Kritik

The Informer DVD

„The Informer“ // Deutschland-Start: 24. April 2020 (DVD/Blu-ray)

Viele Jahre hätte Pete Koslow (Joel Kinnaman) noch im Gefängnis verbringen müssen. Doch er kam vorzeitig frei, durch einen Deal mit dem FBI: Er arbeitet als Spitzel für sie und liefert ihnen einen polnischen Drogenboss. Gerade als er sich seinem Ziel ganz nahe fühlt, kommt es jedoch zu einem Zwischenfall, der einen jungen Polizisten das Leben kostet. Während Detective Grens (Common) von der New Yorker Polizei alles dafür tut, den Mörder seines Kollegen zu finden, versuchen Wilcox (Rosamund Pike) und Montgomery (Clive Owen) vom FBI zu retten, was zu retten ist. Und das bedeutet Koslow wieder in den Knast stecken, in der Hoffnung, dass er dort die notwendigen Informationen bekommt, um den Fall doch noch zu einem Ende zu bringen …

Wenn Filme mehrfach verschoben werden, ist das selten ein gutes Zeichen. Die Erwartungen an The Informer waren deshalb eher gering, der eine ganze Reihe ursprünglich geplanter Termine verpasst hat, sowohl in den USA wie auch Deutschland. Und das, obwohl es sich eigentlich eher um einen B-Movie handelt, wenngleich mit einigen bekannteren Schauspielern und Schauspielerinnen besetzt. Nun erreicht der Thriller doch noch hiesige Gefilde, nachdem ein Kinotermin aus mehreren Gründen keine Option mehr war. Hat sich die lange Wartezeit gelohnt? Geht so. Ein cineastisches Highlight haben unsere Lichtspielhäuser hiermit nicht verpasst. Aber der Film tut, was er tun soll.

Ein Guter, versteckt unter vielen Bösen
Er tut sogar ein bisschen mehr als das. Ein Undercover-Cop, der sich bei Verbrechern einschleust, um deren Gang zu Fall zu bringen, das hat es im Action- bzw. Thrillerbereich oft genug gegeben, etwa beim Kultfilm Gefährliche Brandung oder auch The Fast and the Furious, welches ein ganzes Hit-Franchise lostrat. Was The Informer jedoch von den Kollegen unterscheidet, ist die Vielzahl an Interessensgruppen, die im Laufe des Films mitmischen. Wo sich meistens nur zwei Seiten – die gute und die böse – gegenüberstehen, der Held vielleicht ein bisschen in der Mitte herumschlingert, da steht Koslow gleich drei Parteien gegenüber, die ihm alle gefährlich werden können: die Polizei, das FBI und die Gangster. Erst einmal im Knast gelandet, kommen noch weitere hinzu, wenn auf einmal jeder zum Gegner wird.

Der Spaß liegt hier dann ausnahmsweise mal nicht darin, wie der strahlende Held gegen die Verbrecher kämpft oder sich Zugang zu den obersten Kreisen beschafft. Es ist vielmehr der Wettstreit der vielen Beteiligten, welche den Reiz von The Informer ausmachen. Denn hier verschwimmen schnell die Grenzen, wer überhaupt noch Freund, wer Feind ist. In dem Kuddelmuddel geht Pete ein wenig unter, was einige im Publikum irritieren könnte. Lange Zeit ist er nicht mehr als ein groß gewachsener Spielball, der nach Belieben durch die Gegend gekickt wird. So richtig nachvollziehbar ist das nicht immer, was da genau geschieht, erst relativ spät darf Joel Kinnaman (Suicide Squad) auch mal tatsächliche Präsenz und Tatendrang zeigen. Es wird auch nicht viel in die Charakterisierung seiner Figur investiert. Für seine von Ana de Armas gespielte Frau Sofia würde Pete alles tun, mehr erfahren wir nicht über ihn.

Viel Feind, wenig Zeit
Aber auch andere kommen in dem moralisch grauen Chaos zu kurz. Genauer hat man das Gefühl, dass der zugrunde liegende Roman des schwedischen Autorenduos Anders Roslund und Börge Hellström zu umfangreich war, um ihn in eine handelsübliche Spielfilmzeit zu pressen. Der eigentliche Auftrag, der Pete ins Gefängnis führt, wird beispielsweise nach ein paar Minuten wieder fallengelassen. Die spannenden Parallelstrukturen, dass Wärter selbst beim Drogenhandel mitmischen und das FBI schon mal über Leichen geht, das wird nur kurz angeschnitten. Und zum Ende hin zieht sich The Informer ein bisschen leicht aus der Affäre, wenn die schönen vielen Grautöne einfach beiseite gewischt werden. Da hätte dem Film noch mehr Mut zum Bösen gut getan.

Insgesamt ist der Film aber ausgesprochen solide. Durch die vielen beteiligten Personen herrscht ein ständiges Gefühl von Bedrohung, das Tempo ist trotz eher spärlicher Actionszenen recht hoch, zudem ist die Geschichte weniger vorhersehbar als bei vielen Konkurrenten. An einigen Stellen wird der Thriller auch überraschend brutal, wenn Pete oder den anderen jedes Mittel recht ist, um noch heil aus der Sache herauszukommen. Das reicht dann zwar nicht aus, um The Informer aus dem soliden Mittelfeld heraustreten zu lassen. Wer aber einfach nur mal wieder sehen will, wie Gangster, Cops und alles dazwischen sich das Leben zur Hölle machen, angereichert mit ein wenig Deep State Horror, der wird hier ausreichend bedient.

Credits

OT: „The Informer“
Land: UK
Jahr: 2019
Regie: Andrea Di Stefano
Drehbuch: Matt Cook, Andrea Di Stefano, Rowan Joffe
Vorlage: Anders Roslund, Börge Hellström
Musik: Brooke Blair, Will Blair
Kamera: Daniel Katz
Besetzung: Joel Kinnaman, Rosamund Pike, Common, Ana de Armas, Clive Owen

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The Informer
4.12 (82.35%) 17 Artikel bewerten

The Informer
In „The Informer“ soll ein Ex-Knacki als Spitzel arbeiten und gerät dabei zwischen die Fronten von polnischen Gangstern, dem FBI und der Polizei. Es ist gerade dieses Wechselspiel der verschiedenen Gruppierungen, die dem Film seinen Reiz verleihen, auch wenn die Zeit nicht reicht, um das alles zu vertiefen und aus dem Szenario wirklich etwas herauszuholen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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