Kritik

Symbol

„Symbol“ // Deutschland-Start: 7. September 2012 (DVD)

Was ist denn das für ein Blödsinn? Als ein namenloser Mann (Hitoshi Matsumoto) in einem fremden Zimmer zu sich kommt, kann er seinen Augen kaum glauben. Wie er hier gelandet ist, kann er nicht sagen, oder auch was er in dem Raum soll. Die dringendere Frage wäre sowieso: Wie soll er hier nur wieder herauskommen? Möglicherweise geben die vielen kleinen Hebel eine Antwort, die an den Wänden angebracht sind. Die machen nicht nur komische Geräusche, wenn man sie drückt, sondern führen oft auch dazu, dass etwas geschieht. Also muss er nur noch den richtigen finden – was aber nicht so leicht ist wie gedacht …

Kultregisseure aus Japan gibt es natürlich so einige. Ob es nun Takashi Miike (Audition) ist, der mit viel schwarzem Humor und rotem Blut eine treue Fangemeinde hat, Sion Sono (The Virgin Psychics), der mit seinen ausgefallenen Werken jedes Mal aufs Neue überrascht, oder Auteur Hirokazu Koreeda (Shoplifters – Familienbande), der mit seinen fein beobachteten Familiendramen bei keinem großen Filmfest fehlen darf – das Land der aufgehenden Sonne hat so einige Künstler in den letzten zwei Jahrzehnten hervorgebracht, die eine ganz eigene Handschrift entwickelt haben. Ein bisschen weniger bekannt, wenn auch nicht weniger kultig, ist Hitoshi Matsumoto, der im Gegensatz zu seinen Kollegen aus dem Komödienfach kommt. Er ist auch leider sehr viel weniger produktiv, zumindest was den Bereich Spielfilm angeht. Gerade einmal vier Stücke sind es bislang, sein bislang letztes, das bizarre BDSM-Werk R100 – Härter ist besser, liegt auch schon sieben Jahre zurück.

Umgeben von lauter Symbolen
Sexuelle Elemente gibt es in Symbol auch, sind aber – dem Titel entsprechend – eher symbolhaft eingebaut. So sind die Hebel, die überall im Raum angebracht sind, Überbleibsel von Putten-Figuren, genauer sind allein deren Penisse noch an der Wand zu finden. Dass die gedrückt werden müssen, um Ergebnisse zu erzielen, ist als Symbol schon aussagekräftig genug. Später kommen noch andere Bilder hinzu, die sich beispielsweise auf das Motiv der Geburt beziehen – aber erst nachdem der namenlose Gefangene die besagten Penisse erfolgreich genutzt hat. Von Nichts kommt eben nichts. Das geht für den Betroffenen mit einem äußerst befreienden Glücksgefühl einher.

Das hört sich alles ziemlich schweinisch an, ist es aber kaum. Vielmehr frönt Matsumoto in seinem zweiten Spielfilm vor allem der Lust an der Albernheit. Der Komiker, der hier auch die Hauptrolle übernommen hat, verzieht ständig sein Gesicht, schneidet Grimassen, macht komische Geräusche, die so gar nicht zu einem Mann um die 40 passen. Das tut der gelinde gesagt auffällige Pyjama aber auch nicht, den er unentwegt trägt und der in dem tristen Raum für einen sehr grellen Farbtupfer sorgt. Oder auch mehrere. Auch andere Beispiele des Humors sind eher schlichter Natur. Eine längere Passage befasst sich beispielsweise mit dem Frust des Namenlosen, wenn er nie die Gegenstände bekommt, die er gerne hätte.

Ein bisschen Nichts
Auf Dauer ist das nicht so wahnsinnig viel, trotz der recht kurzen Laufzeit von nicht einmal anderthalb Stunden kommt es mitunter zu Längen. Ein großer Geschichtenerzähler ist Matsumoto dann doch nicht, er legt mehr Wert auf Gags als auf einen verbindenden Kontext. Zwar unterbricht er das Geschehen für eine Parallelhandlung, die sich um einen mäßig erfolgreichen Wrestler und damit um stärker in der Realität verhaftete Figuren. Aber auch die werden letztendlich nur gebraucht, damit gegen Ende ein grotesker Scherz seine Anwendung findet. Die Vorbereitung dafür hätte es kaum gebraucht, das bisschen damit verbundene Emotionalität bringt dem Film nicht wirklich was.

Schlecht ist Symbol deshalb nicht. Im Gegenteil: Wer einen surrealen Humor zu schätzen weiß, der kann sich hier an zahlreichen Szenen erfreuen. Der Film nimmt ein eigentlich aus Thrillern und Horrorfilmen bekanntes Szenario – das Aufwachen in einem fremden Raum –, wandelt sich später in eine Art Puzzlegame, wenn der Held die verschiedensten Versuche startet, wieder herauszukommen, angereichert mit so viel auch religiöser Symbolik, dass man erst einmal eine Weile braucht, um das Erlebnis wieder zu verarbeiten. Wobei man nicht zwangsweise über die Kuriositäten des Films nachdenken muss. Genauso gut kann man sich hier auch zurücklehnen, die kleinen Absurditäten genießen und im Anschluss darauf hoffen, dass uns Matsumoto vielleicht doch irgendwann wieder mit einem seiner exzentrischen Spielfilme beglückt.

Credits

OT: „Symbol“
Land: Japan
Jahr: 2009
Regie: Hitoshi Matsumoto
Drehbuch: Hitoshi Matsumoto
Musik: Yasuaki Shimizu
Kamera: Yasuyuki Tôyama
Besetzung: Hitoshi Matsumoto

Bilder

Trailer

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Symbol
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Symbol
Ein Mann wacht in einem fremden Raum auf und muss nach einem Ausgang suchen: Was sich nach einem Thriller oder Horrorfilm anhört, wird bei „Symbol“ zu einer Komödie mit viel absurdem Humor und sexuell aufgeladenen Symbolen. Der Film hat zwar so seine Mühe, die Zeit tatsächlich zu füllen, da kommt es schon zu Längen – aber auch zu einzigartigen, surrealen Momenten.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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