Girl on the Third Floor

„Girl on the Third Floor“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Für Don (C.M. Punk) ist das neue Haus, in das er und seine schwangere Frau Liz (Trieste Kelly Dunn) einziehen wollen, wie ein Neuanfang. Der Ex-Häftling wird zwar in dem Vorort mit gewisser Vorsicht und Skepsis begrüßt, aber weitestgehend mit seiner Renovierung allein gelassen. Und mit der hat er tatsächlich alle Hände voll zu tun. Dunkle Flecken an der Wand sind da noch das geringste Übel. Je weiter er mit der Arbeit vorankommt, desto mehr häufen sich merkwürdige Zwischenfälle, bei dem das Haus einen eigenen Willen zu haben scheint. Und dann läuft ihm auch noch Sarah  (Sarah Brooks) über den Weg, die ihm Hilfe anbietet, ihn dann aber gehörig auf die Probe stellt.

Girl on the Third Floor ist das Regiedebüt von Travis Stevens, der zuvor als Produzent beispielsweise mit 68 Kill bereits auf dem Fantasy Filmfest vertreten war. Schaut man sich die Liste der Filme an, bei denen er als Produzent tätig war, finden sich dort noch diverse Horrorfilme. So verwundert es wohl auch weniger, dass sein erster Langfilm ebenfalls dem Genre angehört.

Dieses verfluchte Haus!
Girl on the Third Floor kommt als Haunted House Horror daher, bei dem man es aber, entgegen anderer heimgesuchter Häuser wie in Conjuring – Die Heimsuchung oder Das Geheimnis von Marrowbone, nicht mit diversen Geistern zu tun bekommt. Hier ist es das das Haus selbst, das ein Eigenleben zu führen scheint. Schleimige Steckdosen, triefende dunkle Flecken an der Wand und verselbstständigte Murmeln sind da nur einige Symptome, die das Haus nicht unbedingt zu einem gemütlichem Heim werden lassen. Stevens nutzt dafür auch augenscheinlich durchweg handgemachte Effekte, was den Film tatsächlich sehr ansprechend macht und von viel Kreativität zeugt.

Weniger kreativ hingegen gestaltet sich dann die Entwicklung der Geschichte. Irgendwie bekommt man das Gefühl, dass der Regisseur auch nicht so richtig zu wissen schien, wohin er mit seiner Idee letztendlich wollte. Oftmals verpasst er schlichtweg Spannungs- oder Gruselmomente bis auf Äußerste auszureizen. Viele Szenen, in denen der Hauptcharakter Don alleine in seinem neuen Haus unterwegs ist, verlaufen sich dann doch zusehends in Belanglosigkeit, sodass die Bedrohung oft gar nicht als solche wahrgenommen wird. Hier stellt sich einfach die Schwäche des Skripts heraus, die ab der zweiten Hälfte noch deutlicher zu erkennen ist. Stevens entscheidet sich nämlich doch dazu, für seine Idee dem Zuschauer noch eine Erklärung oder gar Auflösung mit Happy End präsentieren zu müssen, anstatt es einfach bei einem unlösbaren Horror zu belassen.

Unterwegs im Stich gelassen
Umso enttäuschender ist eben der Weg, den er dabei geht. Don, durchaus annehmbar vom ehemaligen Wrestler C.M. Punk verkörpert, im Grunde auf einen moralischen Selbstfindungstrip zu schicken, während seine hochschwangere Frau sich lediglich Sorgen um die Renovierung macht, hätte nicht unglücklicher für Girl on the Third Floor sein können. Die Charakterentwicklung des ehemaligen Bad Boys Don ist dafür einfach zu schwach geschrieben, als dass dies in Verbindung mit seinem Haunted House Horror tatsächlich Sinn ergeben würde. Denn Stevens konzentriert sich zunächst einfach zu sehr auf den Aufbau der gruseligen, übernatürlichen Atmosphäre, die das Haus ausstrahlen soll, als auf seine Hauptfigur und dessen Lebenswandels.

Natürlich schreckt der Regisseur dabei auch nicht davor zurück, relativ klischeebehaftet die blonde Verführung noch mit in seine Story einzubauen, um den vermeintlichen Antihelden noch auf die Probe zu stellen. Damit verspielt Stevens jedoch seine zuvor so schön aufgebaute Atmosphäre und trotz aller Bemühungen, auch bei den Schauspielern mit hervorragender Maske zu glänzen, erreicht der Film nicht mehr den Gruseleffekt, den man sich für einen Horrorfilm wünschen würde.

Girl on the Third Floor
4.11 (82.22%) 18 Artikel bewerten

Girl on the Third Floor
„Girl on the Third Floor“ glänzt mit handgemachten Effekten und anfangs noch mit einem atmosphärischen Haunted House Horror. Leider verliert der Film zusehends aufgrund der unausgereiften Story an Spannung und mündet zum Schluss sogar in einer unnötig erzwungenen Auflösung. Eine durchaus interessante und furchteinflößende Idee wurde hier Opfer einer Geschichte, bei der der Regisseur das Ziel aus den Augen verloren zu haben scheint.
5von 10

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