(„R100“ directed by Hitoshi Matsumoto, 2013)

R100

„R100 – Härter ist besser“ erscheint am 29. Juli auf DVD und Blu-ray

Du weißt nicht, wo sie zu schlagen, du weißt nicht, wann sie zuschlagen. Du weißt nur, dass sie es tun, ein Jahr lang. Unberechenbar? Ja, aber das macht eben auch den Reiz des SM-Clubs „Bondage“ aus: der Nervenkitzel. Die Unsicherheit, in welcher Situation es dich erwischt. Ansonsten nämlich gibt es nur wenig Nervenkitzel in dem Leben von Takafumi Katayama (Nao Ômori). Dafür ist der kleine Angestellte auch einfach zu farblos, viel zu sehr Durchschnittstyp. Über mangelnde Aufregung kann sich Takafumi anschließend jedoch nicht mehr beklagen, denn auf Schritt und Tritt verfolgen ihn nun in Lack und Leder gekleidete Damen, die ihn vor den Augen der Öffentlichkeit malträtieren.

Was lange währt, wird endlich … seltsam. Wer R100 – Härter ist besser vor zwei Jahren beim Fantasy Filmfest gesehen hat, wird ihn kaum vergessen haben. Wer vorangegangene Filme von Hitoshi Matsumoto gesehen hat, weiß, dass diese oft etwas anders sind: die Superhelden-Mockumentary Der große Japaner – Dainippon, die surreale Wrestling-Ausbruchskomödie Symbol oder die überraschend rührende Anti-Samurai-Geschichte Saya Zamurai. Wer jedoch weder das eine, noch das andere von sich behaupten kann, der wird hier sehr ungläubig auf das groteske Treiben auf dem Bildschirm starren. Aber selbst mit Vorkenntnissen ist es teils nur schwer zu verarbeiten, was uns Matsumoto da zuzumuten hat.

Ein bisschen Erotik sollte man angesichts des Themas SM eigentlich schon erwarten können. Die bietet sich jedoch allenfalls dank der in knapper Lack-und-Leder-Kluft gekleideten jungen Damen. Und selbst dann bedeutet das nicht zwangsweise, dass das Ergebnis sexuell stimulierend ist, wie eine etwas stämmigere Kollegin eindrucksvoll unter Beweis stellt, deren Spuckkraft weltweit gerühmt ist. Aber was bedeutet schon Bedeutung bei einem Matsumoto? Einen derart bizarren Film habe er noch nie gesehen, schrieb seinerzeit ein Rezensent zu R100. Und auch wenn das vielleicht ein bisschen übertrieben ist, nein, leicht macht es einem der Japaner hier nicht.

Als wäre es Matsumoto auf Dauer zu langweilig, seinen nichtssagenden Protagonisten rund 100 Minuten lang in prekäre Situationen zu führen, ließ er sich noch ein paar andere Sachen einfallen. Da wäre zum einem das auf komische Weise mittels Computertechnik verzerrte Gesicht der Glücksseligkeit, welches Takafumi befällt, wann immer er misshandelt wurde. Oder auch die gelegentlichen Metakommentare, wenn R100 zusätzlich zum eigentlichen Film zum Film im Film wird. Und dann wären da noch die erstaunlich dramatischen Elemente – die Frau des Protagonisten liegt im Koma –, die einen vermuten lassen, dass hier doch eine ganz andere Geschichte erzählt werden sollte.

Aber stimmt das auch? Das lässt sich bei R100 kaum sagen, zu sehr entzieht sich der Film gängigen Kriterien. So mancher Zuschauer wird angesichts der absurden Vorkommnisse und eines fehlenden klaren Gesamtkonzepts frustriert das Handtuch werfen. Was will mir der Film hier sagen? Alles und nichts, lautet die Antwortet. Nichts und alles. Wer mag, kann natürlich eine Menge in den Film hineininterpretieren, etwa über eine Gesellschaft, die ihre eigene Leere und Bedeutungslosigkeit mit Sex und Gewalt zu füllen versucht. Man kann es aber auch lassen, sich zurücklehnen und einen Film genießen, der bewusst billig aussieht und einen während seiner Odyssee durch die menschlichen Abgründe in Bereiche führt, die furchterregend und komisch zugleich sind. Die einem Dinge zeigen, von denen man im Anschluss gar nicht so genau sagen kann, ob man die tatsächlich hat sehen wollen.

R100 – Härter ist besser
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R100 – Härter ist besser
Wie bei Hitoshi Matsumoto üblich, ist auch sein neuester Film „R100 – Härter ist besser“ eine Ansammlung kurioser Ideen. So kurios, dass sie manchen Zuschauer aufgrund ihrer vielfältigen, kaum erklärten Momente frustrieren mag. Andere werden sich dagegen über die zahlreichen bizarren Momente freuen, wenn hier ein etwas anderer SM-Club Jagd auf seine Mitglieder macht.
7von 10

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