Kritik

Malavita The Family

„Malavita – The Family“ // Deutschland-Start: 21. November 2013 (Kino) // 11. April 2014 (DVD/Blu-ray)

Die Zeichen stehen auf Neuanfang für Familie Manzoni. Eigentlich lebten sie ja in New York, bis Familienoberhaupt Giovanni (Robert De Niro) einen konkurrierenden Mafiaboss durch seine Aussage in den Knast brachte. Jetzt nennt er sich Fred Blake und zieht mit seiner Frau Maggie (Michelle Pfeiffer), Sohn Warren (John D’Leo) und Tochter Belle (Dianna Agron) im Rahmen eines Zeugenschutzprogrammes in ein kleines Dorf in der Normandie. So richtig glücklich ist die Familie in ihrer neuen Heimat jedoch nicht, obwohl FBI-Agent Stansfield (Tommy Lee Jones) stets ein Auge auf die Blakes hat, kommt es vermehrt zu Zwischenfällen. Die eigentliche Gefahr geht aber von New York aus, wo die von Giovanni verratenen Mafiosi noch immer auf Rache aus sind …

Französische Regisseure, die internationales Blockbusterkino machen, die gibt es nicht sehr viele. Einer, dem das immer mal wieder gelungen ist: Luc Besson. Dabei war die Karriere des Filmemachers alles andere als geradlinig. Nicht nur, dass die Einspielergebnisse enorm schwankten, große Hits wie Das fünfte Element und Lucy sich mit winzigen Produktionen oder auch enttäuschenden Flops abwechselten. Auch inhaltlich war bei ihm alles drin, von Science-Fiction-Fantasie über knallharte Killer-Action bis zu bunten Animationsfiguren für die ganze Familie. Da wusste man im Vorfeld nie so recht, was einen als Nächstes erwartet.

Brutale Überreaktionen
Manchmal weiß man es aber auch im Nachhinein nicht, siehe Malavita – The Family. Die Erwartungen waren im Vorfeld groß, wer könnte schon zu einer schwarzen Komödie mit De Niro, Pfeiffer und Jones Nein sagen? Das Problem ist jedoch, dass man gar nicht so genau sagen kann, ob es sich tatsächlich um eine schwarze Komödie handelt. Oder überhaupt um eine Komödie. Natürlich gibt es schon witzige Stellen in dem Film. Beispielsweise haben alle vier Mitglieder den Hang dazu, ein klein wenig zu überreagieren. Sobald jemand auch nur ein falsches Wort zu ihnen sagt, wird zu den Waffen gegriffen, was je nach Situation ein Hammer, ein Benzinkanister oder ein Tennisschläger sein. Erlaubt ist, was andere mundtot macht.

Das erinnert ein wenig an John Waters’ Kultfilm Serial Mom – Warum lässt Mama das Morden nicht?, wo eine vermeintlich harmlose Hausfrau ebenfalls zu mörderischen Exzessen neigt. Dort war es aber auch der satirische Kontrast aus heiler Vorstadtidylle und blutigen Abgründen, welcher zur Unterhaltung beitrug. Bei Malavita – The Family fehlt dieser satirische Aspekt, die überraschende Brutalität wird zum sinnlosen Selbstzweck. Das ist in anderen Werken natürlich auch so, im Bereich Horror, Action oder Thriller wird auf diese Weise Spannung generiert. Besson will aber beides, den Humor und die Spannung – und scheitert mit diesem Vorhaben. Richtig komisch ist sein Film nur selten, packend auch nicht. Dafür kommt der Aspekt mit der Verfolgung durch die Mafiosi einfach zu spät.

Alles wie daheim
Tatsächlich mangelt es Malavita – The Family letztendlich an einer erzählenswerten Geschichte. Die einzige Form von Entwicklung gibt es im Fall Belle, die sich in einen Schüler verliebt. Außerdem jagt Giovanni als Running Gag den Verantwortlichen hinterher, die für das unhygienische Wasser zuständig sind. Ansonsten besteht die Krimikomödie aus wahllos zusammengeschnittenen Szenen, in denen meist eines der Familienmitglieder Ärger bereitet. Es fehlt die Abwechslung, es fehlt ein tatsächlicher Austausch mit der Bevölkerung. Die naheliegenden Culture-Clash-Elemente, wenn eine amerikanische Gangsterfamilie in ein französisches Dorf zieht, die werden fast völlig missachtet. Irritierend ist in der Hinsicht auch, dass sämtliche Einwohner und Einwohnerinnen Englisch sprechen, wodurch auch nie der Eindruck entsteht, die Familie wäre tatsächlich woanders in der Provinz.

Das ist dann zwar nicht so katastrophal, wie es sich vielleicht anhören mag. Einige der besonders harschen Verrisse seinerzeit waren sicher etwas übertrieben. Gute Elemente gibt es schließlich, beispielsweise die sehr schönen Bilder, die wir Bessons Stamm-Kameramann Thierry Arbogast zu verdanken haben. Und auch das Ensemble trägt dazu bei, dass der unausgegorene Mix nicht komplett auseinanderbricht, zumal De Niro für einen überzogenen Mafia-Film eine gute Wahl ist. Aber es ist schon sehr schade, weil das Szenario und das versammelte Talent so viel mehr erhoffen ließen. So aber bleibt Malavita – The Family ein Film, der manchmal irritiert, manchmal langweilt und nur manchmal unterhält.

Credits

OT: „The Family“
Land: Frankreich, USA
Jahr: 2013
Regie: Luc Besson
Drehbuch: Luc Besson, Michael Caleo
Vorlage: Tonino Benacquista
Musik: Evgueni Galperine, Sacha Galperine
Kamera: Thierry Arbogast
Besetzung: Robert De Niro, Michelle Pfeiffer, Tommy Lee Jones, Dianna Agron, John D’Leo

Bilder

Trailer

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Malavita – The Family
3.88 (77.5%) 24 Artikel bewerten

Malavita – The Family
Eine schwarze Komödie Robert De Niro und Michelle Pfeiffer als amerikanische Gangster, die in einem französischen Dorf den Neustart wagen? Das hörte sich gut an. Leider ist „Malavita – The Family“ aber kein guter Film, da Regisseur Luc Besson eine Mischung aus Humor und Spannung will, beides aber nicht wirklich gelingt. Das ist nur manchmal unterhaltsam, trotz schöner Bilder und toller Besetzung hält sich die Begeisterung in Grenzen.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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