Kritik

Spy Game Der finale Countdown

„Spy Game – Der finale Countdown“ // Deutschland-Start: 14. März 2002 (Kino) // 10. Oktober 2002 (DVD/Blu-ray)

Seinen letzten Arbeitstag hatte sich der CIA-Agent Nathan Muir (Robert Redford) eigentlich etwas anders vorgestellt. Anstatt gemütlich mit dem Team anzustoßen und seinen Schreibtisch zu räumen, muss er das Leben seines jüngeren Kollegen Tom Bishop (Brad Pitt) retten. Den hatte er einst selbst rekrutiert und viele Jahre begleitet, nachdem er dessen großes Talent erkannt hatte. Allerdings hatte er auch immer einen eigenen Kopf, was ihm nun offensichtlich zum Verhängnis geworden ist: Der Spion sitzt in einen Hochsicherheitsgefängnis in China und soll binnen 24 Stunden hingerichtet werden. Normalerweise schreitet in solchen Fällen immer die US-Regierung ein. Dieses Mal ist das aber etwas heikel, stehen die Vereinigten Staaten doch vor einem wichtigen Handelsabkommen mit China und wollen dieses unter keinen Umständen gefährden …

Das Verhältnis zwischen den USA und China war zuletzt bekanntermaßen ein wenig schwierig, wenn politischer Einfluss, weltweites Ansehen und wirtschaftliche Interessen zu einem von vielen Drohgebärden begleiteten Tauziehen geworden ist. Vor dem Hintergrund ist es ganz interessant, sich noch einmal Spy Game – Der finale Countdown aus dem Jahr 2001 anzusehen. China war seinerzeit zwar noch nicht die Großmacht, die es heute ist, und damit keine direkte Bedrohung für den US-amerikanischen Führungsanspruch, der keinen zweiten neben sich duldet. Aber es gibt schon hier ein Miteinander zu sehen, bei dem man nicht genau weiß, ob das nun Partner oder Gegner sind, wenn beide Seiten Teil eines dreckigen Spiels werden, bei dem die Wahrheit bis zur Unkenntlichkeit gedreht und gebeugt wird.

Die Frage nach den Opfern
Um eine politische Aussage ging es Regisseur Tony Scott (Domino – Live Fast, Die Young, Top Gun) aber nicht. Er interessiert sich nicht dafür, welcher der beiden Staaten nun der „Gute“ ist oder ob dieses Konzept überhaupt anwendbar ist. Wenn, dann ist es der Kontrast der beiden Protagonisten, der ihm am Herzen liegt. Während Muir als Spion alter Schule gezeigt wird, der im Notfall mit einem Lächeln Menschen in den Tod schickt, ist Bishop impulsiver und zu keinem derartigen Opfer bereit. Entweder man schafft es auf die richtige Weise oder gar nicht. Ein wenig erinnert diese Konstellation an Sieben einige Jahre zuvor. Auch damals schon spielte Pitt den hitzköpfigen Neuen, der mit einem besonnenen älteren Kollegen aneinandergerät und sich von niemandem was sagen lassen will.

Das ist jedoch nicht das einzige Déjà-vu-Erlebnis, das man hier hat. Spy Game – Der finale Countdown steht fest in der Tradition des 70er-Jahre-Agentenkinos. Gleichzeitig wollte Scott aber auch etwas ganz Modernes daraus machen. So ist der Film ein einziges Schnittgewitter, der Countdown bis zur Hinrichtung Bishops wird eingeblendet, hinzu kommen derart grelle Farbfilter, dass man zwischenzeitlich schon befürchtet, der eigene Fernseher hätte seinen Geist aufgegeben. Zurückhaltung war nie so das Ding des Filmemachers. Er walzt lieber alles platt, will sich im Nachhinein nicht sagen lassen, er hätte nicht alles irgendwie reingepackt, was geht. Oder eben nicht geht.

Anstrengend und langweilig
Das kann man dann als dynamisch empfinden. Oder als sehr anstrengend. Wie ein Kind mit Aufmerksamkeitsdefiziten, dafür umso größerem Zuckerschock rennt der Film hektisch umher, springt durch die Zeiten, immer auf der Suche nach irgendwas Neuem, Glänzenden. Dass das nicht unbedingt zu den klassischen Agentengeschichten passt, wird schnell deutlich. Der Versuch, die Eleganz von einst mit frenetischem Knallbuntstakkato zu kombinieren, führt zu einem grotesken Zwitter, der mehr verblüfft als wirklich fesselt. Denn dafür ist die Geschichte zu langweilig, ebenso die Figuren. Das ist alles nur irgendwie da, ohne dass Scott diesen sonderlich Beachtung schenken würde.

Schauwerte gibt es dabei natürlich schon. Außerdem wurde hier ein beeindruckendes Ensemble versammelt, das alleine immer schon einen Blick wert ist. Auf Dauer ist die Rastlosigkeit aber nicht genug, um Spannung zu erzeugen. Im Gegenteil: Spy Game – Der finale Countdown wird in der zweiten Hälfte sogar ziemlich eintönig, wenn die diversen visuellen und erzählerischen Gimmicks Scotts aufgebraucht sind. Auch die reizvollen Einblicke in die Geschichte US-amerikanischer Spionagetätigkeit, wenn im Schnelldurchlauf die Karriere Bishops durchgegangen wird, sind dann Geschichte. Für einen reinen Agentenfilm ist das zu wenig, für einen Actionfilm auch, zumal die ständigen Flashbacks immer wieder den Fluss stören.

Credits

OT: „Spy Game“
Land: USA
Jahr: 2001
Regie: Tony Scott
Drehbuch: Michael Frost Beckner, David Arata
Musik: Harry Gregson-Williams
Kamera: Dan Mindel
Besetzung: Robert Redford, Brad Pitt, Catherine McCormack, Stephen Dillane, Larry Bryggman

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Spy Game – Der finale Countdown
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Spy Game – Der finale Countdown
„Spy Game – Der finale Countdown“ kombiniert auf etwas eigene Weise das elegante Spionagekino der 70er mit frenetischem Actiongewitter. Das ist teilweise verblüffend, aber nicht wirklich spannend. Geschichte und Figuren geben nicht viel her, die diversen Gimmicks verlieren zu früh ihren Reiz. Obwohl der Film sehr hektisch ist, wird das schnell eintönig.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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