Kritik

Von Liebe und Krieg

„Von Liebe und Krieg“ // Deutschland-Start: 15. Oktober 2020 (Kino)

Drei Jahre war der dänisch-gesinnte Soldat Esben (Sebastian Hessen) an der Front unter dem Befehl Deutschlands, hat den Albtraum aus nächster Nähe erfahren, wurde dort zum Helden erklärt. Doch damit ist jetzt Schluss: Ein wohlmeinender Arzt schickt ihn 1917 wieder nach Hause zu seiner Familie. Die Hoffnung auf ein normales Leben mit seiner Frau Kirstine (Rosalinde Mynster) und Sohn Karl (Aksel Homann) zerschlägt sich dabei bald, hat doch der deutsche Offizier Gerhard (Tom Wlaschiha) inzwischen das Sagen – und das nicht nur militärisch. Für Esben ist klar, dass er um die Liebe seiner Familie kämpfen muss, die er an seinen Konkurrenten zu verlieren droht …

Von Liebe und Krieg nimmt uns mit in die Zeit des Ersten Weltkriegs und erinnert an die Menschen Nordschleswigs, die dänischer Abstammung waren, aber für das deutsche Kaiserreich kämpfen mussten. Von denen gab es sehr viele, wie uns der Film zum Ende hin pflichtbewusst vor Augen führt. 30.000 mussten in den Krieg ziehen, ein Fünftel davon verlor dabei sein Leben. An einer tatsächlichen Auseinandersetzung mit den damaligen Begebenheiten hat das Drama jedoch wenig Interesse. So richtig viel über das diffizile Verhältnis von Deutschen und Dänen erfahren wir nicht. Es ist nicht einmal so, dass wir vom Krieg selbst sonderlich präsent ist. Ein paar Szenen am Anfang müssen reichen, zur Vorbereitung.

Ein diffiziles Liebesdreieck
Stattdessen gilt das Augenmerk von Regisseur und Drehbuchautor Kasper Torsting dem Dreigespann Esben, Kristine und Gerhard. Bei drei ist einer zu viel, weshalb es von Anfang an zu Auseinandersetzungen und Spannungen zwischen den beiden Männern kommt. Esben ist dabei der impulsivere, ist so sehr von der Situation überfordert, dass ihm schon mal die Faust ausrutscht. Gerhard ist besonnener, aber auch verschlagener, weiß seine Machtposition für das Private zu nutzen. Warum nicht einfach den unliebsamen Konkurrenten zurück in den Krieg schicken und so freie Bahn haben?

Dass das fies ist, versteht sich von selbst. Gerhard wird in der Hinsicht schon als Antagonist etabliert. Er ist allerdings nicht der sadistische Despot, wie man ihn bei der Darstellung von Deutschen in Kriegsfilmen oft erlebt. Diese Rolle ist vielmehr Hansen (Thure Lindhardt) vorbehalten, der rechten Hand von Gerhard, der als Nordschleswiger eigentlich den Menschen näher sein sollte. Mit einem zweiten Handlungsstrang, der ihn und Esbens querschnittsgelähmten Kameraden Jes (Morten Brovn) betrifft, wird doch noch etwas Bedrohung in die Geschichte gebracht. Ansonsten soll der Film in erster Linie ein Liebesdrama sein, das vom Prinzip her völlig losgelöst vom historischen Rahmen erzählt werden könnte.

Drama der großen Töne
Von Liebe und Krieg neigt dabei jedoch leider zur Künstlichkeit. Die Bilder sind oft zu schön, um wahr zu sein. Das Drehbuch kümmert sich wenig darum, ob die Geschichte nun irgendwie glaubwürdig ist. Bei den diversen turbulenten Wendungen kann einem schon etwas schwindlig werden. Hinzu kommt die Musik, die sich immer wieder ganz ungeniert zurückmeldet, um auch dem Letzten klarzumachen: Obacht, jetzt wird es dramatisch! Da hätte ein wenig mehr Zurückhaltung doch gut getan, in mehrfacher Hinsicht. Man kommt kaum dazu, sich auf die Figuren zu konzentrieren, weil ständig drumherum etwas von diesen ablenkt.

Dabei ist die Besetzung durchaus gut, der Gegensatz zwischen Sebastian Jessen und Tom Wlaschiha (Das Boot) funktioniert. Das sich langsam verschiebende Machtgefüge und die Konfusion des Sohnes, der auf einmal zwei Papas hat, sind auch interessant. Doch da hätte es mehr Feingefühl gebraucht. Das Drama, welches auf dem Filmfest Hamburg 2018 Premiere hatte und anschließend auf diversen weiteren Festivals lief, ist einem Publikum gewidmet, das sich an tragischen Liebesgeschichten erfreut und sich nicht daran stört, wenn diese Tragik zum Teil eher billig eingekauft ist.

Credits

OT: „I Krig og Kærlighed“
Land: Dänemark, Deutschland, Tschechische Republik
Jahr: 2018
Regie: Kasper Torsting
Drehbuch: Kasper Torsting, Ronnie Fridthjof, Astrid Ströher
Musik: Robin Hoffmann
Kamera: Jesper Tøffner
Besetzung: Sebastian Jessen, Rosalinde Mynster, Tom Wlaschiha, Thure Lindhardt, Ulrich Thomsen, Natalie Madueño, Morten Brovn

Bilder

Trailer

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Von Liebe und Krieg
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Von Liebe und Krieg
Ein Mann kehrt aus dem Krieg zurück und stellt fest, dass ein anderer seiner Frau den Hof macht. „Von Liebe und Krieg“ nutzt die historische Kulisse des Ersten Weltkriegs in erster Linie für ein Liebesdreieck, das zwar eine interessante Dynamik hat, aber mehr Zurückhaltung vertragen hätte – in mehr als einer Hinsicht.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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