Kritik

The Breakfast Club Frühstücksclub

„Breakfast Club – Der Frühstücksclub“ // Deutschland-Start: 5. Juli 1985 (Kino) // 6. Oktober 2005 (DVD/Blu-ray)

Nein, so richtig viel gemeinsam haben die fünf nicht. Brian Johnson (Anthony Michael Hall) ist ein nerdiger Streber, Claire Standish (Molly Ringwald) ein steifes, braves Mädchen aus gutem Haus, Andrew Clark (Emilio Estevez) ein durchtrainierter Sportler, Allison Reynolds (Ally Sheedy) eine unheimliche Außenseiterin und John Bender (Judd Nelson) ein Rebell, der sich schon aus Prinzip mit allen anlegen will. Doch der Zufall führt sie an jenem Tag zusammen, als sie aus den unterschiedlichsten Gründen gemeinsam an der Schule nachsitzen müssen. Während ihr Lehrer Richard Vernon (Paul Gleason) verzweifelt versucht, die Kontrolle über die Situation zu bewahren, kommen sich die fünf nach anfänglichen Konflikten näher und stellen fest, dass an den anderen mehr dran ist, als sie vorher dachten …

Was waren die entscheidenden Filme der 1980er? Welche haben das Jahrzehnt geprägt oder sind selbst zum Spiegel dieser Zeit geworden? Da könnte man natürlich viele Titel nennen. Da wären all die Werke der Blockbuster-Regisseure Steven Spielberg, George Lucas und Robert Zemeckis, welche die Kinokassen dominierten. Oder man nimmt Kultfilme wie Ghostbusters – Die Geisterjäger oder Die Goonies, welche in den Herzen der Fans ganz besondere Plätze einnehmen. Aber kein Rückblick auf das Jahrzehnt wäre vollständig ohne John Hughes, der sich anders als viele Kollegen gar nicht ins Fantastische stürzen oder Abenteuer entwerfen musste. Ihm reichte es, ein bisschen Zeit mit jungen Leuten zu verbringen.

Lasst uns mal ganz ernst reden
Eine Reihe von Hits gehen auf sein Konto, bei denen er das Drehbuch geschrieben, teilweise auch Regie geführt hat. Breakfast Club – Der Frühstücksclub ist hierbei einer seiner wichtigsten Titel. Und dabei hätte es ihn fast nicht gegeben. Ein Film, der lediglich daraus besteht, dass eine Gruppe von Schülern und Schülerinnen miteinander reden? Das klang für das Studio wenig erfolgsversprechend, zumal Hughes kein etablierter Regisseur war. Am Ende übertraf die Teenie-Tragikomödie aber alle Erwartungen, spielte bei einem Budget von einer Million Dollar das 50-Fache wieder ein. Und das obwohl sein zweites Regiewerk nach Das darf man nur als Erwachsener auf Gags im eigentlichen Sinne weitestgehend verzichtet.

Am ehesten geht noch der Lehrer Vernon als solcher durch, als Karikatur des verbissenen, wenig souveränen Lehrkörpers, der mangelnden Respekt mit schriller Lautstärke zu bekämpfen versucht. Auch die fünf Schüler und Schülerinnen entsprechen Klischees, wenn hier von der Außenseiterin bis zum Streber alles abgearbeitet wird, was es in solchen Geschichten gibt. Das Besondere an Breakfast Club – Der Frühstücksclub: Hughes macht aus dieser Versuchsanordnung mehr, indem diese festen Rollen nicht allein aus persönlichem Antrieb verfolgt werden, sondern oftmals das Ergebnis äußerer Umstände sind. Wenn Claire etwa die Prinzessin innerhalb der Runde ist, dann nicht weil sie von klein auf eine solche werden wollte, sondern sie auch das Produkt von Erwartungen ist. So wie die anderen auch.

Sind wir nicht alle ein bisschen gleich?
Die Geschichte des Films handelt deshalb auch gar nicht von den Kontrasten, die in anderen Teenie-Komödien zu Zwecken der Unterhaltung eingebaut werden. Der gemeinsame Tag in der Schulbibliothek führt dazu, dass diese Kontraste abgebaut werden, hinter den Rollen, Erwartungen und Masken Individuen sichtbar werden, jedes einzigartig und doch einander ähnlicher, als sie voneinander dachten. Wenn in Breakfast Club – Der Frühstücksclub die unterschiedlichsten Menschen zusammenfinden, dann ist damit immer auch die Aufforderung verbunden, andere Menschen nicht zu sehr anhand des Äußeren zu beurteilen, offen durchs Leben zu gehen und tolerant gegenüber den Leuten zu sein, die anders sind als man selbst – oder zumindest anders erscheinen.

Das ist natürlich nicht die originellste Aussage, die man in einem Film treffen kann. Vieles hier folgt strengen Bahnen. Was das Werk von Hughes jedoch auszeichnet, ist zum einen der völlige Verzicht auf Kitsch. Die Annäherung der fünf geschieht leise, fast unbemerkt. Zum Ende mag zudem die Zuneigung da sein, aber auch Zweifel bleiben: Was wird in der nächsten Woche sein, wenn sie wieder Teil einer Außenwelt und deren Erwartungen sind? Werden sie das anwenden können, was sie zuvor gelernt haben, oder fallen sie doch in ihre Rollen zurück? Die große Stärke vom Frühstücksclub ist aber die Besetzung, die in den vorgegebenen Schemata Nuancen entdecken, und ein Drehbuch, das sie zu vollwertigen, komplexen Menschen werden lässt. Hughes blickt niemals auf seine Figuren herab, sondern begegnet ihnen auf Augenhöhe und mit Einfühlungsvermögen und macht sie dadurch zu Charakteren, die auch 35 Jahre später noch als Identifikationsfläche funktionieren – trotz all der 80er-Jahre-Ästhetik und -Gesinnung.

Credits

OT: „The Breakfast Club“
Land: USA
Jahr: 1985
Regie: John Hughes
Drehbuch: John Hughes
Musik: Keith Forsey, Gary Chang
Kamera: Thomas Del Ruth
Besetzung: Emilio Estevez, Anthony Michael Hall, Judd Nelson, Molly Ringwald, Ally Sheedy, Paul Gleason

Trailer

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Breakfast Club – Der Frühstücksclub
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Breakfast Club – Der Frühstücksclub
„Breakfast Club – Der Frühstücksclub“ ist einer der großen Klassiker der Teenie-Komödie, obwohl er anders ist als viele Filme aus dem Bereich. Wenn hier fünf grundverschiedene Schüler und Schülerinnen zusammenkommen, sich annähern und anfangen, hinter der Masken und Rollen zu schauen, dann ist das nicht nur ein schönes Plädoyer für mehr Offenheit. Der 80er-Jahre-Kultfilm gewinnt außerdem eine universelle Qualität, welche ihn mehrere Jahrzehnte später immer noch sehenswert macht.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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