Kritik

Brahms The Boy II

„Brahms: The Boy II“ // Deutschland-Start: 20. Februar 2020 (Kino)

Der Schock sitzt tief bei Liza (Katie Holmes). Zwar ist es schon eine ganze Weile her, dass sie in ihrer Wohnung überfallen wurde, doch die nächtlichen Albträume um die Angreifer wollen nicht aufhören. Noch schlimmer hat es ihren Sohn Jude (Christopher Convery) erwischt, der seit dem Vorfall nicht mehr sprechen kann und völlig traumatisiert ist. Um endlich die Vergangenheit hinter sich lassen zu können, beschließen Liza und ihr Mann Sean (Owain Yeoman), in ein kleines Häuschen auf dem Land zu ziehen, wo sie endlich wieder zur Ruhe kommen wollen. Tatsächlich scheint der Tapetenwechsel zu funktionieren, vor allem als Jude eine alte Puppe findet und sich dank ihr wieder sicherer fühlt. Dabei ahnen die drei nicht, dass die Puppe eine äußerst grausame Vorgeschichte hat …

Wenn ein Film erfolgreich ist, dann bietet sich ja fast immer an, im Anschluss noch eine Fortsetzung zu drehen. Vor allem, sollte es sich dabei um einen Horrorfilm handeln, ist doch kein Genre prädestinierter für Nachfolger bzw. ganze Reihen, in denen das Grauen immer wieder zurückkehrt. Insofern war es prinzipiell nicht überraschend, als bekannt wurde, dass The Boy einen zweiten Teil bekommen würde, hatte die Geschichte um eine unheimliche Puppe seinerzeit bei einem Budget von 10 Millionen Dollar das Sechsfache wieder eingespielt. Allerdings endete der Film damals auf eine Weise, die nicht wirklich eine Fortsetzung erfordert, sie sogar ein bisschen unmöglich macht – weshalb es wohl auch vier Jahre dauerte, bis der mehrfach verschobene zweite Teil doch noch kommt.

Alles schon mal gesehen
Jetzt ist er da und schließt einerseits nahtlos an den Vorgänger an, teilweise auch nicht. Von den Figuren ist niemand mehr übrig geblieben, Puppe Brahms einmal ausgenommen. Dafür gibt es beim Kreativteam Wiederkehrer, mit Regisseur William Brent Bell und Drehbuchautor Stacey Menear ist das Duo vom letzten Mal wieder vereint. Entsprechend routiniert ist Brahms: The Boy II auch. Trotz eines veränderten Schauplatzes und neuer menschlicher Opfer, die eigentlichen Szenen sind doch sehr ähnlich. Noch immer taucht Brahms an den unmöglichsten Orten auf, scheint sich bewegen zu können, stellt Hausregeln auf, an die sich alle halten sollen, sonst droht mächtiger Ärger.

Richtig spannend war das damals schon bei The Boy nicht, bei der Wiederholung ist auch nicht mehr draus geworden. Beim Aufguss sollte man daher nicht erwarten, Fingernägel knabbernd im Kinosessel zu kauern. Selbst wer den Vorgänger nicht kennen sollte, hat das Gefühl das alles schon mal gesehen zu haben, die einzelnen Schreckmomente sind einfach zu eintönig, zu arm an Ideen. Wenn man den Blick von der Leinwand abwendet, dann nicht vor Entsetzen, sondern um auf die Uhr zu schauen und sich zu vergewissern, wann das Ganze denn ein Ende findet. Obwohl der Film nicht übermäßig lang ist, er zieht sich schon spürbar.

Das Trauma eines Albtraums
Stärken hat der Film dabei schon. Zum einen ist Brahms selbst noch immer ein unheimlicher Anblick, die Puppe muss gar nicht viel tun, um ein leichtes Unwohlsein auszulösen. Außerdem war die Idee, ein Trauma als Ausgangspunkt zu nutzen, um eine Verbindung zwischen dem Jungen und seinem Spielzeug aufzubauen, durchaus gut. Gerade weil die unverarbeitete Gewalt in Jude einen Weg nach draußen sucht, seine zurückgezogene Natur gut zu den Regeln passt, welche die Figur aufgestellt hatte, spielt Brahms: The Boy II mit den Erwartungen des Publikums, was sich nun wirklich dahinter verbirgt. Ist die Puppe Ausdruck von Judes bösen Neigungen oder handelt es sich selbst um ein böses Wesen?

Leider ist die Auflösung dieses Szenarios ausgesprochen enttäuschend. Schlimm genug, dass der Film schon relativ früh verrät, was nun hinter allem steckt, im Gegensatz zu The Boy, der tatsächlich geschickt eine mysteriöse Stimmung aufgebaut hatte. Die Fortsetzung macht auch alles zunichte, was im Vorgänger geschehen ist. Das ist einerseits verständlich, da es ansonsten wohl keinen Nachfolger hätte geben können. Aber es macht doch viel von dem kaputt, was den Horrorstreifen damals auszeichnete – vor allem zum Ende hin. Da auch die Figuren, von Jude einmal abgesehen, Wegwerfware sind, ist die Rückkehr der Puppe letztendlich enttäuschend. Eine Katastrophe mag Brahms: The Boy II nicht sein, da produziert das Genre regelmäßig noch viel Schlimmeres. Es ist nur alles ziemlich überflüssig.

Credits

OT: „Brahms: The Boy II“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: William Brent Bell
Drehbuch: Stacey Menear
Musik: Brett Detar
Kamera: Karl Walter Lindenlaub
Besetzung: Katie Holmes, Owain Yeoman, Christopher Convery, Ralph Ineson

Bilder

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Brahms: The Boy II
3.85 (76.92%) 13 Artikel bewerten

Brahms: The Boy II
Was lange währt, wird endlich überflüssig. Wenn wir in „Brahms: The Boy II“ die unheimliche Puppe wiedersehen, dann geschieht das zwar in einem vielversprechenden Trauma-Kontext. Daraus wird aber ein Horrorstreifen, der viel zu generisch ist, dem es an Spannung mangelt und der zudem die positiven Aspekte des Vorgängers zunichtemacht.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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