Kritik

Copykill

„Copycat“ // Deutschland-Start: 25. Januar 1996 (Kino) // 8. August 2002 (DVD)

Bislang hatte die Psychologin Helen Hudson (Sigourney Weaver) nur theoretischen Kontakt zu Serienmördern gehabt. Doch dann wird sie nach einem ihrer Vorträge von Daryll Lee Cullum (Harry Connick Jr.) überfallen, dem sie fast zum Opfer fällt. Mehr als ein Jahr ist seither vergangen, aber noch immer hat sie mit dieser Erfahrung zu kämpfen, ist so sehr von Angst erfüllt, dass sie ihre Wohnung seit Monaten nicht mehr verlassen konnte und den Kontakt zur Außenwelt meidet. Das ändert sich erst, als ein neuer Serienmörder sein Unwesen treibt und Hudson versucht, sich bei den Polizeiarbeiten einzubringen – was bei den ermittelnden M. J. Monahan (Holly Hunter) und Reuben Goetz (Dermot Mulroney) allerdings zunächst auf Skepsis stößt …

Dass Menschen andere Menschen töten, das kommt natürlich immer mal wieder vor, sowohl im wahren Leben wie auch in Filmen. Tatsächlich basieren ganze Genres maßgeblich darauf, dass der Schrecken vor Morden aufgebaut wird, Morde verhindert werden sollen oder auch aufgeklärt. Bei Copykill treffen all diese Punkte gleichermaßen zu, wenn eine Psychologin und eine Polizistin gemeinsame Sache machen, um einen gefährlichen Killer aufzuhalten. Schon der Einstieg befasst sich mit der Materie, spricht über statistische Gemeinsamkeiten von Serienmördern, bevor dann einer von ihnen selbst zur Waffe greift.

Mörderisches Spiel an der Oberfläche
Dass es hier zwei Frauen sind, die im Mittelpunkt stehen und gegen einen Mann kämpfen, gibt Copykill eine spürbar feministische Note, zumal beide Opfer von Männern sind: Hudson wurde von einem überfallen und schwer traumatisiert, Monahan muss sich als Frau in der von Männern dominierten Polizeiwache durchsetzen. Eine tatsächliche Auseinandersetzung mit dem Thema findet dann aber doch nicht statt. Serienmörder wollen ihre Opfer dominieren, heißt es an einer Stelle zur Begründung. Warum Männern zwischen 20 und 35 das aber ein so großes Bedürfnis ist, dass sie dafür töten, das wird nicht weiter behandelt. Genauso wenig wird näher auf den speziellen Mörder eingegangen, der hier am Werke ist. Ganz zum Schluss erfahren wir zwar, wie er zu seiner Mordserie kam. Richtig befriedigend ist das aber nicht. Für einen Film, der so viel über unverkennbar charakteristische Morde redet, ist die Auflösung ziemlich beliebig.

Leider gilt das für sehr viele Bereiche des Films. Warum die traumatische Erfahrung von Hudson in eine Agoraphobie überging, also die Angst vor weiten Plätzen, das wird beispielsweise nicht klar. Das Drehbuch nutzt diese Angst auch nicht wirklich aus, um damit Spannung zu erzeugen. Ebenso willkürlich ist die Dynamik zwischen der Psychologin und den Polizisten, die nach dem Zufallsprinzip von Partnerschaft zu Antagonismus und zurück wechselt, ohne dass darin eine psychologisch glaubhafte Linie zu erkennen wäre. Sie sind zwar irgendwie ein Team, dann aber wiederum auch nicht. Das kommt zwar in Filmen häufiger vor, gerade Buddy Movies arbeiten sehr viel mit diesen sich wandelnden Verhältnissen vom Kontrahenten zum Partner. Copykill arbeitet aber keine Entwicklung heraus, leidet zudem unter seltsam hölzernen Dialogen.

Starke Schauspielerinnen
Dass es trotzdem zu einer Reihe guter Szenen kommt, liegt an der hochkarätigen Besetzung. Sigourney Weaver (Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt) erfüllt das emotionale, tablettenabhängige Wrack mit Leben, zeigt ihre Bandbreite zwischen der bekannten Stärke, die auch mal in Sarkasmus umschlägt, und einer bei ihr eher untypischen Zerbrechlichkeit. Die Rolle von Holly Hunter (Das Piano) ist im Vergleich weniger dankbar, doch die Schauspielerin macht das Beste draus. Die männlichen Kollegen fallen da schon mehr ab, abgesehen von den etwas karikaturhaft überzogenen Bösewichtern ist da wenig Erwähnenswertes dabei. Dermot Mulroney wird als Polizist lediglich auf sein gutes Aussehen reduziert, muss also das erleiden, was sonst meist Schauspielerinnen vorbehalten ist. Das kann man dann als ausgleichende Gerechtigkeit empfinden. Oder eben als langweilig.

Die meisten dieser Mängel sind für sich genommen nicht zu gravierend, in der Summe führt das aber schon zu etwas Frust: Das Szenario und die Schauspielerinnen hätten da deutlich mehr verdient als das, was das unausgegorene Drehbuch daraus macht. Ein solider Thriller ist Copykill aber auch so geworden, gerade das Katz-und-Maus-Spiel fesselt über längere Strecken. Zum Ende hin geht die Spannungskurve sogar noch einmal stark nach oben, wenn aus dem Fernduell die unausweichliche Konfrontation wird. Fans solcher Serienmörder-Thriller schauen deshalb rein, auch wenn der Film mit Titeln wie Das Schweigen der Lämmer und Sieben nicht mithalten kann.

Credits

OT: „Copycat“
Land: USA
Jahr: 1995
Regie: Jon Amiel
Drehbuch: Ann Biderman, David Madsen
Musik: Christopher Young
Kamera: László Kovács
Besetzung: Sigourney Weaver, Holly Hunter, Dermot Mulroney, William McNamara

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4.5/5 - (20 votes)
Copykill
In „Copykill“ arbeitet eine traumatisierte Psychologin mit der Polizei zusammen, um einen Serienmörder zu schnappen. Das ist gut besetzt, vor allem Sigourney Weaver hat in dem Katz-und-Maus-Spiel einige intensive Auftritte. Diverse inhaltliche Mängel und die willkürliche Dynamik zwischen den Figuren verhindern aber Größeres.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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