Kritik

Whitney Can I Be Me

„Whitney: Can I Be Me“ // Deutschland-Start: 8. Juni 2017 (Kino) // 20. Oktober 2017 (DVD)

Steht man am Anfang seiner Karriere meint man, als Künstler ein Ziel erreicht zu haben, sich einen Traum erfüllt zu haben, von dem man lange dachte, er würde nie in Erfüllung gehen. Mit der Zeit, nach den ersten Erfolgen, zu denen sich alsbald auch Rückschläge gesellen, kommt man zu der Erkenntnis, dass es sich keinesfalls um einen Traum handelte, sondern um die erste Etappe einer langen oder sehr kurzen Reise, was davon abhängt, wie man mit dem Ruhm und dem Rummel um die eigene Person umgeht. Egal ob in der Musik oder im Film, die Zahl derer, die mit der Diskrepanz zwischen diesem Traum, der Idee, die man mit der eigenen Kunst verknüpfte und der harten Realität, welche einem sogar den Namen nimmt und ihn zu einer Marke macht, nicht fertig wurde, ist lang.

In dieser Hinsicht hat sich in der Kunstwelt insofern nichts geändert, da sie immer noch auf diesen Pfeilern des Kommerzes, des Castings und dann des Talents beruht, jedoch hat sich die Gewichtung in Zeiten des Internets zwischen den einzelnen Aspekten bisweilen verlagert.

Von einem Großteil dieser Entwicklung hat die Sängerin Whitney Houston nichts mitbekommen, dafür war ihr Leben leider viel zu kurz. Dennoch lassen sich auch in ihrem Leben als Privatperson und als Künstlerin eben jene fatalen Entwicklungen sehen, wenn diese beiden Rollen sich vermischen und ein Aspekt am Ende dominiert. In seiner Dokumentation Whitney: Can I Be Me erzählt der britische Regisseur Nick Broomfield vom Leben, der Karriere und vom Ende dieser einmaligen Sängerin, deren Berühmtheit sich am Schluss eher durch eine Anzahl teils diffamierender Artikel und Fotos in Boulevardzeitungen definierte. Mittels zahlreicher Interviews und Archivaufnahmen, teilweise von bislang unveröffentlichtem Material von Houstons Welttournee 1999, geht Broomfield der Frage nach, was dieses „ich“ ausmacht, von dem sie in ihren Songs immer wieder erzählt, wer sich um diese Person kümmerte und warum sie nie die sein konnte, die sie sein wollte.

Momente, in denen die Maske fällt
Parallel zu dem 2018 herausgekommenen Whitney von Kevin Macdonald erzählt Broomfields Dokumentation zumindest augenscheinlich dieselbe Geschichte. Jedoch gelingt Broomfield nicht nur ein Porträt der Künstlerin und der Privatperson Whitney Houston, sondern zudem ein Film über die Vermarktung von Künstlern, wie man es beispielsweise auch im Falle von Michael Jackson gesehen hat und wie es gerade in der heutigen Zeit wieder in Mode kommt. Die Houstons werden auch in Whitney: Can I Be Me nicht nur als eine Familie gezeigt, sondern gleichsam als eine Firma, die der Vermarktung eines Produktes diente. Besonders erhellend sind in diesem Zusammenhang die Interviews, in denen Freunde, Musiker und Verwandte Auskunft darüber geben, wie Whitney Houston als Marke eine breite Masse ansprechen sollte und ihr Gesang deswegen nicht zu „schwarz“ klingen sollte.

Mit bisweilen provokanten Zuspitzungen zeigt Broomfield Verbindungen auf zwischen jenem Image, dessen Erhalt mit der Zeit immer wichtiger wurde und was es mit der Person machte. Auch wenn Houston ihre Wurzeln in der Popmusik hinter sich ließ, beobachtet man dennoch, wie sie sich eine Maske zulegte, die nur in wenigen Momente fällt und etwas anderes offenbart. Broomfield sucht in seinem Material nach diesen Momenten, findet sie und zeigt sie, nicht aus sensationslüsternem Interesse, sondern weil er auf der Suche nach einer Whitney Houston ist, die hinter diesem Image existiert. Wie schon in seinen anderen Dokumentationen über Musiker und andere Persönlichkeiten ist Broomfield weniger an einer Rekapitulation eines Lebens interessiert, sondern verfolgt eine These, die sich mit der Zeit aus dem Material herauskristallisiert, sodass er letztlich dem Menschen nahekommt. Für den Zuschauer ist dies eine faszinierende Reise und eine Neu-Erfahrung eines Menschen, den man alleine durch seine Songs meint zu kennen.

Credits

OT: „Whitney: Can I Be Me“
Land: USA, UK
Jahr: 2017
Regie: Nick Broomfield
Musik: Nick Laird-Clowes
Kamera: Sam Mitchell

Bilder

Trailer

Filmfeste

Tribeca Film Festival 2017

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Whitney: Can I Be Me
„Whitney: Can I Be Me“ von Nick Broomfield ist eine informative, teils provokanten Thesen folgende Dokumentation über eine Künstlerin, deren Errungenschaften oft im Schatten von Boulevardschlagzeilen unterging. Diese Dokumentation über Whitney Houston ist nicht nur eine Künstlerbiografie, sondern eine oft ernüchternde Geschichte über die Wahrheit hinter dem Ruhm und des Starkults.
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