Kritik

Road to Perdition

„Road to Perdition“ // Deutschland-Start: 5. September 2002 (Kino) // 3. Mai 2013 (DVD/Blu-ray)

In der Kleinstadt Rock Island wächst Michael Sullivan Jr. (Tyler Hoechlin) in einem sehr behüteten Elternhaus auf. Trotz der Prohibition, der Armut und der Arbeitslosigkeit geht es den Sullivans sehr gut, was nicht zuletzt an der Anstellung Michael Sullivans (Tom Hanks) in der Organisation des reichen Geschäftsmannes John Rooney (Paul Newman) liegt. Doch auch wenn sich sein Vater alle Mühe gibt, seine wirkliche Tätigkeit zu verschweigen und vor seinen Kindern geheim zu halten, ahnt Michael schon, dass sein Vater wohl mehr als nur ein Geschäftspartner ist. Als er sich eines Abends Gewissheit verschaffen will, wird er Zeuge eines Mordes und sieht, wie sein Vater mehrere Menschen erschießt. Nach außen hin versucht sein Vater immer noch die normale Fassade zu wahren, doch die Beziehung zu seinem Sohn wird zunehmend schwieriger. Als dann Connor Rooney (Daniel Craig) aus Angst vor der möglichen Zeugenaussage Michaels Sohn, Sullivans zweiten Sohn und dessen Frau ermordet, sind Vater und Sohn gezwungen zu fliehen. Auf ihrer Flucht schmiedet sein Vater nicht nur einen Plan, wie er an seinem ehemaligen Boss Rache nehmen kann, sondern es kommt auch dazu, dass er durch die Zeit mit seinem Sohn, diesem näher kommt und dieser seinen Vater so kennenlernt, wie es vorher nicht möglich war.

Bilder meines Vaters
Basierend auf der Graphic Novel aus der Feder Max Allan Collins’ war Road to Perdition nach dem gefeierten American Beauty das nächste Projekt, welches Regisseur Sam Mendes verfolgte. Abermals kooperierte Mendes mit Kameramann Conrad L. Hall, mit dem er eine nostalgische, schöne aber auch immer wieder dunkle Vision eines Amerika zeigte, das dabei war, seine Unschuld zu verlieren und eine Geschichte über Vaterfiguren sowie deren Auflösung erzählt, wie es bereits American Beauty tat. Den Erfolg des Films sollte Hall aber leider nicht mehr miterleben, jedoch wurde er für seine Leistungen posthum mit dem Oscar geehrt und Road to Perdition seinem Andenken gewidmet.

Noch heute wirkt die Rolle des Michael Sullivan etwas surreal, erkennt man Tom Hanks doch bisweilen kaum wieder. Dieser Mensch ist eher verschlossen, in sich gekehrt und dann wieder überraschend zärtlich, sodass man auf der einen Seite den Gangster erkennen kann, dieser dann aber wieder ein Vater ist, der versucht das Richtige zu tun. Auch wenn die Taten einer solchen Figur blutig und kriminell sind, so nimmt man ihm doch eben jenen Balanceakt zwischen Integrität und moralischer Verwerflichkeit ab. Dies liegt nicht zuletzt am Fokus des Films auf Vaterfiguren und wie sie ihre Söhne prägen.

Wenn man die große Familienfeier am Anfang des Films sieht, wird man nicht umhinkommen, sich an Filme wie Francis Ford Coppolas Der Pate zu erinnern. Auch im Drehbuch von David Self geht es um Generationen von Männern, eine maskuline Hierarchie, die sich als Familie begreift und sich jemand wie der von Paul Newman gespielte John Rooney als eine Art Übervater gibt, als sanfter Riese, der über allem herrscht. Enttäuschungen, Ambition und nicht zuletzt Habgier haben diese Familie, wenn sie denn je eine war zerfressen, so dass der im Titel angesprochene Straße in den Ruin nicht nur eine Abwendung vom Vater ist, sondern zudem eine Einsicht in ein zutiefst marodes System.

Verlust der Unschuld
Es ist schon interessant, dass gerade inmitten einer solchen Dunkelheit der Aspekt der Unschuld immer wieder aufgegriffen wird und eine solch zentrale Rolle spielt. Gerade im Gangsterfilm sind es die Kinder, die anfällig für die Verführungen der (Ersatz-)Väter werden und ihre Unschuld verlieren. In Road to Perdition ist eben jene Unschuld das höchste Gut, eines, für welches Michael bereits ist zu sterben und welches er in seinem Sohn symbolisiert sieht. Ironischerweise heißt dies auch eine zunehmende Distanz zu der Seite seiner selbst, die ihn zu einem gefürchteten Gangster gemacht hat sowie einem zuverlässigen Handlanger, der Schulden notfalls auch mit Gewalt eintreiben kann.

Diese Dualität von Amerika, welche das Dunkle wie auch das Unschuldige vereint, findet seinen Weg in die Bilder Conrad C. Halls sowie in die prächtige Ausstattung des Films. Die Bilder der Arbeiter auf dem Weg in die Fabrik, die Kostüme sowie die Automobile zeigen ein Bild der Vereinigten Staaten im Aufbruch zu etwas Besserem, während auf der anderen Seite Männer wie Al Capone und Meyer Lansky die Unterwelt kontrollieren und die unter ihnen durch Geld, Manipulation und Gewalt an sich binden und korrumpieren.

Credits

OT: „Road to Perdition“
Land: USA
Jahr: 2002
Regie: Sam Mendes
Drehbuch: David Self
Vorlage: Max Allan Collins
Musik: Thomas Newman
Kamera: Conrad L. Hall
Besetzung: Tom Hanks, Paul Newman, Tyler Hoechlin, Jude Law, Daniel Craig, Stanley Tucci

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2003 Bester Nebendarsteller Paul Newman Nominierung
Beste Kamera Conrad L. Hall  Sieg
Bestes Szenenbild Dennis Gassner, Nancy Haigh Nominierung
Beste Musik Thomas Newman Nominierung
Bester Ton Scott Millan, Bob Beemer, John Pritchett Nominierung
Bester Tonschnitt Scott Hecker Nominierung
BAFTA Awards 2003 Bester Nebendarsteller Paul Newman Nominierung
Beste Kamera Conrad L. Hall  Sieg
Bestes Szenenbild Dennis Gassner Sieg
Golden Globe Awards 2003 Bester Nebendarsteller Paul Newman Nominierung

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Road to Perdition
4.5 (90%) 2 Artikel bewerten

Road to Perdition
„Road to Perdition“ ist ein beeindruckender Film über den Verlust der Unschuld und über Vaterfiguren. Mit einem tollen Ensemble, einem großartigen Score von Thomas Newman sowie den Bildern Conrad C. Halls erhält Sam Mendes‘ Film jene dramatische Wucht, die er für seine Themen benötigt und wird damit zu einem sehr sehenswerten Film.
8von 10

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