(„Suicide Squad“ directed by David Ayer, 2016)

„Suicide Squad“ läuft ab 18. August im Kino

Was tun, wenn die Erde einmal wirklich von Superwesen angegriffen würde, mit Fähigkeiten, gegen die normale Menschen keine Chance haben? Wenn es nach Geheimagentin Amanda Waller (Viola Davis) geht, ist die Antwort eindeutig: Man braucht eine Abwehrtruppe mit eben solchen Fähigkeiten, selbst wenn man dafür auf Verbrecher wie Deadshot (Will Smith), Harley Quinn (Margot Robbie), Captain Boomerang (Jai Courtney) oder El Diablo (Jay Hernandez) zurückgreifen muss. Ein solcher Notfall tritt tatsächlich bald darauf ein, als die gottgleiche Enchantress (Cara Delevingne) sich zusammen mit ihrem Bruder dafür rächen will, von den Menschen nicht länger verehrt und sogar eingesperrt worden zu sein. Also macht sich die Suicide Squad in Hoffnung auf Spaß und Straferlass zusammen mit Rick Flag (Joel Kinnaman) auf den Weg, dem übermächtigen Feind Paroli zu bieten.

Ein bisschen Mitleid kann man mit Warner Bros derzeit schon haben angesichts der kontinuierlichen Häme, die das Studio für seine Versuche erntet, ein DC Comics Cinematic Universe nach dem Vorbild von Marvel aufzubauen. War Man of Steel aller durchwachsener Reaktionen zum Trotz immerhin der erfolgreichste Superman-Film aller Zeiten, enttäuschte Batman v Superman: Dawn of Justice sowohl an den Kinokassen wie bei Kritikern und Publikum. Und selbst im Animationsbereich, der eine also, wo man Marvel voraus war, hielt sich die Begeisterung zuletzt zurück: Die mit Spannung erwartete Adaption Batman: The Killing Joke fiel ebenfalls bei den Fans durch, vor allem dank des umfangreichen wie unnötigen Prologs wie auch der enttäuschenden Optik wegen.

Nun also Suicide Squad, und dieses Mal sollte alles anders werden. Die Chancen dafür standen nicht schlecht. Zum einen wurden hier lauter Bösewichter versammelt, welche ja traditionell eher eine Stärke der DC Comics sind. Zum anderen versprach der Trailer, dass man sich ein wenig von der erzwungenen Freudlosigkeit Nolans und Znyders verabschieden wollte, man hier ein gut gelauntes Anti-Helden-Abenteuer plante – eine Mischung aus Guardians of the Galaxy und Deadpool. Aber siehe da: Erneut war das Feedback der Kritiker verheerend, teilweise soll der Film den ohnehin verhassten Batman v Superman: Dawn of Justice noch einmal unterbieten. Etwas unfair ist diese extreme Schelte schon, denn für sich genommen ist der erste Auftritt der Comic-Schurken durchaus ordentlich, wenn auch ein Beispiel dafür, wie verblüffend leichtfertig großes Potenzial verschenkt werden kann.

Dieses Potenzial betrifft in erster Linie natürlich das farbenfrohe Ensemble. Margot Robbie als psychopathische Kleinmädchenschlägerin Harley Quinn wurde von der Marketingabteilung ja besonders gern in den Vordergrund geschoben, eine Entscheidung, die dank der vor Leben und Lust sprühenden Darstellung auch durchaus gerechtfertigt war. Aber auch Will Smith darf als Revolverheld Deadshot lang vergessene Starqualitäten unter Beweis stellen. Ebenfalls positiv hervorzuheben ist Jay Hernandez als feuerwerfender El Diablo, selbst wenn seine Fähigkeiten nur selten eingesetzt werden. Die größte Überraschung stellt jedoch Viola Davis dar, deren Geheimagentin Waller furchteinflößender als so mancher der eigentlich Bösen ist.

Doch das ist eben auch eines der Probleme von Suicide Squad: der enttäuschende Gegenspieler. Als anfänglich hin und her gerissene, äußerst düstere Enchantress macht Cara Delevingne zunächst eine gute Figur. Später jedoch, nach einem gewissen Event, wird sie zu einer billigen Aztekenimitation, die ständig mit den Armen zu schlechten CGI-Effekten kreist. Überhaupt sind die Effekte teils recht enttäuschend: Der reptilienähnliche Killer Croc ist ein schlechter Witz, der keine wirkliche Funktion im Film hat, auch El Diablos Feuerkünste sind billig und einfallslos in Szene gesetzt.

Am schlimmsten ist jedoch, dass in Suicide Squad kein rechtes Konzept zu erkennen ist. Nach dem stimmungsvollen Einstieg, der den bunten Verbrecherhaufen vorstellt, wusste man offensichtlich nicht wirklich, was mit diesem anzufangen ist. Das fängt schon mit dem Allerweltsplot an, der selbst für eine Comic-Adaption zu dünn und nichtssagend ist. Da Ayer, der nicht nur für die Inszenierung, sondern auch den Inhalt verantwortlich war, sich dessen offensichtlich bewusst war, ließ er seine Figuren dafür umso mehr kämpfen. Da ist manchmal gut anzusehen, manchmal – besagter Effekte sei Dank – aber auch nicht. Vor allem aber lässt es keinen Platz zu, dass die Einsatztruppe auch mal ein bisschen Profil entwickelt und zu dem Team wird, welches am Ende dreist formuliert wird. Wie schon bei Batman v Superman: Dawn of Justice wird auch hier verpasst, die diversen neu eingeführten Figuren sinnvoll und natürlich zusammenzubringen. Viele hätte man problemlos streichen können, darunter auch der so medienwirksam als Joker eingesetzte Jared Leto, der nur wenige Minuten zu sehen ist und in diesen so gar keinen Eindruck hinterlässt.

Schade ist zudem, dass nach dem Einstieg die Mischung aus Neonfarben und einem wild zusammengestellten Soundtrack recht bald fallengelassen wird. Ganz so dröge wie die beiden andere DC-Vorgänger wird es danach zwar nicht, dafür sorgen schon die diversen Oneliner. Wenn es aber einen Film gibt, der einen die verspielte Abgründigkeit der Tim-Burton-Interpretationen (Batman, Batman Returns) vermissen lässt, dann ist es Suicide Squad, der als Einstieg in zukünftige Filme mit den Figuren durchaus Laune macht, für sich genommen dann aber doch wieder zu sehr im Mittelmaß kleben bleibt. Ein Film, der irgendwie da ist und auch seine gut zwei Stunden dauert, von dem man anschließend aber kaum sagen kann, wofür die viele Zeit eigentlich gebraucht wurde.

Suicide Squad
4 (80%) 11 Artikel bewerten

Suicide Squad
„Suicide Squad“ hat eigentlich alles, was es für einen guten Comic-Film braucht: interessante Figuren, spielfreudige Darsteller, viel Action und eine zunächst stimmungsvolle Inszenierung. Zum Ende hin bleibt das Potenzial dann aber doch unausgenutzt, dafür ist der Inhalt einfach zu nichtssagend, die Figurenentwicklung überhastet und die Effekte teils wenig überzeugend.
6von 10

Eine Antwort

  1. entermusement

    Einen Vorteil hat sich DC bei mir ja mittlerweile erarbeitet: ich erwarte von den Verfilmungen nicht mehr viel, egal wie bombastisch sie angepriesen werden. Das minimiert die Enttäuschung gewaltig. Ich kann nicht genau mit dem Finger darauf zeigen, was bei DC schief läuft, am ehesten würde ich noch sagen, dass der Mut und der Wille zur Selbstironie fehlt.

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