Danowski Blutapfel

„Danowski – Blutapfel“ // Deutschland-Start: 9. Dezember 2019 (TV)

Wer könnte es nur auf Oliver Wiebusch abgesehen haben? Der war unauffällig, nett, hilfsbereit, ein bisschen langweilig vielleicht – so sagen zumindest seine Nachbarn. Und doch hat ihn jemand im Elbtunnel ermordet, erschossen in seinem eigenen Lieferwagen. Der an Hypersensibilität leidende Kommissar Adam Danowski (Milan Peschel), sein alkoholkranker Partner Andreas „Finzi“ Finzel (Andreas Döhler) und die junge Kollegin Meta Jurkschat (Emily Cox) sollen das Rätsel lösen, wer hinter dem Mord steckt – und warum. War es vielleicht einfach eine Verwechslung? Oder war an dem unscheinbaren IT-Berater doch mehr dran, als alle dachten? Dabei führt eine Spur das Ermittlerteam bis tief in den Abgrund der Hamburger Unterwelt …

Braucht die deutsche Fernsehlandschaft unbedingt noch eine weitere Krimireihe? Das Angebot ist gerade bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten inzwischen derart groß, dass man kaum noch den Überblick hat, wer da für wen wo ermittelt. Und warum. Tatsächlich wird manch einer beim Durchblättern der Fernsehzeitschrift erst einmal gar nicht merken, dass Danowski – Blutapfel gar keine Reihe ist, zumindest bislang nicht. Stattdessen handelt es sich um den ersten Auftritt des Hamburger Kommissars. Wobei später vielleicht doch noch weitere kommen. Immerhin hat Till Raether, auf dessen Vorlage der Krimi zurückgeht, schon ein paar Bücher geschrieben, die man adaptieren könnte.

Ach ja, der Täter …
Sollte das geschehen, es wäre keine schlechte Nachricht. Der Auftakt zumindest macht durchaus Lust auf mehr. Dabei ist es weniger der Fall an sich, der Danowski – Blutapfel zu einem lohnenswerten Genrevertreter macht. Das Thema der Urban Explorers – Leute, die privat Industrieruinen, Kanalisationen oder andere verlassene, nicht öffentlich zugängliche Orte erkunden – ist dabei durchaus spannend in dem Umfeld. Es erlaubt dem Film auch ein paar schöne Aufnahmen einer etwas anderen Unterwelt und Anblicke Hamburgs, die man vielleicht noch nicht kennt. Die Auflösung ist hingegen wenig interessant: Wie, das war’s schon?

Wahrscheinlich ging es beim Schreiben der Geschichte aber ohnehin weniger um den Kriminalfall. Viel stärker sind die Figuren ausgearbeitet. Das betrifft gerade die Ermittler: Danowski und Finzel entsprechen nicht unbedingt dem Bild, das wir von leitenden Polizisten haben. In Krimis, gerade deutschen Vertretern, haben meistens eher ernste, respekteinflößende Herren das Sagen. Vielleicht haben die im Privaten Probleme, weil sie sich zu sehr in die Arbeit stürzen und dabei ihre Familie vernachlässigen. Danowski hat hingegen ein ausgesprochen lebendiges Privatleben, ist dafür aber überaus kauzig. Einer, der weder ins Genreschema, noch an seinen Arbeitsplatz passt.

Ein spaßiger Sonderling
Natürlich hat es auch unkonventionelle Polizisten immer mal wieder gegeben, besonders im Serienbereich. Und doch macht eben dieser Spaß, was nicht zuletzt Milan Peschel (Desaster, Der Hauptmann) zu verdanken ist. Immer wieder bringt er etwas Humor und Leichtigkeit in die Mördersuche, ohne dabei gleich zu einer Witzfigur zu werden oder auf schreckliche Kalauer zurückgreifen zu müssen. Die anderen Charaktere stehen da zwangsläufig ein wenig im Schatten, dienen teilweise nur als Kontrastmittel. Immerhin resultiert das jedoch in einer Reihe unterhaltsamer Auseinandersetzungen, die in erster Linie auf Sprachwitz zurückzuführen sind.

Dann und wann verrennt sich Danowski – Blutapfel etwas dabei. Da sind schon längere Passagen, bei denen man den Eindruck hat, dass eigentlich niemanden wirklich interessiert, was genau in dem Tunnel noch vorgefallen ist. Das hat dann manchmal etwas Willkürliches an sich, da verliert man vor lauter Gewusel den Faden. Wer einschaltet, um mal wieder richtig schön nachgrübeln zu dürfen, der ist hier eher falsch, Till Raether ist dann doch keine Agatha Christie. Aber es reicht allemal für einen launigen Abend mit sympathisch angeknacksten Figuren, die wir hoffentlich in der Konstellation nicht zum letzten Mal gesehen haben.



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Danowski – Blutapfel
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Danowski – Blutapfel
Der Einstand ist gelungen: „Danowski – Blutapfel“ ist der erste Filmauftritt eines etwas anderen Kommissars, der im Hamburger Untergrund nach einem Mörder sucht. Der Fall wird dabei etwas zur Nebensache, trotz interessanter Settings und des Urban Explorer Themas. Dafür gefällt der Krimi durch seine Figuren, allen voran den kauzigen Titelhelden.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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