(„Serial Mom“ directed by John Waters, 1994)

Serial MomEs gibt Frauen, denen im Leben so ziemlich alles zu gelingen scheint: Sie sind wunderbare Köchinnen, halten den Haushalt ohne die geringsten Mühen im Schuss, sind in der Nachbarschaft beliebt, die perfekten Mütter, eine treusorgende Ehefrau. Und dann gibt es noch Beverly Sutphin (Kathleen Turner). Wenn der Begriff Bilderbuchmama für jemanden entworfen wurde, dann für sie. Beverly ist die personifizierte Güte und Vorbildlichkeit, die nicht nur à la Cinderella mit den Vögeln im Garten singt, sondern sich auch jegliche unanständige Wörter oder Kaugummi in ihrem heimeligen Zuhause verbietet – selbst dann, wenn es sich bei dem Übeltäter um die Polizei handelt.

Beverly hat nur einen klitzekleinen Makel, welcher der Polizei ebenso wenig schmeckt: Sie bringt ständig Leute um. Natürlich nicht wahllos, sondern nur, wenn diese den Tod verdient haben. Und das haben sie Beverlys Ansicht nach schon dann, wenn sie deren Fähigkeiten als Mutter kritisieren oder den Müll nicht trennen. Einer Nachbarin macht sie sogar das Leben zur Hölle, weil diese ihr einmal etwas rücksichtslos den Parkplatz weggeschnappt hat. Nachsicht gehört also weniger zu den Tugenden der Matriarchin im Hause Sutphin. Immerhin schafft sie es, dieses Doppelleben recht lange aufrecht zu erhalten. Weder ihr treuer Gatte Eugene (Sam Waterston), noch die beiden Kinder Misty (Ricki Lake) und Chip (Matthew Lillard) ahnen, welch verborgene Talente in ihrer Mutter schlummern. Und als sie das endlich tun, ist es quasi schon zu spät, denn die „Serial Mom“ ist längst zu einer Mediensensation geworden.Serial Mom Szene 1

Freunde schwarzen Humors dürfte der inzwischen 19 Jahre alte Serial Mom bekannt sein, handelt es sich dabei doch um einen der großen Mainstream-Filme von John Waters. Oder das, was Waters unter Mainstream versteht. Natürlich: Wenn eine Hausfrau aus den nichtigsten Gründen zu Messer, Schere oder auch Braten greift, um ihre Mitmenschen ins Jenseits zu befördern, ist das gnadenlos übertrieben. Wer schon immer der Ansicht war, dass Satiren eher subtil und nur leicht angespitzt sein sollten, um das Ziel zu treffen, sollte sich selbst einen Gefallen tun und einen großen Bogen um diesen Film machen. Aber die bitterböse Abrechnung mit Amerikas Heile-Welt-Träumen ist witzig und heute genauso aktuell wie damals – vor allem, wenn Waters später auch über die Medien und die Sensationsgeilheit der Massen spottet.Serial Mom Szene 2

Dass die ehemalige Trashikone Waters dabei häufig die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet und erst gar nicht versucht, eine plausible Geschichte zu erzählen, stört da nicht weiter. Im Gegenteil: Was für die einen klare Schwächen sind, machte vielmehr einen Teil des Charmes aus und ließ Serial Mom seinerzeit Kultstatus erreichen. An den Kinoklassen wurde der Film über die Vorzeigemama trotz einer gewohnt wunderbaren Kathleen Turner dennoch zu einem Vorzeigeflop. Liebhaber böser, schwarzer Komödien, die die Vorstadtsatire noch nicht kennen, sollten die Wiederveröffentlichung zum Anlass nehmen, das endlich nachzuholen. Schade, nur, dass auch diesmal ein Großteil des Publikums zwangsweise draußen bleiben wird: Aus einem unverständlichen Grund entschied sich Universal, den Film exklusiv auf Blu-ray rauszubringen. Besitzer einfacher DVD-Player schauen also auch im Jahre 19 nach dem Erstrelease in die Röhre und müssen weiter warten.

Serial Mom ist seit 8. Mai auf Blu-ray erhältlich

Serial Mom – Warum lässt Mama das Morden nicht?
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Serial Mom – Warum lässt Mama das Morden nicht?
Absurd, unglaubwürdig, oft geschmacklos aber auch oft gnadenlos witzig – Serial Mom ist auch 19 Jahre später ein Mordsspaß. Fans freuen sich, dass der Kultfilm endlich wieder erhältlich ist, aber auch Liebhaber deftiger Satiren dürften der Geschichte um die mordende Bilderbuchmama etwas abgewinnen können.
7von 10

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