Kritik

The Rise of the Synths

„The Rise of the Synths“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Auch wenn gerade aus modischer Sicht nicht alles zu überzeugen wusste aus den 80er Jahren, sind viele Elemente der Kultur dieses Jahrzehnts zum festen Bestandteil unserer heutigen Musik, des Kinos und der Kunst geworden. Gerade in den letzten Jahren erleben wir ein Wiederauferstehen der 80er, speziell im Bereich Film, angefangen bei Mainstream-Produktionen wie der Neuverfilmung von Stephen King’s Es oder Serien wie Stranger Things, die keinen Hehl daraus machen, dass ihr zeitlicher Kontext mehr ist als eine bloße Maskerade. Kleinere Produktionen wie Adam Wingards The Guest, Nicholas Winding Refns Drive oder David Robert Mitchells It Follows sind aus erzählerischer wie auch ästhetischer Sicht der Kultur der 80er verpflichtet, dem Genrekino der Zeit aber auch dessen Musik, die bis heute noch Künstler inspiriert und in vielerlei Hinsicht den Grundstein für eine Bewegung wie Synthwave gelegt hat.

In seiner Dokumentation The Rise of the Synths geht der Spanier Iván Castell der Musikrichtung Synthwave auf den Grund, spricht mit Künstlern und Musikern über ihre Inspirationen, ihre Sicht auf die Szene und die Zukunft dieses Trends. Seine Gesprächspartner sind Bands wie Electric Youth, Nina, College, 80s Stallone, Carpenter Brut und Dance With the Dead um nur einige Beispiele zu nennen. Den erzählerischen Rahmen bildet die Stimme John Carpenters, der unter anderem über seine Filme spricht, die für viele der von Castell interviewten Künstler eine wichtige Inspirationsquelle bilden, sondern vor allem über seinen Weg in die Musik und wie er lernte zunächst aus Gründen der Kostenökonomie die Musik für seine Filme selber zu schreiben sowie zu komponieren.

Mehr als nur Nostalgie
Die Dokumentation, die im Rahmen des SLASH Filmfestivals 2020 gezeigt wird, behandelt im Kern eine Frage, die auch in vielen Kritiken zu den oben genannten Film bisweilen auftaucht, nämlich ob es sich nicht eher um eine teils fehlgeleitete Form der Nostalgie handelt. Zu diesem Zwecke unternimmt Castells namenloser Protagonist der Rahmenhandlung stilecht im DeLorean eine Zeitreise bis in das Jahr 1979, nicht nur um das Fundament von Synthwave aufzuzeigen, sondern vor allem um zu betonen, dass Nostalgie vielleicht ein Bestandteil, aber nicht der einzige Aspekt dieser Bewegung ist.

Ähnlich der Helden aus Filmen wie Terminator, Blade Runner oder Breakfast Club – Der Frühstücksclub bietet auch die Musik dieses Jahrzehnts eine weite Projektionsfläche. Es sind teils sehr konkrete Geschichte und Helden, ohne das bisweilen etwas feige Ausweichen auf etwaige Meta-Ebenen oder sonstige Kniffe, die in der heutigen Musik wie auch im Film üblich geworden sind. Doch es sind nicht die 80er Jahre, wie man sie aus den Geschichtsbüchern und Dokumentation kennt, denn es sind immer noch die Kreationen und Interpretation der einzelnen Künstler, welche sich diese Zeit, ihre Musik und ihre Geschichte wieder aneignen, wie es an einer Stelle heißt.

Andererseits ist es auch die Suche nach einem Moment der Verwandlung, die die Künstler antriebt. Momente voller Intensität findet man in den Szenen der Filme wie auch ihrer Musik, ein Antriebsmotor der Künstler, die Castell interviewt, und der den Kern ihres Schaffens beinhaltet. So ist The Rise of the Synths letztlich auch eine Geschichte über unsere Lust an der Vergangenheit, vielleicht auch der Idealisierung dieser, aber genauso der Momente, in denen diese als Startpunkt für etwas Neues sein kann.

Credits

OT: „The Rise of the Synths“
Land: Spanien, USA
Jahr: 2019
Regie: Iván Castell
Drehbuch: Iván Castell
Musik: Robin Ogden
Kamera: Adrián Barcelona, Beltrán García

Trailer

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The Rise of the Synths
4 (80%) 12 Artikel bewerten

The Rise of the Synths
"The Rise of the Synths" ist eine gelungene, informativ sehr dichte Zeitreise in die Welt des Synthwaves, erzählt von ihren Künstlern und jenen Menschen, die sie inspirierten. Iván Castell ist eine sehr unterhaltsame Dokumentation gelungen, die nicht nur über unsere Lust an der Vergangenheit nachdenkt, sondern darüber hinaus auch sehr viel gute Musik zu bieten hat, vorausgesetzt man mag den Klang eines Synthesizers.
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