schieben – mit besseren und schlechteren Ergebnissen. Sehr bedauerlich ist, dass der komplett unsinnige Anlass für den Racheplot in John Wick – Hundemord und Autoklau – einer sehr viel konventionelleren und ebenso dünnen Geschichte weichen musste. War die erste Begegnung so verschmitzt übertrieben, dass der Film durchaus auch als Parodie auf die üblichen B-Movie-Rachethriller durchgegangen wäre, ist das dieses Mal irgendwie viel ernster gemeint. Und das ist bei einem Genrevertreter, in dem der Protagonist sich nicht mal anstrengen muss, um Dutzende Menschen gleichzeitig auszuschalten, dann doch irgendwie langweilig.

Versöhnlich stimmt aber die Erweiterung des Gangstermilieus. Die Unterwelt erstreckt sich dieses Mal nicht nur über andere Länder, wird dürfen noch viel mehr Einblicke in diese Parallelwelt erhaschen. Angefangen bei dem schon aus dem ersten Teil bekannten vornehmen Continental-Hotel, welches neben den üblichen Vorzügen eines Luxushotels noch diverse Sonderservices anbietet, über die diversen Waffenhändler bis hin zu den Auftragsmechanismen einer aufs Töten spezialisierten Branche, Regisseur Chad Stahelski und Drehbuchautor Derek Kolstad machen sich einen Spaß daraus, die Unterwelt als einen kurios schillernden Ort darzustellen – und wenigstens hier noch Humor zu beweisen.

Ansonsten sind der große Vorzug von Kapitel 2 ohnehin wieder die Kämpfe. Während Hollywood zuletzt oft mit schnellen Schnitten und Effektgewittern die Illusion von Action zu erzeugen versucht, geht es bei John Wick noch richtig zur Sache. Einige der Auseinandersetzungen – vor allem wenn unser Titelheld in den God Mode schaltet – glänzen eher mit hohem Bodycount als mit Abwechslung. Bei anderen ließ man sich aber wieder diverse visuelle Spielereien einfallen, die den Genrevertreter aus der grauen Actionmasse hervortreten lassen. Schöner wäre es nur gewesen, wenn die Tötungsmaschine echte Gegner spendiert bekommen hätte. Die werden zwar wie Cassian und Ares groß aufgebaut. Wenn es aber zur Sache geht, dann ist das alles viel zu schnell vorbei. Vielleicht wird das aber im dritten Teil etwas: Der wird zum Ende des Films recht deutlich angekündigt und will erneut die Einsätze erhöhen. Wenn das Ergebnis so unterhaltsam ausfällt wie hier, ist daran nichts auszusetzen, selbst wenn der erste Teil insgesamt dann doch noch stärker war.

Paula Brügel

„John Wick: Kapitel 2“ läuft seit 16. Februar 2017 im Kino

Eigentlich will er nur „Frieden“ oder zumindest seine Ruhe: John Wick (Keanu Reeves), Ex-Profikiller und lebende Legende, verzichtet sogar auf die wohlverdiente, endgültige Rache an Russenmafiaoberhaupt Abram Tarasov (Peter Stormare), zu dem er sich seinen Weg mühsam freigeschossen hat. Solange er sein Auto zurückbekommt, das ihm im ersten Kapitel von demselben Übeltäter von seiner Seite gerissen wurde, der auch seinen Hund kaltblütig tötete: Triftige Gründe für einen Rachefeldzug zumindest im westlichen Teil dieser Welt. Wie dem auch sei, John Wick will von dem komplexen Gefälligkeits- und Schuldsystem seiner früheren Auftraggeber nichts mehr wissen und bekommt seinen Frieden, zumindest für zwei Sekunden. Schon stehen Welt bzw. „Geschäftspartner“ in Person von D’Antonio, herrlich unsympathisch Riccardo Scamarcio, vor seiner Tür und fordern den Dienst einer Schuldmünze ein, die den Frührentner Wick wieder zur „Arbeit“ drängt. D’Antonis Auftrag löst eine Kettenreaktion aus, die Wick bald mit dem Rücken zur Wandstehen lässt, denn: Tut er nichts, tötet ihn D’Antonio. Tut er, was D’Antonio von ihm verlangt, töten ihn die Männer der „Hohen Kammer“. Und tötet er D’Antonio, tötet ihn D’Antonios Gefolgschaft.

Wicks Alternativlosigkeit eröffnet einen Reigen aus fliegenden Fäusten, Kugeln, Handfeuerwaffen, Messern und fontänengleich platzenden Schädeln vor dramatischen und ästhetisch beeindruckenden Schauplätzen. Bis ins kleinste Detail durchchoreographiert, bis in die hinterste Komparsenreihe geplant und mit spärlichen Dialogen gespickt, wirkt der zweite Teil des neuen Franchises wie eine Mischung aus Egoshooter und Musikvideo. Selbst die New Yorker U-Bahn-Stationen sehen aus, als wären sie eine Abteilung des MoMa, clean, verspiegelt, stylisch.

Nicht nur der Kampfstil ist zu einem surrealen Männerballett stilisiert, auch die Schauplätze Rom und New York generieren reizvolle Bilder, immer Kombinationen aus Moderne und Altertum: Die Antiken in D’Antonios Museum und das uferlose Spiegellabyrinth, der Nebel in römischen Katakomben, Kerzenschein in Gianna D’Antonios weitläufigem Bad, vervielfältigt durch mannshohe Spiegel, die Skyline von New York, dramatisch gespiegelt in einer regungslosen Wasserlache … Die Spiegelungen sorgen neben optischer Tiefe auch für die Klarheit: die Handlung angelegt als Mischung aus Der Pate und The Punisher verzichtet auf jeglichen realistischen Bezug, was den Stuntkoordinatoren und visuellen Spezialisten vollen Handlungsspielraum einräumt.

Am Ende zwingt die Fatalität seiner Lage den gerechten Rächer wider Willen zu einem Regelbruch, der ihm den Schutz von Großfunktionär Winston (Ian McShane), der den Grundstein für ein weiteres Kapitel legt. Gerüchteweise sollen acht weitere folgen. Ein mulmiges Gefühl kommt auf, wenn dieser Regelbruch befreites Jauchzen im Publikum auslöst, so passiert bei einer Pressevorführung. Denn ohne zu viel zu verraten, John Wicks Handeln gegen die bestehende Ordnung fühlt sich zwar gerecht an, führt aber zum Ausschluss aus der bestehenden Gemeinschaft und letztendlich zum Zusammenbruch des beschützenden Systems, eine Absage an jede Form von Rechtsstaatlichkeit. Vielleicht führt das aber auch zu weit, John Wick: Kapitel 2 als politischen Kommentar zu deuten. Etwas mühsam kurz vor Schluss eingeführt, hilft der Gesetzlose Bowery King mit seinem Bettlerheer Jonathan aus einer verhältnismäßig kleinen Klemme. Im dritten Teil werden also mit Keanu Reeves, dem Regisseur Chad Stahelski und Lawrence Fishburne drei Köpfe der Matrix-Trilogie zusammenarbeiten. Stahelski war bei dem revolutionären Sci-Fi-Spektakel für die Stunts verantwortlich. Ein Drehbuchautor täte diesen Actionexperten aber ebenfalls gut.

John Wick: Kapitel 2
4.86 (97.14%) 7 Artikel bewerten

John Wick: Kapitel 2
Oliver7
Paula7
Oliver
  • Wo John Wick drauf steht, da ist auch John Wick drin. Erneut überzeugt der Actionfilm durch Kämpfe, die sowohl mit hohem Stilbewusstsein wie hohem Body Count glänzen. Der Humor wurde leider reduziert, diverse Massenschlachten lassen auch Abwechslung vermissen. Dafür wurde die Unterwelt schön erweitert.
Paula
  • Old-School-Action mit atemlosen Shoot-Outs, einer komplett weltfremden Geschichte, hölzernen Dialogen, aber großartigen Bildern und beeindruckenden Stuntszenen. Ein würdiger Nachfolger des ersten Teils.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.