Kritik

Dark Star

„Dark Star“ // Deutschland-Start: 20. Mai 1978 (Kino) // 30. April 2008 (DVD)

Schon seit 20 Jahren ist die Besatzung des Raumschiffs Dark Star im Weltraum unterwegs in ihrer Mission instabile Planeten zu zerstören, welche für die Kolonisierung anderer Welten ungeeignet sind. Seit dem tragischen Tod des Kapitäns Commander Powell (Joe Saunders) ist die Lage an Bord noch zusätzlich angespannt. Während sich Talby (Dre Pahich) immer weiter vom Rest der Crew abkapselt und lieber die Sterne beobachtet, träumt Dolittle (Brian Narelle), ein leidenschaftlicher Surfer, von den Wellen Malibus. Pinback (Dan O’Bannon) und Boiler (Cal Kuniholm) versuchen sich die Zeit derweil durch leidlich lustige Späße zu vertreiben. In ihrer Routine und Langeweile entgeht ihnen der Schaden, der ihrem Schiff im Laufe eines Meteoritensturm zugefügt wurde. Immer wieder kommt es zu Störungen bei der Zündung von Bombe 20, die aber stets durch die Kommunikation zwischen Bombe und Bordcomputer gelöst werden können. Als der Schaden an Bord bedrohliche Ausmaße annimmt und abermals die Bombe kurz vor der Zündung steht, hört diese nicht mehr länger auf die Befehle der Crew oder des Computers.

Dunkle Sterne
Eigentlich war Dark Star nichts weiter als der Abschlussfilm John Carpenters und Dan O’Bannon, die sich während des Studiums an der School of Cinema-Television an der University of Southern California kennengelernt hatten. Mit deutlichen Anleihen an Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum gespickt, wurde der Film als eine Art Persiflage auf diesen verkauft und teils auch noch bis heute so gehandelt, obwohl die eigentliche Inspiration O’Bannons und Carpenters vielmehr in den Science-Fiction Geschichten eines Ray Bradbury zu finden ist. Für die beiden Freunde wurde der Film ihr Einstieg in die Filmwelt, in der Carpenter schon wenige Jahre später mit Halloween ein weiteres Zeichen setzen würde und Dan O’Bannon vor allem als Drehbuchautor, beispielsweise von Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt oder Die totale Erinnerung – Total Recall, bekannt werden würde.

Bei all dem Ruhm ist der Ruf als eine reine Parodie dennoch unzutreffend, nicht zuletzt, weil sich bereits in diesem frühen Film Carpenters viele Themen seines filmischen Werkes zeigen. Die Astronauten der Dark Star sind vielmehr Erkunder jener letzten Grenze, der „final frontier“, die es zu erschließen und zu erforschen gilt. Doch ähnlich wie die Wissenschaftler, die Carpenter beispielsweise in Das Ding aus einer anderen Welt zeigt, ist von jenem Forscherdrang nicht mehr viel übrig geblieben. Routine, Zynismus und emotionale Distanz regieren den Tagesablauf, in dem ironischerweise die Technik auf dem Schiff, der Bordcomputer und die Bomben, die einzigen Teile der Crew sind, die noch miteinander kommunizieren.

Mag die Darstellung des Sets auch dem geringen Budget geschuldet sein, so stellen die engen Gänge, die nicht minder räumlich beschränkten Arbeitsplätze sowie die verwahrlosten Schlafquartiere jene Atmosphäre von gereizter Klaustrophobie dar, die schon bald zu eskalieren droht. Einzig Talby scheint durch seinen Rückzug in die Raumkapsel des Schiffs, welcher Ausblick auf die Sterne gibt, sich der Enge des Raumes entziehen zu wollen, auch wenn ihn dies vom Rest der Crew entfremdet. Deren Frust entlädt sich beim geringsten Anlass, sodass Pinbacks anfangs noch amüsante Jagd auf ein von ihm eingefangenes Alien, das Maskottchen der Crew, zu einer für ihn sehr gefährlichen Aktion wird, ein Spiegel seiner eigenen Erschöpfung und Wut.

Welten, die es zu zerstören gilt
Folgerichtig besteht die Aufgabe dieser Männer weniger in der Erforschung, sondern vielmehr in der Zerstörung von Welten. Die eigene existiert nur noch als eine ferne Erinnerung, Teil jener Videobotschaften, die mit einer 10-jährigen Verspätung bei ihnen im Schiff ankommen und den Männern immer wieder die gleichen Durchhalteparolen zu bieten hat, die schon lange keinen mehr von ihnen erreichen. Bei all den komödiantischen Einlagen, die der Film zu bieten hat, liegt gerade den Dialogen sowie der von Carpenter eingespielten Filmmusik immer auch eine gewisse Dunkelheit zugrunde, eine Ahnung, dass hier etwas schon lange schiefläuft.

Credits

OT: „Dark Star“
Land: USA
Jahr: 1974
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter, Dan O’Bannon
Musik: John Carpenter
Kamera: Douglas Knapp
Darsteller: Dan O’Bannon, Brian Narelle, Cal Kuniholm, Dre Pahich, Joe Saunders

Bilder

Trailer

Kaufen

Bei den Amazon-Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.



(Anzeige)

Dark Star
4.67 (93.33%) 3 Artikel bewerten

Dark Star
„Dark Star“ ist ein überaus interessanter Science-Fiction Film mit einigen komödiantischen Szenen. Dieses Frühwerk Dan O'Bannons und John Carpenters zeigt viele der Themen, die ihre beiden Werke definieren wird wie menschliche Isolation oder die Angst vor dem Fremden. Trotz oder gerade wegen seines geringen Budgets ist „Dark Star“ ein beachtlicher Film, der bis heute unterhält, zum Nachdenken anregt und in seinem Bild der philosophierenden Bombe ein im Gedächtnis bleibendes Bild des Genres beinhaltet.
8von 10

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.