Kritik

The Gangster the Cop the Devil

„The Gangster, the Cop, the Devil“ // Deutschland-Start: 29. November 2019 (DVD/Blu-ray)

Als Jung Tae-Seok (Moo-Yul Kim) am Tatort ankommt, ist für ihn der Fall klar: Die brutal niedergestochene Leiche war das Werk eines Serienmörders. Nur will keiner dem jungen Polizisten glauben, der schon häufiger durch fragwürdige Alleingänge aufgefallen ist. Und er soll Recht behalten, denn das nächste Opfer ist ausgerechnet der gefürchtete Gangsterboss Jang Dong-Soo (Ma Dong-Seok), der sich jedoch ganz gut zur Wehr setzen konnte und nun im Krankenhaus liegt. Jung kennt ihn natürlich von der Arbeit, vor allem durch die diversen Razzien in Jangs illegalen Spielhöllen, das Verhältnis ist nicht das beste. Und doch entschließen sie sich, bei dieser Sache zusammenzuarbeiten und den Killer zu schnappen, bevor er noch weiteres Unheil anrichten kann …

Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Das zeigt sich nicht nur in der Politik, wo sich immer wieder die seltsamsten Allianzen bilden. Gerade auch in Filmen kommen immer wieder sehr gegensätzliche Figuren zusammen, die notgedrungen und zwecks eines größeren gemeinsamen Ziels ihre Differenzen beiseitelegen müssen. Das betrifft gerade Cops des Öfteren, die einen Fall lösen müssen, auch wenn sie den jeweiligen Partner nicht ausstehen können, es regelmäßig zu Reibereien kommt. Immerhin, sind die Schwierigkeiten erst einmal aus dem Weg geräumt, winkt nicht nur der Triumph in der Sache. Meistens steht am Ende sogar eine dicke Freundschaft – siehe Lethal Weapon und Konsorten.

Wer ist hier noch mal der Gute?
The Gangster, the Cop, the Devil erinnert an diese Buddy Movies von einst, auch weil die Action des Films mit jeder Menge Streitigkeiten und auch humorvolleren Elementen einhergehen. Dabei geht es jedoch noch deutlich dreckiger zu als bei den bekannten Werken, die zu ganzen Franchises heranwuchsen. Wenn wir Jang Dong-Soo anfangs im Einsatz erleben, dann zeigt er sich von einer derart brutalen Seiten, dass man sich nicht ganz sicher sein kann, ob er nun der Gangster oder der Teufel aus dem Titel ist. Wobei auch Jung Tae-Seok nicht unbedingt dem Ideal des aufrechten Cops entspricht. So ist er zwar nicht für Korruption empfänglich, neigt aber ebenfalls dazu, das Gesetz sehr offen zu interpretieren. Regeln? Die gelten nur für andere.

Wenn zwei solche Figuren aufeinandertreffen, ist klar, dass da bald die Fetzen fliegen. Und tatsächlich gehört es auch zu den spaßigsten Momenten von The Gangster, the Cop, the Devil, wie die zwei immer wieder aneinandergeraten, der eine den anderen vorführt oder man hinter dem Rücken agiert, weil sowieso niemandem getraut werden darf. Da hätte es fast nicht den dritten Hauptdarsteller gebraucht: In dem Film bekriegen sich so viele gegenseitig, gleich auf welcher Seite des Gesetzes sie nun stehen mögen, dass man sich auch einfach zurücklehnen kann und das Gemetzel genießen, sowohl das verbale wie das physische.

Spaßiges Actionkino alter Schule
Die Mörderjagd an sich ist dabei weniger spannend, als Zuschauer weiß man schließlich schon früh, was Sache ist. Außerdem ließ sich Regisseur und Drehbuchautor Won-tae Lee bei seinem Thriller nicht dazu hinreißen, vergleichbar zu Memories of Murder gleichzeitig einen Kommentar zum Land und zur Gesellschaft geben zu wollen. The Gangster, the Cop, the Devil hat keine großen Ambitionen, will gar nicht mehr sein als etwas altmodisches Actionkino im Stil der früheren Hongkong-Filme. Dass die Geschichte im Jahr 2005 spielt, hängt beispielsweise nur damit zusammen, dass ein wahrer Fall den Film inspirierte. Genauso gut hätte das Setting auch zehn Jahre früher oder später sein können, ohne dass sich dabei etwas Nennenswertes ändert.

Aber das muss ja nichts Verkehrtes sein. Tatsächlich dürfte diese Zeitlosigkeit nicht unerheblich gewesen sein bei den Plänen, aus dem Stoff ein US-Remake machen zu wollen – die simple Anordnung funktioniert überall. Es spricht sogar für den Film, dass er so universell ist, um auf einer Reihe von Festivals laufen zu können, von Cannes bis zum Fantasy Filmfest. Und wo immer er auch gezeigt wurde, vor allem der Auftritt des südkoreanischen Darstellers Ma als skrupelloser Haudrauf-Gangster sorgte für jede Menge gute Laune. The Gangster, the Cop, the Devil mag das Rad nicht neu erfinden oder überraschend sein, der Unterhaltungsfaktor stimmt aber, erfreut gerade auch Actionfans mit vielen handfesten Szenen, in denen noch wie früher drauflos geprügelt werden darf.

Credits

OT: „Aginjeon“
Land: Südkorea
Jahr: 2019
Regie: Won-tae Lee
Drehbuch: Won-tae Lee
Musik: Yeong-wook Jo
Kamera: Se-seung Park
Besetzung: Dong-seok Ma, Mu-yeol Kim, Sung-kyu Kim, Dong-won Heo, Seo-hwan Lee

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The Gangster, the Cop, the Devil
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The Gangster, the Cop, the Devil
Wenn ein hitzköpfiger Polizist und ein skrupelloser Verbrecher gemeinsame Sache machen, um einen Serienmörder zu schnappen, dann bedeutet das viel Action und zahlreiche Wortgefechte. Die Geschichte wird bei „The Gangster, the Cop, the Devil“ schnell zur Nebensache, auch die Mördersuche bringt wenig Spannung. Dafür macht der etwas altmodische Thriller Spaß.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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