Unbreakable

„Unbreakable – Unzerbrennlich“ // Deutschland-Start: 28. Dezember 2000 (Kino) // 20. September 2001 (DVD/Blu-ray)

David Dunn (Bruce Willis) kann sein Glück kaum fassen, als er im Krankenhaus zu sich kommt. Nicht nur, dass er der einzige ist, der den verheerenden Zugunfall überlebt hat. Er hat noch nicht einmal einen Kratzer davongetragen. Aber was, wenn es doch kein Glück war? Das zumindest legt ihm Elijah Price (Samuel L. Jackson) nahe, der leidenschaftlich Comicbücher sammelt und der ständig an gebrochenen Knochen leidet. Zunächst glaubt David kein Wort von dem, was er da hört. Doch je mehr er darüber nachdenkt, umso mehr wird ihm bewusst, dass er noch nie krank, nie verletzt war. Ob vielleicht doch mehr dran ist an dieser seltsamen Theorie?

Es ist der bekannte Fluch des Erfolgs: Nachdem M. Night Shyamalan mit The Sixth Sense eine absolute Sensation geglückt war, der bis zur Veröffentlichung der Stephen King-Adaption Es mehr Geld eingespielt hatte als jeder andere Horrorfilm, waren die Erwartungen an das Folgewerk natürlich gigantisch. Und die Enttäuschung im Anschluss auch. Unbreakable spielte nicht nur rund 400 Millionen Dollar weniger ein, bei gleichzeitig gestiegenen Produktionskosten. Auch die Reaktionen von Zuschauern und Kritikern waren sehr viel weniger euphorisch.

Man muss ja nicht alles zeigen
Ein Grund dafür war sicherlich das etwas irreführende Marketing, das Unbreakable als Mystery-Thriller hatte verkaufen wollen. Denn von Thrill ist hier nicht viel zu spüren, Spannung gehört nicht zu den großen Stärken des Werks. Soll aber auch gar nicht, wie der Umgang mit der anfänglichen Katastrophe zeigt. Was bei anderen Regisseuren leicht zum Höhepunkt hätte werden können, siehe etwa Flight, wird hier komplett übergangen. Dass der Unfall überhaupt stattgefunden hat, erfahren wir aus Zeitung und Erzählungen.

Viel wichtiger sind Shyamalan die Figuren, die hier umherlaufen, sowie deren wechselseitige Beziehung. Überraschend stark ist dabei das ambivalente Verhältnis von David zu seiner Frau Audrey (Robin Wright) und dem Sohn Joseph (Spencer Treat Clark). Die reagieren nicht nur sehr unterschiedlich auf die angeblichen Superkräfte von David, sondern sind auch sonst kaum vergleichbar. Während Joseph geradezu besessen von der Idee ist, einen Supervater zu haben, wäre Audrey schon froh, wenn sie ein normales Leben führen könnte. Eine normale Ehe.

Die Menschen hinter den Fähigkeiten
Tatsächlich ist Unbreakable am stärksten, wenn es gar nicht um unzerbrechbare Knochen, angebliche Krankheiten oder die Möglichkeit von Superhelden geht, sondern die umso brüchigere Ehe im Mittelpunkt steht. Wenn der Film in erster Linie ein charakterbezogenes Drama ist. Aber auch die Überlegung, wie ein Durchschnittsmensch mit der Idee umgeht, Superkräfte zu haben, ist nicht ohne Reiz. Sofern man David überhaupt als Durchschnittsmenschen bezeichnen wollte. Er hält sich finanziell mehr schlecht als recht über Runden, seine zwischenmenschlichen Fähigkeiten sind überschaubar, er ist gerade dabei, seine Ehe endgültig zu zerstören. Es ist ein starker Gegenentwurf zu den üblichen Strahlemännern, die Shyamalan hier entwirft.

Doch ausgerechnet die Superheldengeschichte an sich ist irgendwie sehr mäßig geworden. Die Hommage an die Welt der Comics übernimmt zwar deren lächerliche Geschichten – wie kann es sein, dass David erst mit 50 merkt, dass er nie krank war? Vieles ist willkürlich, wird nicht erklärt, neigt zum Grotesken, etwa beim ebenso obligatorischen wie unsinnigen Twist zum Schluss. Und doch nimmt Shyamalan seinen Film ernst, viel ernster, als er es verdient. Als Einstieg in die damals schon geplante Comicfilm-Reihe ist das etwas schwierig, Licht und Schatten liegen eng beieinander: Unbreakable ist gleichzeitig überzogen und reduziert, nachdenklich und unreflektiert, atmosphärisch dicht und dabei doch irgendwie schrecklich langweilig und nichtssagend.



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Unbreakable – Unzerbrechlich
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Unbreakable – Unzerbrechlich
Mit „Unbreakable“ legte M. Night Shyamalan eine recht ungewöhnliche Liebeserklärung an die Welt der Comics vor. Das funktioniert als Porträt einer zerbrechenden Ehe sehr gut, hat Interessantes zu unfreiwilligen Helden zu sagen, ist letzten Endes aber doch irgendwie langweilig, teils lächerlich und zu selbstverliebt.
6von 10

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